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Sagen und Geschichten aus Bandelow

Das untergegangene Dorf Zelsow

Wenige Kilometer südlich des Straßenangerdorfes Bandelow, auf den Randhöhen westlich des Uckerflusses, liegt ein kleiner See, der Zelsow-See. Hier befand sich ein Dorf, in dem blühendes Leben herrschte. Sogar Wallfahrtsort soll die Siedlung gewesen sein, und ein schönes Marienstandbild zog zahlreiche Pilger aus Nah und Fern an. Der Brunnen an der Kirche lieferte dazu noch sehr heilkräftiges Wasser. Noch im 18. Jahrhundert wurde auf der Feldmark der Dorfstätte, dieses ist schriftlich belegt, Jahrmarkt abgehalten. Der Sage nach soll das Dörflein im 15. Jahrhundert von den Hussiten geplündert und zerstört worden sein. Die Häuser brannten aus, die Ruinen verfielen, die Bewohner zogen, sofern sie nicht erschlagen waren, nach Bandelow. Bald wucherte Unkraut und Gestrüpp und deckte die Ruinen zu. Die Glocken der Kirche aber wollten die Zelsower nicht in andere Hände geben. Sie versenkten sie in den nahegelegenen Zelsow-See. Es sollen drei Glocken gewesen sein. Ihre Namen waren Anne, Susanne und Lanne. Sie verschwanden aber nicht für ewig im See, sondern sie tauchen einmal im Jahr auf und wandern zum Land hin, am Johannistag im Juni. Sie dürfen aber nur eine Stunde, zwischen Mittags zwölf und ein Uhr auf dem Land bleiben. Als nun eines Tages eine Frau aus Bandelow, andere wiederum erzählten, es sei eine Zigeunerin gewesen, am Seeufer ihre Wäsche wusch und sie auf einen von drei auffällig großen Steinen legte, hörte sie, nachdem die Uhr im Kirchturm von Bandelow eins geschlagen hatte, eine dumpfe Stimme, die wie Glockenschläge ertönte: "Anne, Susanne, wenn du mit wist, dann kumm, wi goahn to Lanne." Daraufhin verschwanden zwei der Steine im See. Nur einer, auf dem die Wäsche lag, blieb liegen. Da wurde der Frau plötzlich klar, daß das die Glocken von Zelsow waren. Schnell lief sie nach Bandelow und berichtete dem Dorfschulzen und seinen Gerichtsmännern von dem Vorfall. Diese begaben sich zum See und überzeugten sich von der Richtigkeit der Erzählung der Frau. Nun versuchten sie die auf dem Land gebliebene Glocke nach Bandelow zu ziehen. So sehr aber sich das Pferdegespann bemühte, es gelang ihnen nicht. Als aber der Besitzer von Göritz von dem Vorfall hörte, beschloß dieser, die Glocke heimlich in der Nacht nach Göritz, dem Dorf auf der gegenüberliegenden Seite der Ucker zu bringen. Er macht sich mit 16 Pferden auf den Weg, aber auch diese konnten nichts ausrichten. Er mußte noch zusätzlich zwölf Ochsen vor das Pferdegespann setzen, erst dann gelang es ihm, die Glocke nach Göritz zu bringen. Noch heute soll sich die Zelsower Glocke im Kirchturm von Göritz befinden. Ihr klagender Klang beim Läuten soll die Menschen an das traurige Schicksal des Dorfes Zelsow erinnern.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997