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Sagen und Geschichten aus Bietikow

Die Wasserpferde vom verschwundenen Dorf Mocle

Auf dem altstädtischen Feld der Stadt Prenzlau - rechts der Ucker, an der Gemarkungsgrenze zu Bietikow hin - befand sich ein Dorf, von dem heute nichts mehr vorhanden ist. Nur der Name, bereits 1183 in alten Urkunden erwähnt, ist überliefert, "Mocle". Über dieses untergegangene Dorf, oder sagen wir besser, diese wüst gewordene Siedlungsstätte, erzählte man sich in den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts noch folgende Geschichte: In dem Dorf Mocle wohnte vor langen Zeiten ein tüchtiger und fleißiger Bauer, er war allen im Dorf ein Vorbild. Seine Äcker waren stets tadellos bestellt, und sein Vieh kannte man sofort aus der Dorfheide heraus. Er schonte sich und seine Leute gar nicht. Als alle anderen schon Feierabend gemacht hatten, schuftete er immer noch auf seinem Feld. Schließlich steckte seine Arbeitswut auch noch die anderen Dorfbewohner an. So wurde das Dorf Mocle in der ganzen Gegend dafür bekannt, daß sie sich keinen Feierabend und sogar keinen Feiertag gönnten. So auch an einem schönen Ostertag: Wieder waren alle Leute aus dem Dorf - allen voran unser Bauer - auf den Feldern mit ihren Pflügen und Pferden tätig. Durch die schwere Arbeit aber waren die Pferde sehr abgetrieben, und als sie beim Pflügen an den Rand einer moorigen Stelle gekommen waren, standen sie nun endgültig still. Sie waren auch nicht zu bewegen, nur noch einen Schritt zu tun. Plötzlich stiegen aus dem angrenzenden, langgestreckten und tiefen Gewässer zwei prachtvolle Wasserpferde heraus. Sie stellten sich ganz zutraulich neben die anderen Pferde. Der Bauer spannte seine eigenen aus und überließ es den Wasserpferden, den Pflug zu ziehen. Hei, wie ging das gut. Sie pflügten so schnell die Felder, daß alle anderen nachziehen mußten. Schrecklich aber war mit einem Mal, daß die Wasserpferde in den dunklen See zogen, aus dem sie gekommen waren. Alle anderen mußten leider hinterher. Und so kam es, daß kein Bewohner des Dorfes zu seinem Haus zurückkehren konnte. Bald wuchs Unkraut und Gebüsch über den verlassenen Häusern. Heute kündet rein gar nichts mehr von dem Dorf der überfleißigen Bauern von Mocle.

Quelle: unbekannt