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Sagen und Geschichten aus Menkin

Der Düwelspool

An der stillen Trift des uckermärkischen Dorfes Menkin, am alten Kirchensteig der nach Wollschow führte, stand einst im Mittelalter ein kleines mit Rohr gedecktes Lehmhaus. Hier drin wohnte eine Schäfersfamilie, die vier Söhne hatte. Der Vater versah tagsüber die Schafherde des Winterfeldtschen Gutes. Trotzdem der Herr die Leute immer gut behandelt hat, herrschte doch eine Armut unter der Dorfbevölkerung. Die vielen Kriegsdurchzüge in der Uckermark haben das Land und seine Bewohner ausgeblutet. Da kam der Schäfer eines Tages auf die Idee, heimlich Schafe aus der Herde zu schlachten. Da zu der Zeit der Aberglaube sehr stark unter der Bevölkerung verbreitet war und demzufolge es oft spukte, lenkte der Schäfer durch sein Tun die Leute in diese Richtung, denn nur so war er sicher, daß die Angelegenheit nicht so schnell ans Tageslicht kam. Er tötete nämlich die Schafe und legte sie in einen Sarg. Um die Mitternachtszeit zog er mit seinen vier Söhnen, die alle von Kopf bis Fuß schwarz gekleidet waren, durch den Park. Sie nahmen weiter den Weg, der vom Gut über das Feld führte, zu einem Pool. Dort zerlegten sie die gestohlenen Schafe und portionsweise verteilte der Schäfer am nächsten Tag heimlich die kleinen Fleischpäckchen unter der armen Bevölkerung. Doch Reisende und einsame Wanderer, die aus Richtung Löcknitz kamen, gewahrten manchmal in mondklaren Nächten, den unheimlichen Leichenzug und vermuteten, daß dort der "Düwel" danzte. Sie traten an den Pastor ran und berichteten von dem nächtlichen Geschehen. Mit ein paar Mutigen aus dem Dorf, begab sich der Pastor auf den Weg, um angeblich das Teufelstreiben zu beobachten. Dabei wurden der Schäfer und seine vier Söhne erkannt, und von der Zeit an nannte man den Pool den "Düwelspool".

Quelle: Heimatkalender Prenzlau 1995, 38. Jahrgang, Kultur arche Prenzlau