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Appell der Landrätin

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

erneut wurden im Nationalpark Unteres Odertal und in der Kernzone verendete Schweine gefunden, die positiv auf die hoch ansteckende Afrikanische Schweinepest (ASP) getestet worden sind. Davon wurden vier Schweine im Polder 4, drei Schweine im Polder 10 und fünf Schweine in der Kernzone bei Hohenfelde aufgefunden.

Damit erhöht sich die Anzahl der gefundenen und positiv auf ASP getesteten Wildschweine auf 45 Tiere. Leider haben wir in den zurückliegenden Wochen - auch aufgrund der medialen Aufmerksamkeit - vermehrt Zerstörungen des Zaunes in Form von Einkürzungen oder Zerschneidung des Zaunes bis zum Boden zu verzeichnen.
Die unkontrollierte Öffnung des Zaunes verhindert einen wirksamen ASP- Seuchenschutz und erfüllt den Tatbestand der Sachbeschädigung. Das ist kein Kavaliersdelikt.

Die Verhinderung der Ausbreitung der ASP ist eine Aufgabe, die das Land Brandenburg auf die betroffenen Landkreise übertragen hat. Der Bau von Zäunen stellt derzeit das wirksamste Mittel zur Bekämpfung und Ausbreitung der hochansteckenden Seuche dar. Das bedeutet, jeder positive ASP Fall wird mit einer eingezäunten Kernzone in einem Radius von ca. 3km und einer ca. 5km vom Fundort entfernten Pufferzone ebenfalls durch einen festen ASP Schutzzaun gesichert. Daraus folgt: je weiter sich die ASP ins Landesinnere ausbreitet, umso mehr eingezäunte Gebiete entstehen, die mit Einschränkungen für die dort lebenden Menschen und für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung der Flächen, aber auch für die ansässigen Jäger einhergehen.

Ich möchte nicht noch mehr Zäune bauen müssen, weil wir jetzt die ASP nicht aufhalten können!

Wir haben Kenntnis darüber, dass im polnischen Nachbarkreis Gryfino vermehrt positiv auf ASP getestete Wildschweine gefunden wurden – in der Zeit vom 10.01.22 bis zum 27.01.2022 waren es beispielsweise 23 positiv getestete Tiere.

Das bedeutet: auch weiterhin ist das ASP Gefahrenpotential an der deutsch-polnischen Grenze sehr hoch. Da diese Entwicklung zu erwarten war, hatten wir uns 2020/2021 entschlossen, die Zäune so östlich wie möglich zu setzen.

Im Übrigen wurde der erste Zaun am Fuße des Winterdeiches in enger Abstimmung mit dem Leiter des Nationalparks Unteres Odertal errichtet und alle aufgestellten Zäune werden nach einer von Fachleuten erarbeiteten Richtlinie erbaut.
Ich bedaure sehr, dass es aufgrund des durch Eisgang entstandenen Hochwassers zwischen Weihnachten und Silvester Rehwild verendet ist. Niemanden von uns lassen diese Bilder kalt.

Als am 4.01.2022 die Bilder im Internet auftauchten, haben wir sofort reagiert und dort wo es möglich und notwendig war, die Tore tagsüber geöffnet.

Nach Absprache mit den Ministerien MSGIV und MLUK wurden am 11.01.2022 Veränderungen an den Zäunen vorgenommen, indem Zaunhöhen reduziert und Rehdurchlässe integriert wurden. Die ersten Auswertungen der installierten Kameras zeigen, dass Rotwild – auch ein Rotwildkalb- den 1,20m hohen Zaun ohne weiteres überspringen, dass Rehe den Rehdurchlass durchschreiten, dass Füchse, Waschbären und Hasen durch die Maschen schlüpfen und damit die Zäune keine unüberwindbare Barriere darstellen.

Aus diesem Grund appelliere ich an Sie, die ASP-Schutzzäune für die Verhinderung der Ausbreitung der Seuche zu akzeptieren.

Weitere Zerstörungen oder Manipulationen am Zaun vergrößern die Gefahr der ASP Ausbreitung und das würde noch mehr Tierleid bei Wild- und Hausschweinen nach sich ziehen. Weitere neue Zäune müssten in der Uckermark errichtet werden.

Bitte behalten Sie Ihre Hunde beim Spaziergang auf dem Oder-Neiße- Radweg an der Leine, um das scheue Rehwild nicht weiter zu verschrecken.

Fütterungen an den Durchlässen sollten Sie bitte unterlassen. Bilder der Wildkameras zeigen, dass diese Durchlässe gemieden werden.
Sollten Sie krankes oder verendetes Wild feststellen, rufen Sie im Veterinäramt an, aber halten Sie bitte Abstand.
Im Nationalpark sind bisher eine Graugans und ein Schwan an der hochansteckenden Vogelgrippe verendet. Bitte berühren Sie keine toten oder kranken Vögel, denn die Vogelgrippe ist auf den Menschen übertragbar.

Ich bin mir bewusst, dass die Emotionen bezüglich der verendeten Tiere am Zaun am Fuße des Winterdeichs teilweise sehr hoch sind, möchte Ihnen aber mitteilen, dass eine Versetzung des Zauns nach Westen eine teilweise Schließung (Betretungsverbot) des Oder Neiße Radweges nach sich ziehen könnte.

Unser Ansinnen beim verordneten Zaunbau war und ist immer, möglichst alle Belange zu betrachten, gegeneinander abzuwägen und die Varianten zu wählen, die die Ausbreitung der ASP wirksam verhindern und die Einschränkungen für unsere Menschen, für unsere Landwirtschaftsbetriebe und für unsere Jagdausübungsberechtigte so gering als möglich zu halten, aber auch den Tierschutz zu gewährleisten.

Ihre Landrätin

Karina Dörk