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Sagen und Geschichten aus Gollmitz

Vom neuen Friedhof von Gollmitz

Bevor die fromme Gräfin von Kallenberg einen neuen Friedhof hinter dem Gutshaus anlegen ließ, befand sich an der Stelle ein hoher, spitzer Hügel. Hier spukt es hin und wieder. Im Berg sind nämlich die Schätze des Ritters Buck bergraben. Der böse Geist des Ritters zauberte jedem, der sich dem Hügel näherte, einen Buckel an. Doch die fromme Gräfin ist tapfer immer wieder auf den Hügel gestiegen und betete "Bewahr Leib und Seel, Herrgott, vor Tod und Höll", und wirklich, der böse Geist konnte ihr nichts anhaben. Sie gelobte daraufhin, hier einen Friedhof zu errichten, auf dem sie dann auch beerdigt sein wollte. Fortan konnte in aller Ruhe der Friedhof angelegt werden, und die Arbeiten wurden von der Spukgestalt des Ritters nicht mehr gestört.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997

 

Der Grafenstein

Westlich vom Dorf Gollmitz, südlich der Chaussee nach Boitzenburg auf einer kleinen, mit kümmerlichem Gesträuch bewachsenen Anhöhe, an deren Fuß eine umfangreiche Kiesgrube liegt, befindet sich ein 1 ½ m breiter Stein, auf dem 8 Näpfchen eingegraben sind, von denen 2 etwas länglicher sind. Sie machen den Eindruck, als ob die Fingerspitzen, allerdings nur je 4 einer Hand, abgebildet seinen. Der Altsitzer Laatsch aus Gollmitz erzählte mir dazu folgendes: Der alte Örtzen, dem mal die ganze Gegend gehörte, stand bekanntlich unter dem Bösen! Wie er so eines Tages über den Uckersee geht, jawohl, geht, (das konnte er!) da sieht er in der Nähe seiner Burg in Gollmitz einen abscheulichen Draken. Sogleich zog er seinen Säbel und ging auf den Draken los, schlug ihm auch mit dem ersten Hieb eine Kralle und mit dem zweiten Schlag eine andere ab. Der Drake in seiner Wut nahm einen großen Stein, der bei ihm lag, und warf ihn nach dem alten Örtzen. Traf ihn aber nicht. So konnte der Örtzen das Untier schließlich töten. Auf dem Stein aber sind heute noch die Krallen des Draken zu sehen. Es sind aber bloß 8 Eindrücke zu sehen, denn zwei Krallen hatte ihm der Ritter abgehauen.

Quelle: Heimatkalender Prenzlau, 1996, 39. Jahrgang, Kultur arche Prenzlau

 

Das steinerne Halsband

Der alte Bauer Sch. hat auf seinem Hofe vor seiner Stalltür einen runden Stein liegen, der hat etwa einen halben Meter Durchmesser. In der Mitte ist ein Loch, Sch. erzählte seinem Pfarrer, daß er den Stein von seinen Vorfahren habe und sich von ihm nie trennen werde, denn es habe mit ihm eine eigene Bewandtnis. Vor langen, langen Jahren, als noch der Mahlzwang herrschte, mußten die Gollmitzer Bauern in die Boitzenburger Mühle, um ihr Korn mahlen zu lassen. Da machte sich auch eines Wintertages der Bauer auf den Weg und fuhr zur Mühle. Der Abend kam früh, und so mußte der Rückweg in der Dunkelheit angetreten werden. Wie Sch. nun an der Karolinenhöhe vorbeifuhr, wo es ja nicht ganz geheuer ist, hörte er plötzlich ein Toben, Schreien und Hundegebell. Es dauerte auch gar nicht lange, da sah er die alte Hexe, Hull mit Namen, die in der ganzen Gegend berüchtigt war und immer nur mit einer Meute riesiger Hunde ausritt, die Feuer spien, auf sich zukommen. Gierig wollten die Hunde die Pferde anspringen, aber schnell warf der Bauer ihnen das ganze Mehl auf den Weg. Mit wüstem Gebell stürzten die Tiere auf die Säcke und fraßen alles auf, um dann eilig zu ihrer Herrin zurückzujagen. Da sah der Bauer, daß einer der Hunde sein steinernes Halsband verloren hatte. Er lud es auf seinen Wagen, um wenigstens etwas nach Hause zu bringen. Als er seiner Frau erzählt hatte, was ihm Schlimmes passiert war, gab ihm diese den Rat, doch am nächsten Tag den Stein wieder auf die Stelle zu legen, wo er ihn gefunden habe. Als er am nächsten Morgen an die Stelle kam, da fand er seine Mehlsäcke der Reihe nach aufgestellt. Er lud aber das steinerne Halsband ab und sein Mehl dafür auf und fuhr nach Hause. Hier aber fand er auch das steinerne Halsband mitten auf seinem Hofe liegen; denn "wat'n Minsch anfot' hätt, dat nähmen de Düwels nich mehr an". Seit der Zeit ist der Stein auf dem Hof geblieben, und er hat immer Glück gebracht.

Quelle: Heimatkalender Prenzlau 1988, 31. Jahrgang , Kreiskulturhaus Prenzlau