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Sagen und Geschichten aus Cremzow

Die zerlumpten Dänen

Am Weg von Cremzow nach Baumgarten befindet sich ein einsames Gehöft, gleich neben dem "Spitzen Berg". Hier spuken die zwei "zerlumpten" Dänen. Die Geister zeigen sich seit der Zeit, als ein armer Nagelschmied aus Prenzlau dort ermordet wurde. Dieses soll sich so zugetragen haben: Da der Nagelschmied darauf angewiesen war, mit seiner Ware über die Dörfer hausieren zu gehen, mußte er, da die Nacht angebrochen war, in der Scheune beim "Spitzen Berg" übernachten. Er stellte seinen Kasten, in der die Nägel klapperten, neben sich ab. Das hörten zwei umherziehende Dänen, die auch ihr Nachtlager in der Scheune aufgeschlagen hatten. Sofort dachten sie, der Wandersmann hätte Geld im Kasten und erschlugen ihn. Als sie sahen, daß nur Eisennägel im Kasten waren, wurden sie noch wütender. Am Morgen nach der Mordnacht zogen die Dänen weiter. Bald darauf verstarben beide Mörder. Sie konnten aber in ihren Gräbern keine Ruhe finden. Ja mehr noch, sie wurden dazu verdammt, an der Stätte ihrer Mordtat ewig herumzugeistern. Eigentlich sind sie für die Menschen, die sie sehen, nicht gefährlich, aber sie versetzen sie in große Angstzustände. So erging es auch einer Frau aus Carmzow, die die Spukgeister gesehen haben soll. Sie bekam so einen großen Schreck, daß sie bis zum Dauergraben lief (immerhin ein Kilometer südwestlich vom "Spitzen Berg"). Die Gespenster, die sie hartnäckig bis dahin verfolgten, kamen aber nicht über den Graben. Sie tanzten daraufhin wie wild geworden umher und stießen böse Drohungen aus. Erst bei Sonnenaufgang verschwanden die Erscheinungen.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997