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Sagen und Geschichten aus Grenz

Vom Radberg und seinem Gespenst

An der alten Weggabel, westlich des Dorfes Grenz, wo die Wege nach Grünow und Cremzow sich teilen, befindet sich der Radberg. Hier spielte sich eine schaurige Geschichte ab, die sich während des Dreißigjährigen Krieges ereignet haben soll. Ein Kaufmann reiste von Pommern über Grenz nach Grünow. Ein Freund des Kaufmanns aus Grünow hatte ihm einen Knecht als Führer mitgegeben, da die Wege schlecht waren. Der Knecht aber ermordete den Kaufmann um seines Geldes willen und verscharrte ihn am Wegesrand. Er ging nach Prenzlau und ließ sich von den Soldaten anwerben. Der Freund des Kaufmanns ließ nichts unversucht, um den entlaufenen Knecht wiederzufinden. Er fand ihn auch bei den Soldaten. Kein Lügen half, der Knecht mußte den Mord gestehen. Er wurde zum Tode durch das besonders qualvolle Rädern verurteilt. Das Urteil wurde auf dem Radberg vollstreckt. Seitdem spukt dort die Seele des Knechtes. Immer wieder will das Gespenst einem vorbeiziehenden Wanderer Gold anbieten. Doch die meisten wissen darüber Bescheid und nehmen es nicht an. Einmal jedoch nahm ein reicher Bauer aus Gier eine Handvoll Golddukaten von dem Geist an. Kaum hatte er es in der Hand, da verbrannte er sich die Hand bis auf die Knochen. Dazu hat das Gespenst ganz schaurig gelacht. Reste aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges oder Hinweise auf eine Richtstätte sind auf dem Radberg bisher noch nicht gefunden worden. Als man jedoch in den fünfziger Jahren unseres Jahrhunderts anfing, den Radberg zur Kiesgewinnung abzutragen, fand man bronzezeitliche Urnengräber, deren Alter 3000 Jahre beträgt. Vom Radberg selbst ist heute nicht mehr viel übriggeblieben.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997