Inhalt

G

Gerswalde

Der Alte Fritz und der Müller

Der Alte Fritz war gewiß ein großer König gewesen; aber einmal war ihm uckermärkische Bauernschlauheit in Gestalt eines einfachen Schäfers übergekommen. Es soll da rechts weg von Gerswalde gewesen sein, als der König eines Tages an einer Mühle vorbeifuhr, an der weithin sichtbar geschrieben stand: "Ich lebe ohne Sorgen." "Was, denkt der König, "habe ich mir eigens mein Sanssouci bauen lassen, damit ich einen Ort hätte, an dem mich die Sorgen nicht erreichten. Und trotzdem wars mir nicht gelungen, die graue Frau zu bannen. Und dieser Müller will zuwege bringen, was nicht mal einem König gelang? Dann kann er mehr als Brot essen. Den Kerl muß ich mir ansehen". -

Er läßt also den Müller herausrufen und fragt ihn, wie er sich unterstehen könne, hier auszuposaunen, daß er ohne Sorgen lebe. Sorgen hätte doch jeder Mensch! Der Müller aber blieb dabei, er wisse nicht was Sorgen sind. Da meinte der König, daß das nicht mit rechten Dingen zuginge und der reine Übermut wäre. Aber er wollte ihm drei Fragen vorlegen, wenn er darauf eine Antwort fände, wolle er ihn zufrieden lassen. Er solle ihm sagen: erstens wie hoch der Himmel, zweitens wie tief das Meer sei und drittens, was er, der König, gerade denke. - Das gab nun zunächst doch einen Schreck; aber der Müller fand sich bald, so leicht ließ er sich nicht ins Boxhorn jagen. Und er hielt den Kopf schief und sprach zum König: "Jao, dat geiht so up´n Plutz nich, dat will erst ´n bäten öwerleggt sin." Er dachte, Zeit gewonnen, alles gewonnen. Der König sprach: "Gut, ich habe hier beim Schulzen noch zu tun, komme ich zurück, dann will ich nichts mehr von Überlegen wissen." - Der König fährt also weiter. Der Müller aber kratzt sich die Ohren. Doch Sorgen? Diese Fragen ihm Sorgen machen? Gibts ja gar nicht. Da fällt ihm auch schon der alte Schäfer ein, dieser Neunmalgescheite; flugs läuft er zu dem und erzählt, wie es ihm erging, - "Doch", sagt der Schäfer, "nichts lichter as dat". Er ging mit dem Müller, zog sich des Müllers Zeug an und stellte sich breitbeinig vor die Mühle.

Bald darauf kommt auch der Alte Fritz zurück. "Na", sagt er, "weiß Er nun wie hoch der Himmel ist?" "N´ Dagreis´," sagt der Schäfer, "so mütt man in een Dag hen; denn Krög tum Inkehren sin dor nich unnerwägs, un Christus is ok in een Dag no`n Himmel föhrt." "Hm" sagt der König, "da hat Er sich nicht schlecht herausgewunden. Und wie tief ist das Meer? "Gen Steenworf deep", antwortete der Schäfer. "Und was denke ich?" "Wat Se denken? hä, hä, hä! Se denken, ick bin de Möller; aber ick bün jo bloßig de Scheeper in´n Möller sin Tüch". "Er Sackermenter!" drohte lachend der Alte Fritz und ist weiter gefahren mit halb zufriedenem, halb besorgtem Blick über die bestellten Fluren.

Quelle: Unsere Heimat, Blätter für Heimatpflege, Unterhaltung und Belehrung, Wochenbeilage zum "Templiner Kreisblatt, Templiner Zeitung", Nr. 53, Freitag, den 04.März 1938, 91. Jahrgang

Gollmitz

Vom neuen Friedhof von Gollmitz

Bevor die fromme Gräfin von Kallenberg einen neuen Friedhof hinter dem Gutshaus anlegen ließ, befand sich an der Stelle ein hoher, spitzer Hügel. Hier spukt es hin und wieder. Im Berg sind nämlich die Schätze des Ritters Buck bergraben. Der böse Geist des Ritters zauberte jedem, der sich dem Hügel näherte, einen Buckel an. Doch die fromme Gräfin ist tapfer immer wieder auf den Hügel gestiegen und betete "Bewahr Leib und Seel, Herrgott, vor Tod und Höll", und wirklich, der böse Geist konnte ihr nichts anhaben. Sie gelobte daraufhin, hier einen Friedhof zu errichten, auf dem sie dann auch beerdigt sein wollte. Fortan konnte in aller Ruhe der Friedhof angelegt werden, und die Arbeiten wurden von der Spukgestalt des Ritters nicht mehr gestört.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997

Der Grafenstein

Westlich vom Dorf Gollmitz, südlich der Chaussee nach Boitzenburg auf einer kleinen, mit kümmerlichem Gesträuch bewachsenen Anhöhe, an deren Fuß eine umfangreiche Kiesgrube liegt, befindet sich ein 1 Meter breiter Stein, auf dem 8 Näpfchen eingegraben sind, von denen 2 etwas länglicher sind. Sie machen den Eindruck, als ob die Fingerspitzen, allerdings nur je 4 einer Hand, abgebildet seien. Der Altsitzer Laatsch aus Gollmitz erzählte dazu folgendes:

Der alte Örtzen, dem mal die ganze Gegend gehörte, stand bekanntlich unter dem Bösen! Wie er so eines Tages über den Uckersee geht, jawohl, geht, (das konnte er!) da sieht er in der Nähe seiner Burg in Gollmitz einen abscheulichen Draken. Sogleich zog er seinen Säbel und ging auf den Draken los, schlug ihm auch mit dem ersten Hieb eine Kralle und mit dem zweiten Schlag eine andere ab. Der Drake in seiner Wut nahm einen großen Stein, der bei ihm lag, und warf ihn nach dem alten Örtzen. Traf ihn aber nicht. So konnte der Örtzen das Untier schließlich töten. Auf dem Stein aber sind heute noch die Krallen des Draken zu sehen. Es sind aber bloß 8 Eindrücke zu sehen, denn zwei Krallen hatte ihm der Ritter abgehauen.

Quelle: Heimatkalender Prenzlau, 1996, 39. Jahrgang, Kultur arche Prenzlau

Das steinerne Halsband

Der alte Bauer Sch. hat auf seinem Hofe vor seiner Stalltür einen runden Stein liegen, der hat etwa einen halben Meter Durchmesser. In der Mitte ist ein Loch, Sch. erzählte seinem Pfarrer, daß er den Stein von seinen Vorfahren habe und sich von ihm nie trennen werde, denn es habe mit ihm eine eigene Bewandtnis.

Vor langen, langen Jahren, als noch der Mahlzwang herrschte, mußten die Gollmitzer Bauern in die Boitzenburger Mühle, um ihr Korn mahlen zu lassen. Da machte sich auch eines Wintertages der Bauer auf den Weg und fuhr zur Mühle. Der Abend kam früh, und so mußte der Rückweg in der Dunkelheit angetreten werden. Wie Sch. nun an der Karolinenhöhe vorbeifuhr, wo es ja nicht ganz geheuer ist, hörte er plötzlich ein Toben, Schreien und Hundegebell. Es dauerte auch gar nicht lange, da sah er die alte Hexe, Hull mit Namen, die in der ganzen Gegend berüchtigt war und immer nur mit einer Meute riesiger Hunde ausritt, die Feuer spien, auf sich zukommen. Gierig wollten die Hunde die Pferde anspringen, aber schnell warf der Bauer ihnen das ganze Mehl auf den Weg. Mit wüstem Gebell stürzten die Tiere auf die Säcke und fraßen alles auf, um dann eilig zu ihrer Herrin zurückzujagen. Da sah der Bauer, daß einer der Hunde sein steinernes Halsband verloren hatte. Er lud es auf seinen Wagen, um wenigstens etwas nach Hause zu bringen. Als er seiner Frau erzählt hatte, was ihm Schlimmes passiert war, gab ihm diese den Rat, doch am nächsten Tag den Stein wieder auf die Stelle zu legen, wo er ihn gefunden habe. Als er am nächsten Morgen an die Stelle kam, da fand er seine Mehlsäcke der Reihe nach aufgestellt. Er lud aber das steinerne Halsband ab und sein Mehl dafür auf und fuhr nach Hause. Hier aber fand er auch das steinerne Halsband mitten auf seinem Hofe liegen; denn "wat'n Minsch anfot' hätt, dat nähmen de Düwels nich mehr an". Seit der Zeit ist der Stein auf dem Hof geblieben, und er hat immer Glück gebracht.

Quelle: Heimatkalender Prenzlau 1988, 31. Jahrgang , Kreiskulturhaus Prenzlau

Göritz

Das Wiesel vom "Kothschen Berg"

Fährt man von Göritz nach Schönfeld, so sieht man, nicht weit von Göritz entfernt, eine immer mehr verfallende, aber wunderschön gelegene Windmühle. Südlich von ihr liegen die "Kothschen Berge".

In einem dieser Berge hauste ein großes Wiesel. Manche sagen auch, es wäre eine große Katze. Vor diesem Tier mußte man sich in acht nehmen. Das Wiesel gehörte einem alten Heidenkönig, der in der Nähe des Berges wohnte. Er war ein reicher König, und er hatte eine schöne Tochter. Bald fand sich auch ein ebenbürtiger Freiersmann, und schließlich heirateten die beiden. Der Schwiegersohn aber war in seinem Herzen sehr böse; denn er hatte es nur auf die Schätze des alten Königs abgesehen. Er ermordete seinen Schwiegervater, raubte viel von seinen Schätzen und floh in ein fernes Land. In großer Trauer wurde der ermordete König von seinem Volk auf dem Berg beigesetzt. Viele Racheschwüre stiegen zum Himmel empor. Dem Mörder nützte die Flucht nichts, auch er wurde in der Fremde erschlagen. Seine Seele kehrte wieder in die Heimat zurück, und er mußte vor dem erscheinen, den er in gemeiner Goldgier erschlagen hatte, Nun sitzt der greise König in jeder Johannisnacht auf dem Berg und hält über den Mörder Gericht. Danach übergibt er ihn dem Wieseltier, welches ihn zerreißt und er ein sehr qualvolles Ende erleiden muß.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997

Gramzow

Der Schatz unter der Klosterruine

Sagen und Märchen haben sich auch um die Mauern der Klosterruine von Gramzow geschlungen. Auch von Schätzen, die sie noch verbergen, will man wissen. Ein Amtmannsknecht wußte ganz besonders gut damit Bescheid.

Er erzählte den drei Söhnen seines Herrn, daß unter der Klosterruine ein Schatz verborgen sei, den man nur in der Geisterstunde bei Mondschein heben könne. Man dürfe aber dabei kein Wort sprechen. Die neugierigen Söhne bewogen den Knecht, mit ihnen zur Ruine zu gehen, um nach dem Schatz zu graben. Munter gingen sie an die Arbeit. Nach einer geraumen Zeit stießen sie auf einen großen Kessel, in dem sie den Schatz vermuteten. Unerwartet kam der alte Amtmann hinzu, beobachtete eine Weile ihr Treiben und fragte dann verwundert, was sie eigentlich vorhätten. Alle schwiegen, weil sie fürchteten, sie könnten den Schatz verlieren. Sie bedeuteten auch dem Amtmann, sich ruhig zu verhalten, am besten sich zu entfernen. Der aber wollte sich nicht abweisen lassen, forderte vielmehr mit barschen Worten Aufklärung. Da sagte ihm einer ganz leise ins Ohr: "Wir wollen den Schatz heben." Das aber hätte er nicht sagen dürfen. Zwar wurde der Kessel freigelegt und aus der Erde gehoben, aber man fand in dem Gefäß nichts weiter als wertlose Scherben.

Quelle: Uckermark, komm laß dich verzaubern..., Broschüre des Frauenprojektes PRAKTIKAS, Starke Frauen sehen Land - Frauen in der Dorf- und Regionalentwicklung

Müller Pumpfuß

In der Gegend von Gramzow hat vor langen Jahren ein Müller gewohnt, der war ein Tausendkünstler und hat Pumpfuß geheißen. Man hat ihn aber selten zu Hause angetroffen, sondern er ist bald hierhin, bald dahin in der Gegend umhergewandert und hat dabei fleißig das Handwerk gegrüßt. Nahm man ihn nicht freundlich auf und gab ihm nicht reichlich Speise und Trank, dann geschah es wohl, daß er den Mühlstein der so groß war, daß ihn vier Pferde kaum von der Stelle brachten, auf den Nacken nahm und damit aufs Dach kletterte, wo er ihn liegen ließ, so daß der Müller und seine Gesellen ihn nachher nur mit äußerster Mühe herunterbringen konnten. Solchen oder ähnlichen Schabernack konnte man stets erwarten, wenn man ihn nicht aufnahm. Das Schlimmste dabei war, daß man ihn erst nach dem Schaden erkannte. So waren Meister und Gesellen in einer Wassermühle auch einmal gerade damit beschäftigt, eine Welle einzurichten. Da kommt er, Pumpfuß, an und bittet, man möge ihm doch eine gastliche Aufnahme gewähren. Der Müller indes weist ihn ab, indem er sagt, sie hätten jetzt keine Zeit ihm aufzuwarten. Da ging Pumpfuß fort, und als man die Welle einpassen wollte, da war sie viel zu kurz, und doch hatte man die Länge vorher ganz genau gemessen. Das kam denn doch allen sehr sonderbar vor und gleich fiel dem Meister ein, das möge wohl Pumpfuß gewesen sein. Da mußte sich denn einer eilig auf ein Pferd setzen und Pumpfuß, der noch nicht weit fort sein konnte, zurückholen. Als der nun zurückkam, da hatte auch die Welle das vollkommen richtige Maß, Pumpfuß blieb nun da und wurde gut bewirtet.

Quelle: Heimatkalender Prenzlau 1998, 24. Jahrgang, Kreiskulturhaus Prenzlau

Grenz

Vom Radberg und seinem Gespenst

An der alten Weggabel, westlich des Dorfes Grenz, wo die Wege nach Grünow und Cremzow sich teilen, befindet sich der Radberg. Hier spielte sich eine schaurige Geschichte ab, die sich während des Dreißigjährigen Krieges ereignet haben soll.

Ein Kaufmann reiste von Pommern über Grenz nach Grünow. Ein Freund des Kaufmanns aus Grünow hatte ihm einen Knecht als Führer mitgegeben, da die Wege schlecht waren. Der Knecht aber ermordete den Kaufmann um seines Geldes willen und verscharrte ihn am Wegesrand. Er ging nach Prenzlau und ließ sich von den Soldaten anwerben. Der Freund des Kaufmanns ließ nichts unversucht, um den entlaufenen Knecht wiederzufinden. Er fand ihn auch bei den Soldaten. Kein Lügen half, der Knecht mußte den Mord gestehen. Er wurde zum Tode durch das besonders qualvolle Rädern verurteilt. Das Urteil wurde auf dem Radberg vollstreckt. Seitdem spukt dort die Seele des Knechtes. Immer wieder will das Gespenst einem vorbeiziehenden Wanderer Gold anbieten. Doch die meisten wissen darüber Bescheid und nehmen es nicht an. Einmal jedoch nahm ein reicher Bauer aus Gier eine Handvoll Golddukaten von dem Geist an. Kaum hatte er es in der Hand, da verbrannte er sich die Hand bis auf die Knochen. Dazu hat das Gespenst ganz schaurig gelacht.

Reste aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges oder Hinweise auf eine Richtstätte sind auf dem Radberg bisher noch nicht gefunden worden. Als man jedoch in den 1950´ Jahren anfing, den Radberg zur Kiesgewinnung abzutragen, fand man bronzezeitliche Urnengräber, deren Alter 3.000 Jahre beträgt. Vom Radberg selbst ist heute nicht mehr viel übriggeblieben.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997

Groß Dölln

Bärens Kirchhof

Dort, wo die drei Kreise Templin, Angermünde und Niederbarnim zusammenstoßen, liegt der große Döllnsee. Mit einem langen Zipfel umschließt er fast den kleinen lieblichen Wuckersee. Und nicht weit von hier, unmittelbar an der Kreisgrenze, ist ein Steinmal, das man Bärens Kirchhof nennt; denn dort soll ein Förster namens Bärens begraben liegen. Es sollte in der Grimnitzer Forst nämlich einmal, wie es heißt zur Zeit des Kurfürsten Joachim, eine große Schweinsjagd abgehalten werden.

Der damalige Heidereuter Bärens begab sich deshalb drei Tage vorher an den Ort, den der Kurfürst umstellen ließ, um die Schweine zu körnen und zu beobachten. Wie er nun des Nachts still auf seinem Beobachtungsstand saß, hörte er nach zwölf Uhr plötzlich eine Stimme aus dem nahe gelegenen Bruche, die dumpf aber deutlich vernehmlich fragte "Ist der Stumpfschwanz da, der den Förster Bärens zu Tode bringen soll?" In der nächsten Nacht hörte Bärens wieder die Stimme. Da erzählte er es dem Kurfürsten und äußerte nach seinem Bericht die Vermutung, daß er annehme, die Stimme gehöre irgendeinem Hofbedienten, der ihn furchtsam machen wolle. Der Kurfürst befahl ihm darauf, niemand weiter etwas zu sagen und die folgende Nacht zu Hause zu bleiben. Statt seiner mußte nun der Büchsenspanner des Fürsten an der Stelle wachen und die Schweine körnen. Aber auch der Büchsenspanner hörte dieselbe Stimme. Darum wurde dem Heidereuter verboten, die Jagd, die am folgenden Tag vor sich ging, mitzumachen.

So war er gewiß allem in der Luft hängenden Unheil aus dem Wege gegangen. Doch als die Jagd beendet war, meinte Bärens nun unbesorgt an die Stelle hinausreiten zu können. Er tat es, besichtigte die stattliche Strecke der Schweine und siehe, es war unter den getöteten Sauen wahrhaftig ein Stumpfschwanz. Eben wollte man ihn auf den Wagen laden. Bärens trat lächelnd hinzu und sagte: "Du solltest mir das Leben nehmen und bist eher tot als ich?" Bei den Worten faßte er das Schwein, um es zu halten; derweile die aufladenden Bauern die andere Wagenleiter vorschoben. Aber weiß der Himmel wie es zuging! Der Kopf des Schweines, der schon auf dem Wagen lag, rutschte plötzlich plump und schlitzte dem Heidereuter mit seinen Hauern den Leib auf. Nach wenigen Augenblicken, nachdem er sich noch einige Male vor Schmerz im Kreise herumgedreht hatte, gab Bärens seinen Geist auf. An der Stelle seines Todeskampfes hat man den Heidereuter auch begraben. Den Platz hat man mit Steinen eingefaßt, und bis auf den heutigen Tag heißt er Bärens Kirchhof.

Quelle: Unsere Heimat, Blätter für Heimatpflege, Unterhaltung und Belehrung, Wochenbeilage zum "Templiner Kreisblatt, Templiner Zeitung", Nr. 53, Freitag, den 04.März 1938, 91. Jahrgang

Die Sage von der Klingelmarie

Nicht weit von Groß Dölln soll es vor langer Zeit ein prächtiges Schloss gegeben haben. Die Stelle heißt heute im Volksmund "Punskuhl", von einem Palast ist aber weit und breit nichts zu sehen. Der Rittersmann, der darin gelebt haben soll, hatte eine schöne Tochter namens Marie. Von Erziehung verstand er wohl nichts, denn Marie genoss alle Freiheiten, die man sich nur vorstellen konnte. Dem Mädchen tat das offensichtlich nicht gut, denn ihr Hochmut kannte keine Grenzen. So konnte es niemanden verwundern, dass die Strafe von höchster Stelle nicht allzu lange auf sich warten ließ und das Schloss samt Marie und aller anderen Bewohner in den Tiefen der Schorfheide versank. Seither befindet sich an dieser Stelle eine sumpfige Niederung, eben der "Punskuhl". Es heißt, die inmitten des Terrains blühenden Wasserrosen seien die verzauberten Burgfräuleins aus dem untergegangenen Schloss und im Schilf könne man die Knappen und Ritter erkennen. Manchmal, so wird berichtet, steigt die stolze Marie von zarten Klingellauten begleitet und in weiße Tücher gehüllt bei Nebel aus dem Sumpf. Sie hofft wohl, eines Tages von ihrem Leid der Ruhelosigkeit befreit zu werden. Niemals aber darf man die schöne Unsterbliche anrühren. Dann wird einen selbst der Tod holen.

Quelle: Brandenburg, Band 1 der Norden, Die Uckermark, ADAC Berlin-Brandenburg

Groß-Fredenwalde

Der Goldschatz im Weinberg bei Groß-Fredenwalde

Auf dem Weinberg lagen vorzeiten ungeheure Goldschätze. Obwohl es den Menschen bekannt war, getraute sich keiner an die Hebung der Schätze zu gehen; denn dieses Gold gehörte dem Teufel. Wer es haben wollte, mußte seine Seele dem Höllenfürsten verschreiben. Da war nun mal ein Bauer, der gar ärmlich war und nach einer Mißernte kaum noch was in die Suppe zu brocken hatte. Da ließ ihm der Gedanke an das Gold im Berge keine Ruhe. Des Nachts träumte er davon und zu seiner Frau sprach er wohl mehr als einmal: "Wenn man doch nur einen Sack des verteufelten Goldes hätte." Da kam ihm auch schon der Leibhaftige, dem der Bauer jetzt reif zu sein schien, ins Haus. Der Bauer verschrieb seine Seele, wußte aber noch die Bedingung daran zu knüpfen, daß er wieder frei ausgehen sollte, wenn es ihm gelänge, das Gold zwischen dem ersten und zweiten Hahnenschrei zu bergen. Der Teufel dachte bei sich, daß er das nimmermehr möglich machen könne. Außerdem zeigte er dem Bauern nun nicht genauer die Lage des Schatzes, der mußte sich ihn vielmehr mühselig allein suchen. - Nun ging ein wildes Buddeln los. Die langen und tiefen Löcher, die der Bauer mit seinen Leuten grub, sind heute noch an dem Berge zu sehen. Als nach wochenlanger Arbeit der Schatz endlich entdeckt und die nächste Nacht für seine Bergung angesetzt war, gab der Bauer vor dem Fortgehen seiner Frau ein breites Band, das sie dem Hahn nach dem ersten Schrei um den Hals binden sollte, damit ein zweiter Schrei verhindert würde. Durch diese List gelang es dem Bauern tatsächlich, den Schatz rechtzeitig zu bergen und den Teufel, der mit wilder Fratze abzog, zu übervorteilen.

Quelle: Unsere Heimat, Blätter für Heimatpflege, Unterhaltung und Belehrung, Wochenbeilage zum "Templiner Kreisblatt, Templiner Zeitung", Nr. 53, Freitag, den 04.März 1938, 91. Jahrgang

Güterberg

Der Spukgeist im Tümpel

Tümpel und Kreuzwege bei Güterberg waren vor langer Zeit ein wahrer Tummelplatz für Spukgeister, die hier um Mitternacht Angst und Schrecken hervorriefen. Gar schlimm trieb es ein Spukgeist am Rande eines Tümpels, der am Weg nach Carolinenthal liegt. Gern sperrte er dem nächtlichen Wanderer, der des Weges kam, das Weiterkommen nach Carolinenthal. Tückisch stieß er jeden, der ihm dabei zu nahe kam, in die dunkle Flut des Tümpels. Wenn Vorüberkommende seiner ansichtig wurden, und mutig versuchten, den Tümpelgeist mit gezielten Steinwürfen zu vertrieben, staunten sie nicht schlecht, daß dieses niemals gelang. Der Spukgeist behauptete seinen Platz auch, wenn er, wie es schien, von Steinen getroffen wurde. Es gab nur ein Mittel, den Spukgeist zu bewegen, in die Tiefen des Tümpels hinabzutauchen: ein Ehering. Aber dieser mußte von einem Priester geweiht sein und man mußte schon mit dem Ring nach dem Tümpelspuk werfen. Zuweilen liegt in der Nähe des Tümpels eine Semmel. Wehe dem, der diese aufnimmt oder gar von ihr zu essen beliebt. Schon das Aufnehmen zieht Krankheit nach sich, und der Verzehr der Semmel bedeutet mit Sicherheit weit Schlimmeres.

Quelle: Erwin Schulz, Das blaue Licht - Sagen und Geschichten aus dem Raum Strasburg-Woldegk, Schibri-Verlag Milow