Frühe Warnzeichen von Vernachlässigung in der Grundversorgung von Säuglingen und Kleinkindern
Interdisziplinäre Fortbildung für Fachkräfte aus Kinder- und Jugendhilfe sowie Gesundheitswesen
Die verlässliche Sicherstellung der physischen und psychosozialen Grundversorgung von Säuglingen und Kleinkindern bildet das Fundament eines wirksamen präventiven Kinderschutzes. Doch wann wird aus einer belasteten Lebenssituation eine ernstzunehmende Gefährdung?
Im Mittelpunkt der interdisziplinären Fortbildung steht die vertiefte Auseinandersetzung mit Vernachlässigung in der Grundversorgung und der Deckung grundlegender Bedürfnisse (Ernährung, Hygiene, Pflege, Schlaf, medizinische Versorgung). Die Fortbildung bietet eine klare begriffliche Einordnung und Abgrenzung zu anderen Formen der Vernachlässigung sowie zu suboptimaler Versorgung infolge von Armut, Überforderung oder fehlendem Wissen. Dabei werden insbesondere Graubereiche zwischen Belastungssituationen und akuter Kindeswohlgefährdung reflektiert.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Inaugenscheinnahme im Rahmen von Hausbesuchen: Welche Blickfelder sind relevant? Welche Indikatoren weisen auf Mangelernährung, Dehydrierung, Gedeihstörungen, unzureichende (Zahn-)Hygiene, versäumte Vorsorgeuntersuchungen oder „Kinderarzthopping“ hin? Welche Anzeichen sind leicht zu übersehen oder sollten zeitnah erneut überprüft werden? Wie fügen sich einzelne Beobachtungen zu einem belastbaren Gesamtbild?
Praxisnah werden typische Fallkonstellationen bearbeitet. Themen wie unsachgemäßer Umgang mit Medikamenten, Über- oder Fehlfütterung, Haut- und Körperpflege, Regulationsunterstützung, Impf- und Vorsorgeverhalten sowie elterliche Unsicherheiten werden anhand konkreter Ankerbeispiele diskutiert.
Darüber hinaus reflektiert die Fortbildung die Rolle professioneller Haltung, eigener Erfahrungen und möglicher Vorannahmen in der Gefährdungseinschätzung. Die Eignung und Grenzen von Checklisten werden ebenso thematisiert wie die Frage, wie Indikatoren fachlich fundiert dokumentiert und rechtlich tragfähig eingeordnet werden können.
Ein weiterer Fokus liegt auf der interdisziplinären Kooperation: Wie gelingt eine abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Jugendhilfe, Gesundheitswesen, Frühen Hilfen und weiteren Netzwerkpartnern? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen, Meldewege, Dokumentationsanforderungen sowie Aspekte von Schweigepflicht und Datenschutz sind zu beachten?
Die Fortbildung verbindet fachlichen Input, Fallarbeit und kollegialen Austausch. Sie stärkt die Sicherheit in der Wahrnehmung relevanter Anzeichen, unterstützt eine differenzierte Einschätzung in komplexen Lebenslagen und fördert ein gemeinsames professionelles Verständnis im Sinne eines wirksamen Kinderschutzes.
Diese interdisziplinäre Fortbildung richtet sich an Fachkräfte aus dem Allgemeinen Sozialen Dienst, dem Gesundheitswesen, den Frühen Hilfen, Eltern-Kind-Einrichtungen sowie Fachkräfte aus der ambulanten Jugendhilfe und ehrenamtlich Tätige. Ziel ist es, den professionellen Blick für Vernachlässigung in der Grundversorgung zu schärfen, Handlungssicherheit zu gewinnen und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu stärken.
Die Teilnahme an der Fortbildungsveranstaltung ist durch die Förderung aus Mitteln der Bundestiftung Frühe Hilfen kostenfrei.
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Referent: Herr Dr. Andreas Oberle (Kinder- und Jugendarzt, Kinderschutzmediziner (DGKiM), Ärztlicher Direktor Sozialpädiatrisches Zentrum, Olgahospital, Klinikum Stuttgart)
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Termin: 25. Juni 2026, 09:00 bis 15:00 Uhr
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Ort: Seminarhaus „UcKerWelle“, Brüssower Allee 48a, 17291 Prenzlau
Quelle: Landkreis Uckermark