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Ringenwalde

Der Ringenwalder Kirchturm

Rechts hinter dem Ringenwalder Schloßpark stehen drei starke Eichen. Auf dem Platz zwischen diesen Eichen liegt ein großer Findling, der über zwei Meter aus dem Erdboden ragt und einen Umfang von fast elf Metern aufweist. Auf der einen Seite dieses gewaltigen Steines sind deutlich die Eindrücke von einer Hand zu sehen. Dieser Findling hat nicht immer an dieser Stelle gelegen, sondern vorzeiten, als Ringenwalde noch keine Kirche hatte, lag er auf der entgegengesetzten Seite des Dorfes. Als Ringenwalde nun aber ein Gotteshaus baute, hat das den Teufel so geärgert, daß er voller Wut den riesigen Stein nahm und damit die Kirche in Trümmer schleudern wollte. Des Teufels Wut war aber so groß, daß es kein wohlgezielter Wurf wurde, sondern daß der Stein über das ganze Dorf hinwegsauste und auf seiner Bahn nur den Turm der Kirche wegrasierte. Von der zupackenden Teufelsklaue rühren die merkwürdigen Eindrücke am Findling her. Der Ringenwalder Kirche aber erhielt erst 1890 ihren jetzigen Turm.

Quelle: Unsere Heimat, Blätter für Heimatpflege, Unterhaltung und Belehrung, Wochenbeilage zum "Templiner Kreisblatt, Templiner Zeitung", Nr. 53, Freitag, den 04.März 1938, 91. Jahrgang

Wilks Tod

Zwischen dem Libbesickesee und dem Lübbelowsee im Ringenwalder Forst heißt eine Stelle Wilks Tod. Der Name soll von folgender Begebenheit kommen: Einst führte ein Bauer seine Kuh von Petersdorf nach Ringenwalde. Unterwegs wurde die Kuh plötzlich rasend, der Bauer hatte seine liebe Not, sie zu halten. Da entglitt ihm der Leitstrick und schon wandte sich das wildgewordene Rind gegen ihn, schob ihn vor sich her und preßte ihn an einem Kiefernstamm zu Tode. Die Kuh konnte auch nicht sobald eingefangen werden, sie verwilderte vollständig. Endlich lief sie einem Heidewärter in den Weg, der sie erschoß.

Quelle: Unsere Heimat, Blätter für Heimatpflege, Unterhaltung und Belehrung, Wochenbeilage zum "Templiner Kreisblatt, Templiner Zeitung", Nr. 53, Freitag, den 04.März 1938, 91. Jahrgang

Rittgarten

Die Taufe von Rittgarten

Mitten in der kleinen Fachwerkkirche von Rittgarten - die heute leider nicht mehr steht, da sie wegen Baufälligkeit abgetragen werden mußte - lag ein walzenförmiger Stein, der Taufstein. Über diesen Stein wurde folgende Geschichte erzählt.

Etwas abseits von Rittgarten, in einem kleinem alten Haus, am Wege nach Kraatz lebte eine sehr alte Frau. Bei ihr wohnte ein wunderschönes Mädchen, angeblich ihr Urenkelkind. Das stimmte aber nicht, denn die Alte war eine Hexe und das Mädchen eines von den vielen Wiesenhüpfern oder Irrlichtern, die um die alte Kirchruine bei Wittstock herumgeistern - durch ihre Künste wieder zu einem Menschen gemacht, damit die Alte einen Dienstboten hätte. In dieses Mädchen verliebte sich ein junger Gelehrter, der bei dem Herrn von Holtzendorf zu Rittgarten Erzieher war. Vergeblich war aber all seine Liebesmüh um das junge Mädchen. Sie antwortete nicht, denn sie war eine arme, ungetaufte Seele und befand sich im bösen Bann der alten Zauberin. Eines Tages hörte der Gelehrte von einem umherziehenden Bettelmann, daß man solche ungetauft verstorbenen Menschen erlösen könne, wenn man den Taufstein fände, über dem sie eigentlich getauft werden sollten. Nun gab es ein eifriges Überlegen und Forschen. Endlich wurde es dem Gelehrten klar, daß die Hexe nur eine Seele aus dem längst wüst gewordenen Dorf, welches zur Kirchenruine bei Wittstock gehört hatte, eingefangen haben könne.

Er grub dort in der Kirchenruine nach und fand nach vielen Mühen auch den Taufstein. Dazu fehlte ihm aber eine heile Kirche; denn die, in der er gegraben hatte, war ja eine Ruine und leer. Mit viel Geduld, Fleiß und Kraft brachte er es fertig, in dem Nachbarort von Wittstock, Rittgarten, eine kleine Kirche – die ehemalige Fachwerkkirche – zu bauen. Schmuck stand nun das neue Gotteshaus da – und in seinem Mittelpunkt der alte Taufstein. Zum Ärger der Hexe wurde nun das junge Mädchen getauft und damit erlöst. Martin Lehmann hieß der Erbauer, wurde dann mit dem Mädchen getraut und war der erste Pastor in Rittgarten. Zur Erinnerung hat er seinen Namen in den Balken der Kirche eingeschrieben. Tatsache ist, daß sich auf der Grenze der Feldmark zwischen Wittstock und Rittgarten die Ruine einer stattlichen Feldsteinkirche befindet, die im 13. Jahrhundert erbaut wurde. Sie ist etwas größer wie die in den umliegenden Orten sich befindenden Dorfkirchen. Ein Keller eines zu dem Dorf gehörenden Bauernhauses wurde in unseren Tagen ausgegraben. Sicher gehört ein Friedhof zur Kirche, Teile der alten Kirchhofmauer sind heute noch zu erkennen. Spielende Kinder oder Raubgräber und Schatzsucher sollen beim Nachgraben im Kirchenschiff das Skelett eines hünenhaft großen Menschen mit einer eisernen Axt gefunden haben.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997

Röpersdorf

Die Äbtissin aus dem Sabinenkloster

Die Bauern von Röpersdorf hatten früher allerlei Verpflichtungen gegenüber dem Prenzlauer Sabinenkloster. Deshalb hatten sie sich auch häufig des Besuchs der Äbtissin zu erfreuen. Diese ließ sich in der Regel in einem Fischerkahn über den Uckersee setzen. Als die Äbtissin eines Tages wiederum Röpersdorf aufsuchen wollte, um einen Besuch bei einem Kranken abzustatten, gelang es dem Fischer nicht, den Kahn an das Ufer zu bringen, da es zu dichten Rohrwuchs hatte. Das vergebliche Mühen des Fischers bemerkte der Bauer Dinneis, der in seinem Garten, gegenüber von der Kirche beschäftigt war. Als dieser die Äbtissin in dem Kahn erkannte, watete er durch das Rohr und erbot sich, die fromme Frau auf dem Rücken an das Land zu tragen. Diese ging auch auf sein Anerbieten ein, und nachdem sie ihren Krankenbesuch abgestattet hatte und ans Ufer zurückgekehrt war, stand Dinneis wiederum bereit und trug sie in derselben Weise in den Kahn zurück. Als die Äbtissin Platz genommen, legte sie ihre Hände segnend auf das Haupt des Bauern und sprach: Du hast mir einen schönen Dienst getan, Gott wird dir´s vergelten. Solltest du einmal in großer Not sein, so sprich die Worte: Ach, daß mir Hilfe käme! und du wirst Errettung finden. Ich warne dich aber, mit diesen Worten Mißbrauch zu treiben. Hiermit verabschiedete sie sich und trat die Rückfahrt nach Prenzlau an.

Die Äbtissin war bereits eine hochbetagte Frau, und nicht gar lange Zeit nach diesem Ereignis starb sie. Dinneis lebte längere Zeit in Glück und Frieden. Da geschah es in einer Nacht, daß seine Frau erkrankte. Dinneis saß sorgenvoll an dem Bette der Leidenden. In dieser Not erinnerte er sich daran, was ihm einst die Äbtissin verhießen hatte, und unwillkürlich kamen die Worte über seine Lippen: Ach, daß mir Hilfe käme. Kaum hatte er so gesprochen, da öffnete sich die Tür, und herein trat eine Frauengestalt, in der er sofort die fromme Klosterfrau erkannte. Mit den Worten: Friede sei mit euch, trat sei näher, berührte das Angesicht der leidenden Mutter, und diese gebar glücklich ein gesundes Knäblein. Das wurde von der frommen Frau geschmückt, gekleidet und an das Herz der Mutter gelegt. Darauf wurden Mutter und Kind gesegnet, und die Klosterfrau war verschwunden. Dinneis sollte aber noch öfter die Hilfe seiner seligen Beschützerin erfahren. Zwar war er in Haus, Hof und Feld gesegnet und zu Wohlstand gekommen, aber nach Jahren geschah es, daß an einem heißen Sommertage von Westen her ein Gewitter heraufzog, ein Gewitter, das sich vom Uckersee nicht nach Norden oder Süden abweisen ließ, sondern direkt über den See nach Osten zog. Gewaltig entluden sich die Blitze über Röpersdorf und einer von ihnen zündete in dem Gehöft des Bauern. Dieser hatte sich und den Seinen zwar das Leben gerettet, aber in wenigen Stunden war sein Wohlstand zu Asche geworden. In einem Nachbarhause fand der Obdachlose vorläufiges Unterkommen.

Hier geschah es in einer Nacht, daß er keinen Schlaf finden konnte, sein Herz war von Sorgen erfüllt. Unwillkürlich falteten sich seine Hände, und er sprach die Worte: "Ach, daß mir Hilfe käme!" Sobald er dies gesprochen, erschien im Zimmer die alte Freundin mit einer Fackel in der Hand und sprach: Dinneis, verlaß dein Lager und folge meinen Schritten. Der Bauer wurde über die Dorfstraße zum Kirchhof und von dort durch die Kirche in die Sakristei geführt. Hier löste die Äbtissin einen Stein aus der Wand und sprach: Nun greif zu und nimm, soviel du nötig hast! Dinneis griff zu ein-, zwei und dreimal; es waren lauter geprägte Gold- und Silberstücke, welche er hier fand. Darauf wurde er wieder durch die Kirche auf den Kirchhof geführt, und seine Begleiterin war plötzlich verschwunden. Fröhlichen Herzens suchte er sein Lager auf, und noch in demselben Jahre gründete er wieder einen eigenen Herd. In Kraft und Gesundheit erreichte Dinneis ein hohes Alter, so daß er als Greis noch an den schwierigsten Erntearbeiten teilnehmen konnte. Einst aber befand er sich auf einem beladenen Erntewagen, sein Fuß trat fehl, er fiel auf den harten Scheunenflur und brach ein Bein. Auf dem langen Krankenlager fühlte Dinneis, daß in seinem Alter eine Heilung des Bruches nimmer möglich sei. In diesem Zustande, als seine Kräfte abgenommen, und er den letzten Kampf herannahen fühlte, sprach er: Ach, daß mir Hilfe käme. Sofort erschien ihm die Äbtissin und fragte nach seinem Begehr. Dinneis antwortete: Ich habe Lust, abzuscheiden und bei Christo zu sein. Darauf trocknete sie ihm den Schweiß von der Stirn und sprach: Dir geschehe, wie du willst! und nachdem Dinneis von den Seinen Abschied genommen hatte, starb er eines sanften und seligen Todes.

Quelle: Sagenschatz der uckermärkischen Kreise, gesammelt und herausgegeben von Rudolf Schmidt - Eberswalde, Prenzlau 1922

Der Puppenspieler

Es war einmal ein Puppenspieler, der reiste überall umher und machte allerlei Kunststücke. Einstmals zur Sommerzeit war er in Röpersdorf, und als das Spiel zu Ende war, bat er seine Gäste, aus der Gasthofstube auf die Straße hinauszukommen. Hier wollte er noch ein ganz besonderes Kunststück zeigen. Er griff nun einen Hahn auf, der grad über den Weg stolzierte, und band ihn an einen Sägebock fest, der vor dem Dorfkruge stand. Der Hahn will aufflattern, kann aber nicht loskommen, weil er fest an den Balken angebunden ist. Wie er aber immer mehr Gewalt brauchte, zog er plötzlich mit dem ganzen Sägebock ab. Die Leute allesamt staunten und lachten und juchzten hinter dem Hahn her. Dadurch wurde dieser scheu und zog immer schneller mit seinem Balken davon. Nun kam da gerade ein Mädchen ins Dorf hinein, das hatte eine Fracht Klee auf dem Rücken: "Leute," sagte das Mädchen, "was habt ihr euch da so gefährlich? Was ist da los?" - "Mädchen," sagten die Leute, "siehst du nicht, daß der Hahn sich da mit einem großen Sägebock umherschleppt?" - "Wo denn?" fragte das Mädchen. - "Nun, dort!" kriegte sie zur Antwort. - "Meint ihr da den Hahn, der sich immer mit dem Strohhalm schleppt?" sagt sie dagegen. So streiten sich die Leute mit dem Mädchen herum; sie sagt "Strohhalm", und die sagen "Sägebock". Ihre Augen waren verblendet und die Augen des Mädchens nicht. Woher kam es aber, daß ihre Augen richtig sahen? Das macht: sie hatte in ihrer Last Klee ein vierblätteriges Kleeblatt. Als der Puppenspieler gewahr wurde, daß das Mädchen mit der Fracht Klee die anderen Leute aufklärte, zauberte er ihr geschwind ein großes Schloß an den Mund, daß sie nicht ein Wort mehr reden konnte. Den ganzen Nachmittag mußte sie nun mit ihrem Schloß zum Spott der Leute umherlaufen. Als endlich alle Leute nach Hause gingen, nahm der Puppenspieler einen Schlüssel und machte ihr das Schloß am Munde wieder auf.

Quelle: Sagenschatz der uckermärkischen Kreise, gesammelt und herausgegeben von Rudolf Schmidt - Eberswalde, Prenzlau 1922

Der Stein des Erschlagenen

Nahe beim Turm der Röpersdorfer Kirche liegt in der Erde ein großer Findlingsblock. Hier erschlug einst ein Bauer einen Priester.

Als der Bauer eines Tages abends vom Felde kam und sein Haus betrat, fand er in der Stube einen Priester, der sein Weib tröstete. Darob ergrimmte der gottlose Bauer; er zerrte den Priester an den Haaren hinaus, schleppte ihn nach dem Kirchhof und erschlug ihn dort auf dem großen Stein. Seit jenem Tage hat der Stein die merkwürdigen Eindrücke auf seiner Oberfläche.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997

Rollwitz

Der Schäfer auf dem Töppelberg

Rechts neben der alten Chaussee nach Pasewalk, unübersehbar befindet sich ein Hügel mit wenigen vom Wind zerfurchten Kiefern. Es ist der "Töppel- oder Täppelberg".

Hier hatte einmal am Abhang der alte Schäfer aus Rollwitz seine Schafe gehütet, ganz still war es, nur die Fliegen summten in der Mittagshitze. Stricken mochte der Alte in der Hitze nicht mehr, und so vertrieb er sich die Zeit mit Flötenspiel. Er spielte noch nicht lange, da standen plötzlich drei wunderschöne Mädchen vor ihm und baten, er solle doch für sie zum Tanz aufspielen. Der Alte war nicht ungefällig und erfüllte ihren Wunsch. Um sich dankbar zu erweisen, wollten die Mädchen dem Schäfer etwas schenken. Die erste hielt ihm einen Beutel mit Geld hin; doch der Schäfer wollte ihn nicht annehmen. Die zweite hielt ihm einen gefüllten Essenkaliet (Spankorbbehälter) hin. Aber auch dieses Geschenk nahm er nicht an . Er sagte, er hätte gern zum Tanz aufgespielt und beanspruche dafür keinen Lohn. Da hielt ihm die dritte einen Blumenstrauß hin; den könnte er ja annehmen. Aber auch der wurde abgelehnt, so sehr die Jungfer ihm auch zuredete. Schließlich dachte er, die Blumen kannst du doch annehmen. Wie er gerade die Hand nach dem Sträußchen ausstrecken wollte, da wehten aus Rollwitz die letzten Klänge der Abendglocke von der Kirche herüber. Und verschwunden waren alle drei Mädchen. Nur klagende Stimmen vernahm er noch, die da sagten: " Ach hättest du doch wenigstens die Blumen genommen, dann wären wir erlöst"! Noch oft hat der alte Schäfer an derselben Stelle gesessen, aber niemals ist ihm wieder die Gelegenheit geboten worden, die armen Seelen der drei Jungfrauen zu erlösen.

Der Töppelberg - auch Tempelberg genannt - ist ein Hügelgrab aus der Bronzezeit.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997