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K

Kaakstedt

Der Schimmel

In der Nähe des Dorfes Kaakstedt liegt das Rittergut Plötzensee an einem See gleichen Namens. Der See wird an einer Seite von einer Wiese begrenzt, die durch eine mit Bäumen und Gestrüpp bewachsene Berglehne abgeschlossen wird. Hier ist es nicht geheuer.

Des Nachts zwischen 12 und 1 Uhr, zur Spukstunde, treibt hier ein weißes Pferd sein Wesen; es rennt jeden über den Haufen, der sich zu dieser Stunde auf den Bergabhang wagt. Einst wollte ein beherzter junger Mann aus einem Nachbarorte dem Spuk zu Leibe gehn. Er stellte sich hinter einen Baum und erwartete die Spukstunde. Schlag 12 Uhr erschien auch wirklich der Schimmel und tummelte sich springend und wiehernd auf der Wiese. Den Mann, der dem Pferde vom Baume aus zusah, befiel plötzlich eine große Müdigkeit; er konnte nicht anders, er mußte sich niederlegen zum Schlafe. Während er dalag und schlief, sprang das Pferd auf ihn zu, beschnüffelte ihn, zog ihm seine Geldbörse aus der Tasche, und schlug ihn dann mit dem Hufe und verschwand. Der Schläfer erwachte und lief, so schnell ihn seine Füße zu tragen vermochten, davon.

Quelle: Unsere Heimat, Blätter für Heimatpflege, Unterhaltung und Belehrung, Wochenbeilage zum "Templiner Kreisblatt, Templiner Zeitung", Nr. 53, Freitag, den 04.März 1938, 91. Jahrgang

Kleptow

Der Fuchsdämon

Ein Bauer aus Kleptow bei Carmzow hatte einst mit dem Bösen einen Pakt geschlossen und dabei seine Seele verkauft. Dafür besaß er einen "Geist", das heißt einen Dämonen, der ihm vom Teufel geliehen war und alle Dinge verrichtete. Dieser erschien fast immer in Gestalt eines Fuchses. In den ersten Jahren hatte sein Besitzer ihn im Hause gehalten, weil er aber zu sehr nach Teufel stank, brachte er ihn auf einem Berg bei Kleptow unter, der seitdem auch der "Fuchsberg" heißt. So oft der Bauer den Namen des Dämonen rief, war er sofort bei ihm und fragte nach seinen Begierden. Alles schaffte er dann heran; nur Geld konnte er nicht besorgen. Das ärgerte den Bauern sehr! Da machte der Fuchs folgenden Vorschlag: Der Bauer sollte ihn in die Brüssower Kirche schicken, dort müßte er eine Oblate stehlen, und sie dann durchbohren.

Nun hätte der Fuchs soviel Macht, Geld herbeizuschaffen, wieviel er wolle. Der Bauer stimmte zu und befahl dem Fuchsgeist, die Oblate aus der Brüssower Kirche herbeizuschaffen. Es kam aber anders: Der Pfarrer von Brüssow erwischte den Fuchs und prügelte ihn aus seinem Fell. Mit Mühe und Not erreichte der Fuchsgeist wieder das Gehöft seines Besitzers. Er kam aber ohne Fell und Haut und ohne Oblate zurück. Er fror nun ganz jämmerlich. Listig wie er nun einmal war, fragte er den Bauern, ob er nicht ihm seine Menschenhaut leihen könnte. Der Bauer sagte zu, der Fuchs schlüpfte in seine Haut und sagte: "Du kannst Dir ja einen Pelz kaufen, wenn ich erst das Geld herbeischaffen kann!" Das war ein Hohn, denn der geschundene Bauer starb. Seitdem spukt beim Kleptower Fuchsberg ein Fuchs in Menschenhaut. Eigentlich tut er niemandem etwas Böses an, aber er versucht sich bei jedem, der vorbeikommt, als dienstbarer Geist anzubieten. Aber alle, die ihm begegnen, wenden sich mit Entsetzen ab. Noch lange soll ein Fuchsfell in der Brüssower Kirche gehangen haben; nun ist es aber verschwunden, und heute ist alles vergessen.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997

Der unsichtbare Nachtwächter

Die Kleptower hatten einst einen alten Nachtwächter, der nicht viel taugte und winters und sommers, anstatt zu wachen, entweder in eine Scheune kroch oder hinter der Friedhofsmauer schlief. Außerdem war er noch ein heimlicher Säufer und benötigte Nachtruhe sehr.

An einem schönen Sommermorgen hatte er wieder seinen Rausch ausgeschlafen und ging nach Hause. Unterwegs fällt ihm schon auf, daß der Pastor, dem er auf der Dorfstraße begegnete, ihm auf seinen Gruß nicht dankte, sondern sich erstaunt nach allen Seiten umsah. Noch schlimmer wird´s, als er zu Hause seine Frau in der Küche antrifft und sie nach etwas fragt. Auch sie sieht erst erstaunt umher und läuft dann schreiend zum Nachbar. Beim Nachbar muß er dasselbe erleben. Sowie er anfängt zu reden, läuft alles schreiend davon. Da erst merkte er, daß die Menschen ihn wohl hören, aber nicht sehen können, daß er unsichtbar sei. Ihm war nämlich Farnkrautsamen bei seinem nächtlichen Schlaf in den Leib gekommen. Nun reift in ihm der Gedanke, daß er ja jetzt ein feines Leben führen könnte. Nichts war vor ihm sicher, er stahl alles zusammen, vor allem Schnaps. Er trank so viel, bis er schließlich krank wurde, und der Tod über den See kam, um ihn zu holen. Aber selbst der Tod konnte ihn nicht finden, da er ja unsichtbar war.

So spukt nun seit dieser Zeit der unsichtbare Nachtwächter in der Gegend umher, und am besten kann man ihn bemerken, wenn irgendwo Schnaps unbeaufsichtigt stehen bleibt.

Quelle: Gerhard Hänsel, Uckermärkische Sagen, KiRO-Verlag 1996

Klinkow

Der Klinkower Höllenhund

Kommt man von Prenzlau nach Klinkow, so muß man kurz vor dem Ortseingang durch einen Hohlweg. Hier spukt es seit uralten Zeiten. Geht jemand zu Mitternacht durch den Weg, so muß er an einen Tümpel vorbei, dem Tisfoortenbrock, einem sumpfigen Gelände, links des Hohlweges. Hier kommt dann plötzlich der Höllenhund heraus. Er sieht furchterregend aus, hat faustgroße, funkelnde Augen und drei Schwänze – einen weißen, einen roten und einen gelben. Der Hund geht immer neben dem Wanderer her und sieht ihm ins Gesicht. Sind beide bis an den Hohlweg gekommen, dann ist der Hund plötzlich verschwunden.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997

Ein Teufelspakt in Klinkow

In Klinkow selbst lebte vor vielen Jahren ein Knecht, der regelmäßig seinen Wochenverdienst verspielte und vertrank. An einem Sonnabend kehrte er um Mitternacht wieder einmal mit leeren Taschen aus dem Dorfkrug heim. Laut vor sich hin fluchend ging er am Kirchhof vorbei. Wie aus der Kirchhofmauer kommend, stand plötzlich ein fremder, unheimlicher Mann vor ihm. Dieser bot dem Knecht seine Hilfe an. Er sollte sich einen schwarzen Kater besorgen, um Mitternacht an einen Kreuzweg gehen, dort ein helles Feuer anmachen, und den Kater hineinwerfen. Der Fremde – es war der Teufel selbst – wollte ihm dann einen Taler schenken. Vorher aber müßte der Knecht mit ihm um die Wette laufen. Würde er eingeholt, bevor er die Kirchhofmauer erreicht, dann müßte er dem Teufel seine Seele überlassen. Da bekam der Knecht es mit der Angst zu tun, und der Teufel war auch verschwunden.

Sein Angebot aber ließ den Knecht nicht zur Ruhe kommen. In einer Vollmondnacht ergriff er sich einen Kater, steckte ihn in einen Sack, nahm trockenes Holz und Stroh mit und aus dem Pferdestall eine Leine. Als er auf halbem Wege zum Kreuzweg war, spannte er die Leine quer über den Weg. Danach ging er direkt zur Wegekreuzung, zündete ein Feuer an und warf den Kater hinein. Da gab es plötzlich einen großen Knall, und die Luft war von Schwefelgestank erfüllt. Der Teufel stand nun leibhaftig vor ihm und hielt ihm grinsend den Taler hin. Sofort stürmte der Knecht los und sprang über die ausgespannte Leine. Der Teufel aber fiel lang hin, und ehe er den Knecht erreichen konnte, war dieser an der Kirchhofmauer. Mit großem Getöse und Gestank verschwand der Böse. So oft nun der Knecht den Taler ausgab, immer wieder fand er in seiner Tasche einen neuen. Es war eben ein Hecktaler.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997

Klockow

Der große Heinrich

Gleich hinter dem nördlichen Dorfausgang von Klockow biegt rechts von der Straße nach Schönfeld ein alter Feldweg ab. Er führte vor vielen Jahren durch den "Eichquast" an Hünengräbern vorüber – an Heinrichswalde vorbei – nach Fahrenwalde. Dieser Weg wurde, auf der Mitte der Strecke ungefähr, geschnitten von einem anderen, dem Weg von Neuenfeld nach Carmzow. Hier an dieser uralten Wegkreuzung trieb ein ganz wunderliches Gespenst, "De grot Hinrich", sein Unwesen.

Meist erschien er denjenigen, die, ob bei Tag oder Nacht, nicht schnell genug über die Kreuzung kommen konnten, und spielte ihnen so manchen Schabernack. Manchmal fordert er sie auf, mit ihm "Hutstoßen" zu spielen. Doch wehe ihnen, wenn sie darauf eingehen. Das Gespenst legt auf einen Stein ein Goldstück und verspricht dem, der am weitesten mit dem Fuß den Hut des Gespenstes fortstoßen könne, als Belohnung ein Goldstück. Dann stößt "De grot Heinrich" zuerst, und der Wanderer, ermutigt durch die geringe Wucht des Stoßes, will es nun auch einmal probieren. Doch das hätte er nicht tun sollen, denn statt des weichen Hutes trifft er mit voller Kraft einen harten Stein, den das Gespenst in den Hut verwandelt hat. Er kann froh sein, wenn er sich nur den "Pottschoh" (Holzpantoffel) zerbricht – und sich nicht auch die Zehen blutig schlägt. Höhnisch-meckernd lacht dann das Gespenst und verschwindet im Gebüsch.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997

Kröchlendorff

Das arme Zieglermädchen

Bei Kröchlendorff stand in früheren Zeiten eine Zieglerstätte. Wie lange es her ist, weiß niemand mehr zu sagen. Es war wohl die Zeit, in der Hexen und Zauberer gewaltige Macht über die Menschen hatten.

Damals lebte in einer Ziegelei ein sehr schönes Mädchen. Alle jungen Burschen versuchten ihre Liebe zu erwerben. Einer tat sich darin besonders hervor. Er meinte es aber nicht ehrlich und das Mädchen mochte den Jüngling ganz und gar nicht leiden. Eines Tages saß sie in der Nähe des Zieglerofens und seufzte von Herzensgrund. Da lachte eine helle Flamme aus dem Ofen, die die Gestalt eines Menschen hatte, und sprach: "Gräme dich nicht, ich will vergehen und entstehen - ich will dich erlösen von dem Bösen." Darauf verschwand die Flamme wieder in den Brennofen. Wie das Mädchen noch über diese geheimnisvollen Worte nachdachte, hörte es hinter sich den Ziegler gewaltig schimpfen. Aus seinem Gerede hörte sie, daß alle Flammen erloschen waren und niemand sie wieder zum Brennen brachte. Das war in der ganzen Umgebung so. Das war eine schlimme Zeit für die Leute. Eines Tages meldete sich ein Mann, der sagte, daß er ein Mittel gefunden hätte, um das Feuer im Lande wieder zu entzünden. "Laßt hören!" riefen die Menschen. "Ihr müßt den reichen Jüngling herbringen, der dem armen Zieglermädchen nachstellt, er ist Schuld an eurem Unglück." Es dauerte gar nicht lange, da brachte man ihm den Burschen. Darauf ging der Zauberer mit dem Jüngling nach der Ziegelei, in der das Mädchen arbeitete. Die Menschen strömten hinter ihnen her. Als sie zur Ziegelei gekommen waren, ließ der Mann den Jüngling auf einen Tisch steigen und befahl ihm, sich auszuziehen. Kaum hatte er das unter Widerstreben getan, da stieg aus seinem Leibe eine große Flamme empor. An dieser zündeten sich alle Zuschauer ihre Lichter und Kienspäne an. Endlich hatte auch der Letzte sein Feuer erhalten. Jetzt durfte der Jüngling vom Tisch springen. Er verließ die Gegend und das Zieglermädchen hatte fortan Ruhe.

Quelle: Gerhard Hänsel, Uckermärkische Sagen, KiRO-Verlag, 1996