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Sagen und Geschichten aus Melzow

Der Wrangelstein bei Melzow

Im Gramzower Forst liegt unweit nördlich von Melzow ein großer Findling, der im Volksmund den Namen "Wrangelstein" trägt. Die Länge dieses Steines beträgt 3,40 m, die Breite 1,40 m und im Umfang mißt er immerhin 8,25 m. Aus dem Waldboden ragt er etwa 1 Meter hervor. Wie tief er noch im Boden liegt, ist bislang noch nicht untersucht worden. Im vorigen Jahrhundert waren diese Waldungen das beliebte Jagdrevier des preußischen Feldmarschalls von Wrangel (1784-1877), der zusammen mit dem Minister Graf von Brandenburg und dem Oberförster von Kolilinski aus Gramzow hier dem "edlen" Weidwerk frönte. Zur Erinnerung daran wurden seinerzeit in den Stein deren Namen und Jahreszahl in folgender Reihenfolge eingemeißelt: Graf von Brandenburg, von Wrangel, 1848, von Kolilinski. Interessant sind zwei Sagen, die sich um diesen Stein ranken, die von dem Melzower Forstarbeiter Kuhk mitgeteilt wurden. Obwohl sie jeglicher historischer Grundlage entbehren, sind sie es wert, hier mitgeteilt zu werden, geben sie doch auf ihre Art und Weise eine Erklärung über die Herkunft der eingemeißelten Namen und des Steines überhaupt. Als sich während der bürgerlichen Revolution in den Jahren 1848/49 die Unruhen in Berlin verstärkten, wurden Truppen aus den umliegenden Städten angefordert.

Aus Prenzlau zog daraufhin General von Wrangel mit einem kleinen Heer in Richtung Berlin. Im Gramzower Staatsforst kam ihnen ein Kurier entgegen, der den Grafen davor warnte, weiterzuziehen. Der Kurier berichtete, daß man in Berlin die Frau und die Tochter des Grafen von Wrangel (Wrangel wurde erst 1864 der Grafentitel verliehen) als Geisel genommen hat und diese töten wird, sobald der Graf mit seinen Truppen Berlin erreicht. Daraufhin rastete der Graf von Wrangel längere Zeit in der Nähe des großen Findlings. Zur Erinnerung an diese Begebenheit ließ er seinen und die Namen der anderen Adligen in den Stein einmeißeln. So wie der Volksmund mit dieser Farce eine Erklärung für die eingemeißelten Namen erfand, wurde diese selbstverständlich auch für die Herkunft des Steines gefunden. Hierfür waren, wie bei vielen anderen Findlingen, natürlich "Riesen" verantwortlich.

Wer sonst wohl hätte einen solchen Koloß bewältigen können? Die folgende kurze Erzählung reiht sich ein in einen Kranz von Teufels- und Riesensagen, wie sie vielfach um Findlinge bei uns in der Uckermark überliefert wurden: Einst hausten auch in Prenzlau und in Angermünde die Riesen. Diese gerieten eines Tages miteinander in Streit. Warum und weshalb weiß heute niemand mehr. Jedenfalls versuchte der Prenzlauer Riese als Folge dieses Streites, die Marienkirche in Angermünde mit einem Stein einzuwerfen. Ihm reichte jedoch nicht die Kraft, oder der Stein war zu groß. Er ging bei Görlsdorf, unweit von Angermünde nieder, wo er noch heute liegen soll. Als der Angermünder Riese davon erfuhr, war er sehr erbost. Auch er warf einen Stein, um die Marienkirche in Prenzlau einzuwerfen. Jedoch verfehlte auch er sein Ziel. Der Stein ging unweit von Melzow nieder, wo er noch heute liegt.

Quelle: Heimatkalender Prenzlau 1982, 25. Jahrgang, Kreiskulturhaus Prenzlau