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Berlischky-Pavillon in Schwedt/Oder

Objektvorstellung

Die ehemalige französisch-reformierte Kirche befindet sich an der weiträumig angelegten Straßenachse Lindenallee, Ecke Bahnhofstraße, ursprünglich eingebettet in eine barocke Gartenanlage, im Ortskern der Stadt Schwedt/Oder.

Berlischky Pavillon Sdt

Der Berlischky-Pavillon wurde von dem Baumeister Georg Wilhelm Berlischky (1741-1805) als Ruhestätte für Friedrich Heinrich, Prinz von Preußen, Markgraf von Brandenburg und seiner Familie entworfen. Nach zweijähriger Bauzeit wurde das Gebäude am 29. August 1779 feierlich in Anwesenheit des Markgrafen und seiner beiden Töchter eingeweiht und der Hugenottengemeinde zum Gottesdienst zur Verfügung gestellt, die den Bau von 1785 bis 1912 nutzte. Eigentümer des Gebäudes blieb aber die Hofkammer; die französisch-reformierte Gemeinde erhielt nur die Genehmigung zur Nutzung.

Der Berlischky-Pavillon ist ein eingeschossiger, teilunterkellerter Bau auf ovalem Grundriss, der nicht, wie sonst üblich in der Ost-West-Achse ausgerichtet ist, sondern sich in die Achsbeziehung der (ehemaligen) Schloßfreiheit einordnet. Der Baukörper hat eine Länge von 15,55 m und eine Breite von 10,65 m sowie vier Fensterachsen mit hohen Rundbogenfenstern. Fundamente und Außenwände wurden aus Mauerziegeln barocken Formates errichtet. Die Wandflächen sind sowohl innen als auch außen stark gegliedert. Das oval geschweifte Kuppeldach, heute mit Kupferblech gedeckt, ist durch eine polygonale Laterne bekrönt. Das Gebäude erreicht mit der Laterne eine Höhe von ca. 23,10 m. Den Abschluss bildet die Turmkugel mit Wetterfahne und Krone, in der im Jahre 1777 eine Urkunde hinterlegt wurde, in der Friedrich Heinrich den Zweck des Baus als Kirche der französischen Gemeinde und als fürstliches Begräbnis bekräftigte.

Der Innenraum des Gebäudes überrascht durch seine großzügige Wirkung. Die Innenausstattung der Kirche wurde erst im Jahre 1785 fertiggestellt und zeigt schon frühklassizistische Züge. Blickfang ist der Altar, darüber eine Kanzel mit Goldleisten und Kassetten sowie ein Schalldeckel als Baldachin. Über diesem schwebt umgeben von Wolken eine Strahlengloriole mit Gottesauge. Die Kanzel wird von seitlich angeordneten Pilastern gerahmt. Die Markgrafenloge befindet sich gegenüber dem Kanzelaltar, auf toskanischen Säulen ruhend. Auf den Füllungsfeldern der Emporenbrüstung sind der preußische, der pommersche und der Hohenzollernadler dargestellt.

Berlischky Pavillon

Berlischky Pavillon Sdt Zeichnung 2

 Zeichnungen: Architekturbüro Olaf Beckert aus Prenzlau

Berlischky-Pavillon mit Zollhaus, 1964

Berlischky Pavillon Sdt 1945

Berlischky-Pavillon, 19641 Innenraum vor 19452

Ab 1912 stand das Gebäude leer und verfiel. 1925 wurde das baufällige Gebäude von Kaiser Wilhelm II. wiederhergestellt und der Stadt Schwedt als Gedächtnishalle für die im Weltkrieg gefallenen Krieger geschenkweise übereignet. Aus dieser Zeit stammen auch die Gedenktafeln für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges.

Den Zweiten Weltkrieg überstand der Berlischky-Pavillon ohne größere Schäden. Nach einer Instandsetzung erfolgte im Jahre 1951 die Wiedereinweihung als französisch-reformierte Kirche. Nach 25 Jahren, im Jahre 1976, wurde die Kirche in städtisches Eigentum überführt.

Weitere Sanierungsmaßnahmen folgten in den Jahren 1980 bis 1984. Dabei wurde das Gebäude konstruktiv und gestalterisch stark verändert und die markgräflichen Särge aus der Gruft in den Berliner Dom überführt. In die ehemaligen Grufträume wurden eine Garderobe und Toiletten eingebaut. Während der Sanierungsmaßnahmen wurde das Gebäude im Jahre 1984 unter Denkmalschutz gestellt. Im Oktober 1984 erfolgte die Übergabe des Bauwerks zur Nutzung für kleinere Veranstaltungen und trägt seitdem, in Erinnerung an seinen Baumeister, den Namen „Berlischky-Pavillon“.

Quelle: Fotos 1,2 - Denkmalführer der Stadt Schwedt/Oder - Denkmäler und Bauten mit ortsgeschichtlichem Bezug und Gedenksteine

 

In den Jahren 2012/2013 fand eine neuerliche Sanierung statt, um entstandene Schäden zu beheben und umfangreichere Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen.

Berlischky Pavillon Sdt Baustelle 1

Berlischky Pavillon Sdt Baustelle 2

   

Die gesundheitsschädigenden Holzschutzmitteleinträge der Dachkonstruktion wurden mechanisch beseitigt, die Glaswolledämmung auf der Holzschalung der Decke entfernt. Im Dachraum ist über die Fenster eine Querlüftung hergestellt worden, die das Ansteigen der Luftkontamination im Dachraum bei sommerlichen Temperaturen unterbindet. Das Gebäude wurde brandschutztechnisch und energetisch nachhaltig ertüchtigt. Die Fenster erhielten eine Isolierverglasung und die Fußböden sind mit entsprechenden Dämmschichten erneuert. Zur Verbesserung des Wärmeschutzes und der Raumakustik wurden die Fensternischen mit einer Innendämmung verkleidet.
Den schlechten akustischen Verhältnissen (extrem lange Nachhallzeiten) im Innenraum wurde mit Akustikauflagen auf der Empore, dem Einsatz von Akustikplatten in allen Wandnischen sowie dem Einsatz neuer, voll gepolsterter Bestuhlung mit zusätzlichem Akustikflies auf der Rückseite der Lehnen sowie der Unterseite der Sitzflächen begegnet. Alle Anlagen der Haustechnik sind erneuert.

Dem Besucher stehen heute neue Toiletten im Kellergeschoss zur Verfügung, die mit einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung versehen ist, energieeffizient für frische Luft sorgt und die Geruchsbelästigungen im Veranstaltungsraum ausschließt.
Alle Räume werden mit einer Fußbodenheizung temperiert. Eine komplett neue Elektroanlage wurde installiert, für den Besucher erkennbar an dem im ganzen Gebäude einheitlichen Leuchtsystem.

Alle anderen Dinge fallen erst ins Auge, wenn sie benötigt werden, wie z.B. Bodentanks mit Medienanschlüssen, Stromschienen für Effektbeleuchtung, Lautsprecher, Rettungswegeleuchte, Präsenzmelder usw. Alle technischen Einbauten können über ein Touch-Panel im Eingangsbereich durch den Nutzer bedient, aber auch mittels Internet von außen reguliert werden. Die Patronatsloge, der Kanzelaltar sowie der gesamte Innenraum wurden entsprechend der Erstfarbfassung aus der Erbauungszeit restauriert.

Berlischky Pavillon Sdt Baustelle 3

Berlischky Pavillon Sdt Stuck

   

Geplant und betreut wurden die Baumaßnahmen vom Architekturbüro Olaf Beckert aus Prenzlau.

 

Innenraum mit Markgrafenloge

Kanzel mit Schalldeckel als Baldachin

 

Innenraum mit Markgrafenloge

Kanzel mit Schalldeckel als Baldachin                

 

Am 18. Dezember 2013 fand die feierliche Wiedereröffnung des Gebäudes statt. Heute finden im Berlischky-Pavillon unterschiedliche Kulturveranstaltungen, Hochzeiten oder auch Führungen durch das ehemalige Gotteshaus statt.

Adresse:
Berlischky-Pavillon
Lindenallee 28/ Ecke Bahnhofstraße
16303 Schwedt/Oder

Kontakt:
Standesamt Schwedt/Oder
Rathaus, Dr.-Theodor-Neubauer-Straße 5
16303 Schwedt/Oder
Tel.: 03332 - 22116