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Sagen und Geschichten aus Groß Dölln

Bärens Kirchhof

Dort, wo die drei Kreise Templin, Angermünde und Niederbarnim zusammenstoßen, liegt der große Döllnsee. Mit einem langen Zipfel umschließt er fast den kleinen lieblichen Wuckersee. Und nicht weit von hier, unmittelbar an der Kreisgrenze, ist ein Steinmal, das man Bärens Kirchhof nennt; denn dort soll ein Förster namens Bärens begraben liegen. Es sollte in der Grimnitzer Forst nämlich einmal, wie es heißt zur Zeit des Kurfürsten Joachim, eine große Schweinsjagd abgehalten werden.

Der damalige Heidereuter Bärens begab sich deshalb drei Tage vorher an den Ort, den der Kurfürst umstellen ließ, um die Schweine zu körnen und zu beobachten. Wie er nun des Nachts still auf seinem Beobachtungsstand saß, hörte er nach zwölf Uhr plötzlich eine Stimme aus dem nahe gelegenen Bruche, die dumpf aber deutlich vernehmlich fragte "Ist der Stumpfschwanz da, der den Förster Bärens zu Tode bringen soll?" In der nächsten Nacht hörte Bärens wieder die Stimme. Da erzählte er es dem Kurfürsten und äußerte nach seinem Bericht die Vermutung, daß er annehme, die Stimme gehöre irgendeinem Hofbedienten, der ihn furchtsam machen wolle. Der Kurfürst befahl ihm darauf, niemand weiter etwas zu sagen und die folgende Nacht zu Hause zu bleiben. Statt seiner mußte nun der Büchsenspanner des Fürsten an der Stelle wachen und die Schweine körnen. Aber auch der Büchsenspanner hörte dieselbe Stimme. Darum wurde dem Heidereuter verboten, die Jagd, die am folgenden Tag vor sich ging, mitzumachen.

So war er gewiß allem in der Luft hängenden Unheil aus dem Wege gegangen. Doch als die Jagd beendet war, meinte Bärens nun unbesorgt an die Stelle hinausreiten zu können. Er tat es, besichtigte die stattliche Strecke der Schweine und siehe, es war unter den getöteten Sauen wahrhaftig ein Stumpfschwanz. Eben wollte man ihn auf den Wagen laden. Bärens trat lächelnd hinzu und sagte: "Du solltest mir das Leben nehmen und bist eher tot als ich?" Bei den Worten faßte er das Schwein, um es zu halten; derweile die aufladenden Bauern die andere Wagenleiter vorschoben. Aber weiß der Himmel wie es zuging! Der Kopf des Schweines, der schon auf dem Wagen lag, rutschte plötzlich plump und schlitzte dem Heidereuter mit seinen Hauern den Leib auf. Nach wenigen Augenblicken, nachdem er sich noch einige Male vor Schmerz im Kreise herumgedreht hatte, gab Bärens seinen Geist auf. An der Stelle seines Todeskampfes hat man den Heidereuter auch begraben. Den Platz hat man mit Steinen eingefaßt, und bis auf den heutigen Tag heißt er Bärens Kirchhof.

Quelle: Unsere Heimat, Blätter für Heimatpflege, Unterhaltung und Belehrung, Wochenbeilage zum "Templiner Kreisblatt, Templiner Zeitung", Nr. 53, Freitag, den 04.März 1938, 91. Jahrgang

 

Die Sage von der Klingelmarie

Nicht weit von Groß Dölln soll es vor langer Zeit ein prächtiges Schloss gegeben haben. Die Stelle heißt heute im Volksmund "Punskuhl", von einem Palast ist aber weit und breit nichts zu sehen. Der Rittersmann, der darin gelebt haben soll, hatte eine schöne Tochter namens Marie. Von Erziehung verstand er wohl nichts, denn Marie genoss alle Freiheiten, die man sich nur vorstellen konnte. Dem Mädchen tat das offensichtlich nicht gut, denn ihr Hochmut kannte keine Grenzen. So konnte es niemanden verwundern, dass die Strafe von höchster Stelle nicht allzu lange auf sich warten ließ und das Schloss samt Marie und aller anderen Bewohner in den Tiefen der Schorfheide versank. Seither befindet sich an dieser Stelle eine sumpfige Niederung, eben der "Punskuhl". Es heißt, die inmitten des Terrains blühenden Wasserrosen seien die verzauberten Burgfräuleins aus dem untergegangenen Schloss und im Schilf könne man die Knappen und Ritter erkennen. Manchmal, so wird berichtet, steigt die stolze Marie von zarten Klingellauten begleitet und in weiße Tücher gehüllt bei Nebel aus dem Sumpf. Sie hofft wohl, eines Tages von ihrem Leid der Ruhelosigkeit befreit zu werden. Niemals aber darf man die schöne Unsterbliche anrühren. Dann wird einen selbst der Tod holen.

Quelle: Brandenburg, Band 1 der Norden, Die Uckermark, ADAC Berlin-Brandenburg