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Sagen und Geschichten aus Bröllin

Vom kartenspielenden Teufel

Im Nordosten der Uckermark, südöstlich der pommerschen Nachbarstadt von Prenzlau, Pasewalk, liegt Bröllin. Die Landschaft um Bröllin muß schon immer auf die Anwohner und Besucher einen etwas mystischen Eindruck gemacht haben. Bereits um die Jahrhundertwende wurden über viertausend Jahre alte Grabstätten von steinzeitlichen Ackerbauern und Viehzüchtern entdeckt. Wieder ist es ein großer Stein, im Volksmund auch "Teufelsstein" genannt. Wie so viele seiner Artgenossen wurde auch er ein Opfer der "Steinschläger", die ihn sprengten und als billiges Baumaterial benutzten. Wieder störte es den Teufel, wie an anderen Orten, daß auch hier eine Kirche gebaut werden sollte.

Er nahm den Stein und versuchte, die Baustelle zu zerstören. Er verfehlte aber sein Ziel; der Stein fiel nieder und bohrte sich in den Boden. Die Oberfläche trug verschiedene Zeichen, die wie eine ausgespreizte Hand aussahen und Löcher, die wie "Knebellöcher" ausgesehen haben. Die sollen aber entstanden sein, als der Teufel mit einem früheren Besitzer von Bröllin Karten gespielt haben soll. Vielleicht handelte es sich bei diesem Stein um einen seit der Stein- und Bronzezeit verehrten Kultstein. Große Steine waren oft ein Grund zur Verehrung, wie die vielen Dinge der Natur, die die damaligen Menschen umgab, ja von denen sie abhängig waren. Man denke nur daran, daß der Stein weit über tausend Jahre hinweg einer der wichtigsten Rohstoffe zur Werkzeugherstellung war, und auch zum Allernötigsten, was man damals zum Überleben brauchte, der Feuererzeugung, diente. Auf solchen Steinen wurden in der Vorzeit im Rahmen von feierlichen Handlungen Schälchen und andere Symbole aufgebohrt, die in bestimmten Anordnungen sichtbar sind. Die genaue Bedeutung aber ist bis heute, trotz umfangreicher Erforschungen, unklar. Leider kann man jetzt, da auch der Brölliner "Teufelsstein" nicht mehr da ist, keine Recherchen mehr anstellen. Ob der Teufel gar mit jenem Adam von Lindstedt auf dem Stein Karten gespielt hat, der im 17. Jahrhundert nachweislich lebte, sei dahingestellt. Jedoch trug sich damals folgender Fall zu. Von Lindstedt wurde der Hexerei beschuldigt.

Um diesen Gerüchten nachzugehen, kam eine Untersuchungskommission aus Prenzlau mit dem Hofrichter persönlich nach Bröllin, um der Sache nachzugehen. Man suchte nicht lange und fand, unter einem Fliederstrauch versteckt, allerhand "Beweismaterial". Dieses bestand aus einer hölzernen Truhe mit folgendem Inhalt: Bücher über die "Schwarze Kunst", also Schriften über Magie mit allerhand Beschwörungstexten, der Totenkopf eines Menschen, eiserne Ketten vom Hochgericht, dem Galgen oder Rad, verschiedene Spiegel aus Kristall und anderes Gerät, welches ein Schwarzmagier ebenso braucht. Daraufhin verhaftete man Adam von Lindstedt und brachte ihn zur Festung Spandau bei Berlin. Was aus ihm geworden ist, weiß man leider nicht, obwohl anzunehmen ist, daß im Fall eines Prozesses er sicherlich verbrannt worden wäre, oder er im Gefängnis verhungerte, wenn er nicht vorher bereits an den Folgen der "peinlichen Befragung", der Folter, verstorben war.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997