Seiteninhalt

Sagen und Geschichten aus Biesenbrow

Der Kobold

Eines Tages kam zu einer Bauersfrau eine Frau, einen roten Unterrock in der Hand tragend. Zum Schluß ihres Gespräches bat die Frau, den Rock doch über die Grenze zu tragen und dann erst das Bündel zu öffnen. Sie machte sich auf den Weg, aber die Neugier war zu groß, und schon vor der Grenze öffnete sie ihr Bündel. Da fuhr mit einem furchtbaren Gebrause der Kobold heraus. Fortan blieb der Kobold bei der Bauersfrau. Sie mußte ihm jeden Tag Mehlsuppe kochen, die sie nach dem Boden trug, wo der Kobold, wie man sagt, in einem Faß lebte. Die Familien, bei denen der Kobold wohnt, werden reich, sind aber gottlos. Des Nachts geht er um. Da begibt er sich auf andere Gehöfte, drischt das Korn aus und trägt es in die Scheune zu seinen Leuten. Er verlangt eine gute Behandlung, sonst trägt er das Korn woanders hin. Den anderen Leuten sucht er allerlei Schabernack zu spielen. Wenn z. B. die jungen Leute zum Tanze gehen, wirft er ihnen faule Gurken an den Kopf. Wird er von den Leuten geärgert, besudelt er sie, dieses läßt sich niemals wieder abwaschen. Er erschien den Menschen in vielerlei Gestalt. Einst als Kater mit glühenden Augen. Dann wieder erschien er einem Bauern als feurige Kugel auf der Feldmark, auch einmal als dreibeiniges Schwein auf der Kirchhofsmauer. Die Familie, bei der der Kobold umging, starb aus. Als letzte ihres Stammes starb die Frau des Hofes. Bei ihrer Beerdigung wollen Leute den Kobold als bunten Hahn auf dem schwarzen Sarge gesehen haben. Als das Grab zugeschaufelt wurde, erschien der Kobold als Sperling und flog unsicher gen Schmiedeberg, das in der Nähe lag, davon.

Quelle: Uckermark, Komm laß dich verzaubern..., Broschüre des Frauenprojektes PRAKTIKAS - Starke Frauen sehen Land - Frauen in der Dorf- und Regionalentwicklung