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Sagen und Geschichten aus Fergitz

Wie Ritter Kurt das Zaubern lernte

Im Oberuckersee gegenüber Fergitz liegt eine kleine Insel, der Burgwall genannt. Auf dieser Insel soll nämlich vor Zeiten ein Schloß gestanden haben. Es gehörte dem Suckowschen Kammerherrn, der im Volksmunde auch Ritter Kurt genannt wurde. Ritter Kurt nun war ein mächtiger Zauberer. Er hatte eine Bibel, die mit Ketten verschlossen war. Das war auch nötig; denn es war keine von den gewöhnlichen Bibeln mit den üblichen fünf Büchern Mose, sondern sie enthielt deren sieben. Und in diesen zwei außergewöhnlichen Büchern soll ja das rechte Zauberzeug stehen. Die Schrift war schon ganz vergilbt und kaum lesbar; aber der Kammerherr hatte hieraus ein groß Teil seiner Kunst entnommen. Einige besondere Hauptstücke allerdings hat er vom Müller Pumpfuß gelernt. Der Müller war einer der größten Zauberkünstler, die es je gegeben hat. Er durchstreifte die ganze Uckermark und kam bis weit in die Neumark.

Ein gewisser Ruf eilte ihm schon immer voraus. Am liebsten schien ihm aber die Gegend zwischen Gramzow und Gerswalde zu sein; denn hier tauchte er am häufigsten auf. Mit Müller Pumpfuß nun kam Ritter Kurt auf folgende Weise zusammen. Eines Abends kam der Suckowsche Kammerherr spät nach Hause zurück. Wie er an einen Hohlweg kam, scheuten die Pferde plötzlich vor einem dunklen Gegenstande, der quer über dem Wege lag, und wollten durchaus nicht weiter. Der Kutscher dachte, da läge ein Betrunkener. Er stieg ab und wollte ihm auf die Beine helfen oder aus dem Wege schaffen. Doch der Daliegende rückte und rührte sich nicht. Er machte sich steif wie ein Baumstamm und gab sich ein Gewicht, daß er nicht einmal fortzukullern war. Da wurde der Kammerherr wütend. Er befahl dem Kutscher wieder aufzusteigen und über den Kerl schnurstracks hinwegzubrausen. Der Kutscher kam dem Befehl nach; aber soviel er auch auf die Pferde einhieb und an den Zügeln riß, sie gingen nicht vorwärts. Der Wagen blieb wie angenagelt stehen. Da merkte Ritter Kurt, daß der Wagen "festgemacht" sei. Nun half all kein Toben und Schimpfen. Jetzt ging nur Güte vor Gewalt. Der Kutscher noch einmal vom Bock und den Kerl fragen, wer er eigentlich sei, und was er wolle.

Als er nun hörte, daß Müller Pumpfuß im Wege gelegen habe, da fiel es dem Kutscher wie Schuppen von den Augen. Ritter Kurt aber triumphierte und sprach über das ganze Gesicht lachend: "Aha, das trifft sich; Müller, dich habe ich lange genug gesucht". Pumpfuß mußte in den Wagen steigen und mit ins Schloß fahren. Hier wurde er wie ein Herr gehalten, damit der Kammerherr alles von ihm zu wissen bekäme, was ihm noch abginge. Als Ritter Kurt nun nach einiger Zeit glaubte, alles zu können, fragte er seinen Lehrmeister, ob er ihm auch alles, was er wisse, gezeigt habe. Wie das Pumpfuß bejahte, ließ der Ritter einen Scharfrichter kommen, der dem Müller den Kopf abschlagen sollte. (Ritter Kurt hatte wohl Grund dazu, wie es uns die folgende Sage zeigen wird). Pumpfuß tat vollkommen gleichgültig, als wenn ihn die Sache gar nichts anginge. Sollte er genug von diesem Leben haben? Gleichgültig legte er auch seinen Kopf auf den Block. Aber was war das? Als eben der Scharfrichter zuhauen will und schon das Beil in der Luft schwebt, da bleibt es schweben - es ist festgemacht. Pumpfuß aber erhebt sich lachend und sagt: "Siehst du, Kammerherr, das Kunststück habe ich noch für mich behalten", und geht ungefährdet seiner Wege. Der Kammerherr aber war froh, daß er den unheimlichen Gast so ohne weiteres los war und sich keine anderen Folgen zeigten.

Quelle: Unsere Heimat, Blätter für Heimatpflege, Unterhaltung und Belehrung, Wochenbeilage zum "Templiner Kreisblatt, Templiner Zeitung", Nr. 53, Freitag, den 04. März 1938, 91. Jahrgang