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Sagen und Geschichten aus Gramzow

Der Schatz unter der Klosterruine

Sagen und Märchen haben sich auch um die Mauern der Klosterruine von Gramzow geschlungen. Auch von Schätzen, die sie noch verbergen, will man wissen. Ein Amtmannsknecht wußte ganz besonders gut damit Bescheid. Er erzählte den drei Söhnen seines Herrn, daß unter der Klosterruine ein Schatz verborgen sei, den man nur in der Geisterstunde bei Mondschein heben könne. Man dürfe aber dabei kein Wort sprechen. Die neugierigen Söhne bewogen den Knecht, mit ihnen zur Ruine zu gehen, um nach dem Schatz zu graben. Munter gingen sie an die Arbeit. Nach einer geraumen Zeit stießen sie auf einen großen Kessel, in dem sie den Schatz vermuteten. Unerwartet kam der alte Amtmann hinzu, beobachtete eine Weile ihr Treiben und fragte dann verwundert, was sie eigentlich vorhätten. Alle schwiegen, weil sie fürchteten, sie könnten den Schatz verlieren. Sie bedeuteten auch dem Amtmann, sich ruhig zu verhalten, am besten sich zu entfernen. Der aber wollte sich nicht abweisen lassen, forderte vielmehr mit barschen Worten Aufklärung. Da sagte ihm einer ganz leise ins Ohr: "Wir wollen den Schatz heben." Das aber hätte er nicht sagen dürfen. Zwar wurde der Kessel freigelegt und aus der Erde gehoben, aber man fand in dem Gefäß nichts weiter als wertlose Scherben.

Quelle: Uckermark, komm laß dich verzaubern..., Broschüre des Frauenprojektes PRAKTIKAS, Starke Frauen sehen Land - Frauen in der Dorf- und Regionalentwicklung

 

Müller Pumpfuß

In der Gegend von Gramzow hat vor langen Jahren ein Müller gewohnt, der war ein Tausendkünstler und hat Pumpfuß geheißen. Man hat ihn aber selten zu Hause angetroffen, sondern er ist bald hierhin, bald dahin in der Gegend umhergewandert und hat dabei fleißig das Handwerk gegrüßt. Nahm man ihn nicht freundlich auf und gab ihm nicht reichlich Speise und Trank, dann geschah es wohl, daß er den Mühlstein der so groß war, daß ihn vier Pferde kaum von der Stelle brachten, auf den Nacken nahm und damit aufs Dach kletterte, wo er ihn liegen ließ, so daß der Müller und seine Gesellen ihn nachher nur mit äußerster Mühe herunterbringen konnten. Solchen oder ähnlichen Schabernack konnte man stets erwarten, wenn man ihn nicht aufnahm. Das Schlimmste dabei war, daß man ihn erst nach dem Schaden erkannte. So waren Meister und Gesellen in einer Wassermühle auch einmal gerade damit beschäftigt, eine Welle einzurichten. Da kommt er, Pumpfuß, an und bittet, man möge ihm doch eine gastliche Aufnahme gewähren. Der Müller indes weist ihn ab, indem er sagt, sie hätten jetzt keine Zeit ihm aufzuwarten. Da ging Pumpfuß fort, und als man die Welle einpassen wollte, da war sie viel zu kurz, und doch hatte man die Länge vorher ganz genau gemessen. Das kam denn doch allen sehr sonderbar vor und gleich fiel dem Meister ein, das möge wohl Pumpfuß gewesen sein. Da mußte sich denn einer eilig auf ein Pferd setzen und Pumpfuß, der noch nicht weit fort sein konnte, zurückholen. Als der nun zurückkam, da hatte auch die Welle das vollkommen richtige Maß, Pumpfuß blieb nun da und wurde gut bewirtet.

Quelle: Heimatkalender Prenzlau 1998, 24. Jahrgang, Kreiskulturhaus Prenzlau