Seiteninhalt

Sagen und Geschichten aus Kaakstedt

Der Schimmel

In der Nähe des Dorfes Kaakstedt liegt das Rittergut Plötzensee an einem See gleichen Namens. Der See wird an einer Seite von einer Wiese begrenzt, die durch eine mit Bäumen und Gestrüpp bewachsene Berglehne abgeschlossen wird. Hier ist es nicht geheuer. Des Nachts zwischen 12 und 1 Uhr, zur Spukstunde, treibt hier ein weißes Pferd sein Wesen; es rennt jeden über den Haufen, der sich zu dieser Stunde auf den Bergabhang wagt. Einst wollte ein beherzter junger Mann aus einem Nachbarorte dem Spuk zu Leibe gehn. Er stellte sich hinter einen Baum und erwartete die Spukstunde. Schlag 12 Uhr erschien auch wirklich der Schimmel und tummelte sich springend und wiehernd auf der Wiese. Den Mann, der dem Pferde vom Baume aus zusah, befiel plötzlich eine große Müdigkeit; er konnte nicht anders, er mußte sich niederlegen zum Schlafe. Während er dalag und schlief, sprang das Pferd auf ihn zu, beschnüffelte ihn, zog ihm seine Geldbörse aus der Tasche, und schlug ihn dann mit dem Hufe und verschwand. Der Schläfer erwachte und lief, so schnell ihn seine Füße zu tragen vermochten, davon.

Quelle: Unsere Heimat, Blätter für Heimatpflege, Unterhaltung und Belehrung, Wochenbeilage zum "Templiner Kreisblatt, Templiner Zeitung", Nr. 53, Freitag, den 04.März 1938, 91. Jahrgang