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Kirche Flemsdorf

Objektvorstellung

Der Ort Flemsdorf liegt zwischen Angermünde und Schwedt/Oder. In dem Straßendorf, dessen Bebauung vorrangig aus straßenbegleitenden Wohnhäusern und dahinterliegenden Hof- und Gartenanlagen besteht, befindet sich etwa in der Mitte des Dorfes die Kirche. Auf dem Kirchhof, welcher mit seiner Feldsteineinfriedung bis an die Straße reicht, liegt die Kirche weiter zurück und ist für den Vorbeifahrenden vielleicht erst auf den zweiten Blick hinter den inzwischen hohen Bäumen sichtbar.

Verstecken braucht sich die Kirche dennoch nicht. Denn wenn man meint, sie wäre auch nur eine der zahlreichen Feldsteinkirchen in der Uckermark, die sich baulich und gestalterisch von den anderen nicht unterscheidet, wird man eines Besseren belehrt, wenn man ihr dann doch einmal näherkommt.

Tatsächlich ähnelt das Äußere des Bauwerks dem Aussehen vieler anderer Feldsteinkirchen in der Uckermark: im 13. Jahrhundert gebaut, ein rechteckiger Baukörper mit steilem Satteldach, sorgfältig geschichtetes und behauenes Feldsteinmauerwerk, schmale spitzbogige Fenster im Ostgiebel und in den Längswänden, sorgfältig bearbeitete Gewände der Portale.

Ansicht von Nordosten

Auch der Kirchturm, der im mittelalterlichen Untergeschoss die gleiche Breite wie der Kirchensaal aufweist und dessen jüngerer Turmaufsatz eingerückt ist, findet sich an einigen mittelalterlichen Kirchenbauten in der Uckermark wieder.

Kirchturm von Norden

Kirche Flemsdorf mittelalterliche Fensteröffnung

Kirche Flemsdorf mittelalterliches Portal

 
Kirchturm von Norden mittelalterliche Fensteröffnung mittelalterliches Portal Südseite

„Abweichend von den sonstigen Gepflogenheiten der Gegend ist die architektonische Gliederung des Ostgiebels, die spitzbogige, in drei Reihen übereinander angeordnete Blenden aufweist.“ So erfährt man aus dem Inventarband „Die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg“, der für den damaligen Kreis Angermünde 1934 herausgegeben wurde. Des Weiteren fällt neben dem Eingang auf der Südseite ein sehr schmales, ebenfalls mittelalterliches Portal auf. Dahinter verbirgt sich eine in der Außenwand eingefügte Treppe aus Feldstein – der Zugang in den oberen Turmbereich.
Im Traufbereich an der Nordostecke ist eine weitere Besonderheit zu entdecken. Dort haben sich zwei Feldsteine des bauzeitlichen Traufgesimses erhalten.

Also gibt es doch einige Besonderheiten, die die Flemsdorfer Kirche von anderen unterscheidet.

Kirche Flemsdorf Ostgiebel

Kirche Flemsdorf Feldsteintreppe

Ostgiebel mit drei übereinanderliegenden Reihen Putzblenden Feldsteintreppe in der Südwand des Kirchturms

Den Kirchenraum betritt man von Süden durch eines der mittelalterlichen Portale, die aus sorgfältig behauenen und versetzten Feldsteinen gebaut wurden. Dem aus roten Ziegelplatten bestehenden Fußboden steht oben eine flache Balkendecke mit sichtbaren Holzbalken gegenüber, welche kurz nach 1900 mit ornamentalen Motiven gestaltet wurde.

Kirche Flemsdorf Südportal

Kirche Flemsdorf Südportal innen

Kirche Flemsdorf Kanzelaltar

Südportal von außen… …und innen Kanzelaltar
 

Kirche Flemdorf, bemalte Decke

Kirchenraum, Details der bemalten Decke

Das Hauptstück des im 18. Jahrhunderts umgestalteten Kirchenraums ist ein reich verzierter geschnitzter Kanzelaltar aus dem Jahr 1736 des Mohriner Holzschnitzers Bernhard Heinrich Hattenkerell. Ebenfalls im Chorraum befindet sich ein Taufengel, der – mit Muschelschale in der rechten Hand – von der Decke herabschwebt.

Kirche Flemsdorf, Taufengel

Kirche Flemsdorf, Taufengel

Kirche Flemsdorf, Taufengel

Details des barocken Kanzelaltars   
Taufengel aus dem 18. Jahrhundert

Taufengel aus dem 18. Jahrhundert

Ergänzend dazu sind ein schlichtes Kastengestühl für die Gemeinde, welches sich beidseitig eines breiten Mittelgangs an Nord- und Südseite befindet, sowie das im Chorraum befindliche Patronatsgestühl zu nennen, welche ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert stammen und den Raum harmonisch ergänzen.

Kirche Flemsdorf Patronatsgestühl

Patronatsgestühl
 

Kirche Flemsdorf Orgel

Orgel

Auf der 1691 geschaffenen Orgelempore mit kräftigen profilierten Stützen steht eine Orgel des bedeutenden Orgelbauers Joachim Wagner, die 1898 von Paul Bütow (Königsberg/Neumark) umgebaut wurde.

Insgesamt präsentiert sich dem Besucher ein Kirchenraum, in dem es mit seinen zahlreichen Ausstattungsdetails viel zu entdecken gibt.
Verborgen bleibt beim Umschauen aber auch nicht, dass die Kirche einige Schäden aufweist, die einer Instandsetzung bedürfen. Dementsprechend ist es an der Zeit, sich Gedanken um den mittlerweile schlechten Zustand des Bauwerks zu machen. Der Kirchengemeinde zur Seite steht dafür der erst junge „Förderverein Dorfkirche Flemsdorf“ e.V., der sich zum Ziel gesetzt hat, Spenden und Fördermittel einzuwer-ben, um damit die Kirchengemeinde bei der anstehenden Instandsetzung zu unter-stützen und das Bauwerk für den Ort als Mittel- und Treffpunkt zu erhalten.

Die Kirche wird derzeit nicht intensiv genutzt. Die Nutzung ist auf wenige Gottes-dienste im Jahr beschränkt. Daher hat sich der Förderverein verschiedene Möglichkeiten überlegt, wie die Kirche genutzt werden soll. Neben dem gottesdienstlichen Gebrauch könnte hier künftig eine Krimi-Kirche entstehen, die mit dem Einrichten eines öffentlichen Bücherschranks mit Kriminalliteratur, themenorientierten Lesungen sowie Konzerten und Ausstellungen eine Belebung des Kirchenraums mit sich bringen würden.

Der noch sehr junge Verein hat bereits einige Aktionen, u.a. zum Tag des offenen Denkmals®, durchgeführt.

So bleibt zu wünschen, dass Kirchengemeinde und Förderverein einen langen Atem haben, um das Sanierungsvorhaben zu bewältigen.

 

Es lohnt sich also, auf der B 2 nicht nur „durchzurauschen“, sondern in Flemsdorf auch einmal anzuhalten. Inzwischen ist auch der Eingang freigeräumt und man hat die Chance, einen Blick in den wunderschönen Kirchenraum zu werfen.

Kirche Flemsdorf mittelalterliches Portal

Mittelalterliches Portal auf der Westseite

Kontakte für weitere Informationen und/oder eine Besichtigung:

Evangelische Kirchengemeinde Flemsdorf
c/o Evangelische Pfarramt Criewen
Pfarrer Gunter Ehrlich
OT Criewen
Bernd-von-Arnim-Straße 33
16303 Schwedt
Tel.: 03332-514663

Förderverein Dorfkirche Flemsdorf e.V.
Bettina Locklair
Johannishofer Weg 1
16278 Schöneberg
Tel.: 03 33 35 - 30 34 30