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Sagen und Geschichten aus Angermünde

Die "Erscheinung" der Angermünder Torwächters-Tochter

Der Große Kurfürst stand mit einem starken Heer vor Stettin, um es den Schweden zu entreißen. Da verlangte eines Tages die Tochter des Torwächters am Kerkower Tor, Margarethe Meißner, die schon einige Tage krank zu Bett gelegen hatte, von ihrem Vater, er möge sofort die Geistlichkeit der Stadt und die Magistratspersonen rufen, damit sie diesen eine merkwürdige Erscheinung mitteilen könne. Des Nachts habe ihr nämlich ein Geist mitgeteilt, daß das Leben des Kurfürsten gefährdet sei. Da das Mädchen nicht zu beruhigen war und es nur den Spitzen der Behörden Einzelheiten sagen wollte, begaben sich schließlich am 22. August 1677 in die Wohnung des Meißner: der Probst Hannemann, Diaconus Fabricius, Kämmerer Blumenberg, die Ratsmänner Neuendorf und Nieren, um das Mädchen zu ver- nehmen. Es teilte folgendes mit: Des Morgens zwischen 7 und 8 Uhr, wenn ich bete und ganz alleine in der Stube bin, kommt ein kleines, altes Männchen in grauer Kleidung und mit langem Bart zu mir und sagt: "Guten Tag, meine Tochter! Ich bin zu Dir gekommen und habe Dich ausersehen, daß Du dem Magistrat dieser Stadt melden sollst, daß das Leben des Kurfürsten im Lager von Stettin in Gefahr ist. Es hält sich dort u.a. ein Mann auf, der ein grünes Kleid trägt und der den Kurfürsten vergiften will. So sollst Du dem Magistrat dieser Stadt melden, damit dieser die Nachricht dem Kurfürsten mitteile mit der Bitte, daß der Herrscher das Lager überwachen und dort ausblasen lasse, daß der Attentatsplan bekannt sei und den Giftmischer auffordere, sich auf und davon zu machen. Dann wird sich der feige Mordbube in einen Brunnen stürzen und ertrinken. Der Kurfürst aber wird binnen 14 Tagen Stettin einbekommen, falls dieser Grünrock gedämpfet ist." Und weiter habe das Männchen gesagt: "Die Menschen müssen fleißig beten und Buße tun, damit sich das Kriegsunglück endlich vom Lande wendet. Bleiben die Menschen jedoch in ihren Sünden, so wird die Strafe des Himmels noch größer werden, Gott wird es dann 4 Wochen lang regnen lassen. Alle Früchte, die auf dem Felde sind, werden gänzlich verderben, und die Not wird nicht abzusehen sein..." So sprach die Torwächters-Tochter in ihren Fieberphantasien. Der Angermünder Magistrat meldete den Vorfall am 24. August 1677 dem Kurfürsten und erhielt von diesem ein Belobigungsschreiben, in dem gleichzeitig das Ersuchen ausgesprochen wurde, die Meißner so bald als möglich in das Lager vor Stettin zu senden. Leider schweigen über den weiteren Verlauf der Dinge die Akten. Einwandfrei fest steht nur noch, daß der Angermünder Magistrat dem Befehl des Kurfürsten entsprochen hat.

Quelle: Gerhard Hänsel, Uckermärkische Sagen, KIRO-Verlag 1996

 

Wie der schwimmende Hirsch ins Angermünder Stadtwappen kam

Vor vielen Jahrhunderten, als Angermünde noch inmitten dichter Wälder lag, gehörte es zu den Vergnügungen der hiesigen Burgherren, zu Pferd auf die Jagd zu gehen. An Wild herrschte kein Mangel, und so begab es sich einst, dass bei einem dieser Ausritte ein stattlicher Hirsch aufgespürt wurde. Der Hirsch aber ergriff die Flucht, woraufhin der Burgherr und seine Mannen die Verfolgung aufnahmen. Stunde um Stunde verging, und erst als die Sonne sich dem Horizont näherte gelang es, das stolze Tier am Ufer des Mündesees zu umringen und ihm den Fluchtweg über Land abzuschneiden. Der Hirsch sah nur noch eine Möglichkeit zu entkommen: Er sprang beherzt in die Fluten des Sees und schwamm davon. Seine Verfolger zogen so zunächst den Kürzeren. Wäre der Hirsch doch nur in eine andere Richtung geschwommen. Dort aber, wo die Wellen des Sees fast schon an die Mauern Angermündes plätscherten, entstieg das gehetzte Tier schließlich dem Wasser und begab sich geradewegs durch ein Stadttor zu seinen Häschern. Denen bot er ein leichtes Spiel, denn der Hirsch war so ermattet, dass er sich auf dem Marktplatz endgültig festsetzen ließ. Aus Genugtuung und Freude über den stattlichen Fang machte sich ein Jäger sogleich daran, von einem Turm der Stadt das Halali zu blasen. Dem Hirsch wurde schnell der Garaus gemacht. Das Stadtwappen aber, so will es die Sage, gewährt ihm bis heute ein ehrendes Angedenken.

Quelle: Brandenburg, Band 1 der Norden, Die Uckermark, ADAC Berlin-Brandenburg, Pro Line Concept-Verlag

 

Das "Rosenwunder" in der Rosenstraße

Unter den restaurierten Häusern der Rosenstraße fällt eines durch die kunstvolle Gestaltung der Haustür besonders auf. Es ist das Haus Nr. 17.,in dem sich seit Februar 1896 eine Bäckerei befindet, zuerst Bäckermeister Geistlich, dann Bäckermeister Miers, dem Bäckermeister Schreiber und jetzt dessen Sohn folgten. Es ist die schmiedeeiserne Verzierung der Tür, die der Kunstschmied Kirchner, Chorin. 1946/47 nach einer Legende über die heilige Elisabeth von Thüringen, die die Schutzpatronin der Bäcker ist, geschaffen hat. Ein ihr zugesprochenes Wunder, das "Rosenwunder" bot sich als Motiv an. Elisabeth, geboren 1207, war mit dem Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen verheiratet und widmete sich mit besonderer Hingabe Werken der Barmherzigkeit. Der Landgraf ließ sie gewähren, wenn sie in der Fastenzeit sich härtesten Kasteiungen unterzog und im Überschwang ihres mildtätigen Herzens die Vorräte des Hofes für Arme und Kranke verbrauchte. Als sie wieder einmal mit einem brotgefüllten Deckelkorb die Burg verlassen wollte, trat der Landgraf, der von seiner Umgebung auf die Verschwendung hingewiesen worden war, ihr mit der Frage "Was trägst du da?" entgegen und öffnete den Korb. Er sah nichts als Rosen im Korb. Nach dem Tode des Landgrafen wurde Elisabeth vom Nachfolger nach Marburg vertrieben. Sie war wohl die Herrin der Stadt, betrachtete sich aber, Franziskus von Assisi nachahmend, als Dienerin der Mitmenschen. Als sie 1231 gestorben war, rankten sich um sie viele Legenden. Wenige Jahre später wurde sie heilig gesprochen. Ihre Attribute sind Kanne und Brot.

Quelle: Walter Nölte / Dietrich Kukla, Angermünder Heimatkalender 2000, Verein für Heimatkunde e. V.