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Sagen und Geschichten aus Dauer

Das Wagenrad von Dauer

Ein ganzer, aber kleiner Sagenkreis rankt sich um die Dorfschmiede und den Schmied von Dauer, nördlich an der alten Straße nach Pasewalk. Dort treibt sich des Nachts ein Kobold herum. Dieser Kobold, angezogen mit einem roten Rock und Zipfelmütze, ist eigentlich harmlos, aber nur solange man ihn in Ruhe läßt und nicht ärgert. Er bringt auch Glück ins Haus, aber wenn er verärgert wegzieht, dann verläßt auch das Glück jenes Haus. Aber nicht nur solche Geister befanden sich in der Schmiede zu Dauer. Der Teufel persönlich versuchte, sich an den Schmied heranzumachen und bot ihm einen Pakt an. Da aber solche Bündnisse am Ende nur Unglück bringen, und die Frau des Schmiedes vom Besuch des Teufels erfuhr, brachte sie ihn mit Hilfe einer schwarzen Katze von seinem Vorhaben, den Schmied ins Unglück zu stürzen, ab. Eine recht merkwürdige Sage, aber wollen wir ausführlicher erzählen. Einmal kam ein großes Wagenrad ganz allein den Weg von Prenzlau über Dauer nach Pasewalk an der Schmiede von Dauer vorbeigerollt. Keiner war zu sehen, der es mit der Hand angetrieben hätte. Auch keine dazugehörige Kutsche oder ein anderes Gefährt war zu sehen. Das verwunderte den Schmied sehr. Da erinnerte er sich, was erst kürzlich ihm ein alter Zigeuner erzählt hatte. Um Unsichtbares sichtbar zu machen, solle man durch den linken Ärmel seines Rockes wie durch ein Ofenrohr schauen. Schnell holte der Schmied seinen Rock und sah durch den Ärmel, und siehe da, über dem Rad flog ein Vogel mit schwarzen und roten Federn. Das Schrecklichste aber war, daß auf das Rad ein Mann geflochten war, auf den der Vogel ununterbrochen einhackte. Das tat dem Schmied sehr leid. Er konnte ihm aber nicht helfen. Und so rollt das Rad immer noch bis in alle Ewigkeit dahin...

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997