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Fahrenwalde

Die abgeschlagenen Hände

In der Kirche zu Fahrenwalde, zwischen Brüssow und Pasewalk, wurden Jahrhunderte lang in einer Nische an der Ostwand der Kirche, neben dem Altar, die sogar durch eine Klappe verschlossen werden konnte, zwei Frauenhände aufbewahrt.

Eine soll sogar aus Holz gewesen sein. Man wußte früher noch zu berichten, daß bei Fahrenwalde eine Frau ermordet worden sein soll. Ihre Leiche lag aber genau auf der Grenze zwischen Fahrenwalde und Wetzenow. Der ganze Körper lag auf der Wetzenower Feldmark, eine abgeschlagene Hand auf der Feldmark von Falkenwalde. Man bestattete die Frau in Wetzenow, die Hand kam in die Kirche von Fahrenwalde. Über die hölzerne Hand wußte man nichts zu berichten, sie soll schon vor längerer Zeit verschwunden gewesen sein. Die andere mumifizierte Hand wurde ins Prenzlauer Museum gebracht.

Eine weitere Sage berichtet von einem Dieb, den man in den breiten und starken Kirchturm sperrte, da man dachte, daß er von hier nicht entweichen könnte. Am anderen Morgen war er doch verschwunden. Er hatte in der Leichenkammer einen Besen gefunden, mit dem er an der Turmwand heruntergeritten war. Anderen Berichten nach soll die Totenhand die Hand eines Vatermörders gewesen sein, die aus dem Grabe gewachsen war.

Recht gruselig geht es auf dem "Sekelberg" zu. Hier spukt in ganz bestimmten Nächten ein Reiter ohne Kopf auf einem weißen Schimmel.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997

Falkenwalde

Die Sage vom Bollenberg

Unweit von Falkenwalde liegt der Bollenberg. Es wird erzählt, vor langer Zeit hätten dort einmal zwei Stiere gehaust, ein schwarzer und ein weißer. Ihre Hörner und Hufe wären aus glänzendem Gold gewesen.

Früh am Morgen konnte man beobachten, wie sie abwechselnd zum nahegelegenen Prähnsee zur Tränke liefen, begegneten die Bewohner dem schwarzen Stier, bedeutete das für sie einen glücklichen Tag, begegneten sie aber dem weißen, mußten sie auf der Hut sein, denn das verhieß Unglück. So lebten die Menschen mit den Stieren und richteten sich all die Jahre klug nach ihnen ein. Zur Weihnachtszeit konnte man beide Stiere gemeinsam zur Tränke gehen sehen.

Mit der Zeit ging aber auch das Gerede um, die Stiere behüteten einen großen Schatz. Das ließ einen der Bewohner Falkenwaldes nicht mehr ruhig schlafen. Im Besitz eines Zauberknochens, beschloß er, den Schatz zu heben. An einem Weihnachtstag, als sich beide Stiere vom Berg entfernt hatten, machte er sich mit seinem Sohn auf den Weg. Am Berg angekommen, fanden sie auch einen Schatz, beluden ihre Trage mit Gold und Silber. Schweigend, denn so war es verlangt, eilten sie zurück. Doch in seiner Gier hatte der Vater den Sohn überschätzt: Dieser konnte kaum noch die Trage halten. Das Schweigegebot vergessend, rief der Vater: "Holl fest!" Die Last wurde plötzlich leichter und nach einer Weile mußten sie feststellen, daß Gold und Silber verschwunden waren. Statt dessen trugen sie nur einen Haufen Stroh. Seit diesem Tage wurden auch die Stiere nie wieder gesehen, Man sagt, sie hätten sich in den Berg zurückgezogen, um den Schatz besser hüten zu können...

Quelle: Heimatkalender Prenzlau 1998, 39. Jahrgang, Kultur arche Prenzlau

Fergitz

Wie Ritter Kurt das Zaubern lernte

Im Oberuckersee gegenüber Fergitz liegt eine kleine Insel, der Burgwall genannt. Auf dieser Insel soll nämlich vor Zeiten ein Schloß gestanden haben. Es gehörte dem Suckowschen Kammerherrn, der im Volksmunde auch Ritter Kurt genannt wurde. Ritter Kurt nun war ein mächtiger Zauberer. Er hatte eine Bibel, die mit Ketten verschlossen war. Das war auch nötig; denn es war keine von den gewöhnlichen Bibeln mit den üblichen fünf Büchern Mose, sondern sie enthielt deren sieben. Und in diesen zwei außergewöhnlichen Büchern soll ja das rechte Zauberzeug stehen. Die Schrift war schon ganz vergilbt und kaum lesbar; aber der Kammerherr hatte hieraus ein groß Teil seiner Kunst entnommen. Einige besondere Hauptstücke allerdings hat er vom Müller Pumpfuß gelernt. Der Müller war einer der größten Zauberkünstler, die es je gegeben hat. Er durchstreifte die ganze Uckermark und kam bis weit in die Neumark.

Ein gewisser Ruf eilte ihm schon immer voraus. Am liebsten schien ihm aber die Gegend zwischen Gramzow und Gerswalde zu sein; denn hier tauchte er am häufigsten auf. Mit Müller Pumpfuß nun kam Ritter Kurt auf folgende Weise zusammen. Eines Abends kam der Suckowsche Kammerherr spät nach Hause zurück. Wie er an einen Hohlweg kam, scheuten die Pferde plötzlich vor einem dunklen Gegenstande, der quer über dem Wege lag, und wollten durchaus nicht weiter. Der Kutscher dachte, da läge ein Betrunkener. Er stieg ab und wollte ihm auf die Beine helfen oder aus dem Wege schaffen. Doch der Daliegende rückte und rührte sich nicht. Er machte sich steif wie ein Baumstamm und gab sich ein Gewicht, daß er nicht einmal fortzukullern war. Da wurde der Kammerherr wütend. Er befahl dem Kutscher wieder aufzusteigen und über den Kerl schnurstracks hinwegzubrausen. Der Kutscher kam dem Befehl nach; aber soviel er auch auf die Pferde einhieb und an den Zügeln riß, sie gingen nicht vorwärts. Der Wagen blieb wie angenagelt stehen. Da merkte Ritter Kurt, daß der Wagen "festgemacht" sei. Nun half all kein Toben und Schimpfen. Jetzt ging nur Güte vor Gewalt. Der Kutscher noch einmal vom Bock und den Kerl fragen, wer er eigentlich sei, und was er wolle.

Als er nun hörte, daß Müller Pumpfuß im Wege gelegen habe, da fiel es dem Kutscher wie Schuppen von den Augen. Ritter Kurt aber triumphierte und sprach über das ganze Gesicht lachend: "Aha, das trifft sich; Müller, dich habe ich lange genug gesucht". Pumpfuß mußte in den Wagen steigen und mit ins Schloß fahren. Hier wurde er wie ein Herr gehalten, damit der Kammerherr alles von ihm zu wissen bekäme, was ihm noch abginge. Als Ritter Kurt nun nach einiger Zeit glaubte, alles zu können, fragte er seinen Lehrmeister, ob er ihm auch alles, was er wisse, gezeigt habe. Wie das Pumpfuß bejahte, ließ der Ritter einen Scharfrichter kommen, der dem Müller den Kopf abschlagen sollte. (Ritter Kurt hatte wohl Grund dazu, wie es uns die folgende Sage zeigen wird). Pumpfuß tat vollkommen gleichgültig, als wenn ihn die Sache gar nichts anginge. Sollte er genug von diesem Leben haben? Gleichgültig legte er auch seinen Kopf auf den Block. Aber was war das? Als eben der Scharfrichter zuhauen will und schon das Beil in der Luft schwebt, da bleibt es schweben - es ist festgemacht. Pumpfuß aber erhebt sich lachend und sagt: "Siehst du, Kammerherr, das Kunststück habe ich noch für mich behalten", und geht ungefährdet seiner Wege. Der Kammerherr aber war froh, daß er den unheimlichen Gast so ohne weiteres los war und sich keine anderen Folgen zeigten.

Quelle: Unsere Heimat, Blätter für Heimatpflege, Unterhaltung und Belehrung, Wochenbeilage zum "Templiner Kreisblatt, Templiner Zeitung", Nr. 53, Freitag, den 04. März 1938, 91. Jahrgang

Frauenhagen

Wie der Name Frauenhagen entstand

Dorf- und Flurnamen, die irgendwann einmal entstanden, deren Ursprung und Sinn im Laufe der Zeit aber verloren ging, suchte man sich neu zu erklären. Das Dorf und die Kirche von Frauenhagen wurden im Jahre 1637 zerstört und nur acht Menschen überlebten. Die Sage erzählt darüber folgendes:

Der Ort hieß früher einmal anders. Bei einer Seuche im Großen Kriege wurden alle Menschen hingerafft. Es blieben nur noch ein Mann und acht Frauen übrig. Da diese alle zusammen wirtschafteten, wurde der Ort Frauenhagen genannt.

Quelle: Uckermark, Komm laß dich verzaubern..., Broschüre des Frauenprojektes PRAKTIKAS Starke Frauen sehen Land - Frauen in der Dorf- und Regionalentwicklung, pixel Druck GmbH, Prenzlau