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Sagen und Geschichten aus Schmölln

Der Räuberberg

Von Penkun führt eine uralte Straße durch das Randowbruch nach dem uckermärkischen Dorfe Schmölln und von hier aus weiter nach Prenzlau. Es ist anzunehmen, daß diese Straße, ebenso wie die, welche von Pasewalk über Löcknitz führt, ein Teil jener alten Handelsstraße gewesen ist, die über Neumark, Pyritz, Czarnikau und Usck in das Innere des heutigen Rußland geführt hat. Nicht weit von Schmölln liegt der Räuberberg, der nach Südosten zu 17 - 20 Meter steil nach dem Randowbruch abfällt und in seinem hinteren Teile mit dem Höhenzuge in Verbindung steht, der das Randowbruch umsäumt. Zwischen diesen Höhen ist der Räuberberg durch deutlich erkennbare Gräben abgegrenzt. Auf der Spitze dieses Berges war in alter Zeit ein slawischer Burgwall, auf dem später eine mittelalterliche Burg erbaut wurde, von der heute noch die Reste eines viereckigen Wartturmes, ähnlich denen von Löcknitz und Roten-Clempenow, erhalten sind. Von dieser Burg geht die Sage, daß es eine Räuberburg gewesen sei, und daß die Räuber, welche sie bewohnten, die auf der Randow vorüberfahrenden Schiffe geplündert hätten. Man erzählt sich, daß die Räuber über die Randow während der Nacht einen Draht gezogen hätten, der in der Burg eine Glocke in Bewegung setzte, sobald er von den darüber hinwegfahrenden Schiffen berührt wurde.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997

 

Der Totenkopf mit den goldenen Zähnen

Nicht weit entfernt vom "Räuberberg" - etwas nördlicher - liegt der "Lüttkenberg". Der Name weist wieder hin auf die "kleinen Leute", oder Zwerge, wie sie in vielen Sagen und Märchen vorkommen. Der Name des Berges soll von gerade diesen Zwergen herkommen, die ihre Begräbnisstätten auf dem Berge vor Urzeiten gehabt haben sollen. Gräber sieht man heute nicht mehr, aber die Bauern stoßen ab und zu beim Pflügen auf Steine - ehemalige Gedenksteine, die man den Toten auf ihre Grabhügel setzte. Eines Tages fand ein Bauer einen solchen Stein, und wie er ihn aus dem Erdloch herausholen will, sieht er darunter einen ganz kleinen Totenkopf mit goldenen Zähnen. "Den läßt du nicht liegen", dachte der Bauer und nahm ihn mit nach Hause. Er legte ihn erst einmal in einen Kasten, der auf dem Boden stand. Er sagte aber keinem Menschen - auch seiner Familie - kein Wort von seinem Fund. In der Nacht aber erhob sich über der Wohnung - auf dem Dachboden - ein furchtbares Rumoren und Getobe. Es hörte sich an, als ob da oben alles umhergeworfen würde. Der Lärm war so laut, daß der Bauer und die Bäuerin kein Auge zutun konnten. Es wurde erst ruhig, als die Hähne anfingen zu krähen, und die Sonne aufging. Unausgeruht und verschlafen ging jeder am anderen Morgen an seine Arbeit. Aber alles, was jeder auf dem Hof anfaßte, fiel zu Boden. Der Bäuerin fiel der Kochtopf aus der Hand, dem Bauer entfiel der Löffel, und dem Knecht gelang es nicht, die Schweine zu füttern und das Pferd aufzuschirren, weil keiner etwas in der Hand halten konnte. Nur der Bauer selbst ahnte, woher das Unglück kommen konnte. Schuld war er selber, weil er den Totenkopf mit nach Hause genommen hatte. So ging er wieder auf den Boden und nahm den Kopf aus dem Kasten und vergrub ihn an der Stelle, an der er ihn gefunden hatte, auf dem Lüttkenberg. Von dieser Stunde an wurde es anders. Nun fielen keine Gegenstände mehr aus den Händen, und der Knecht konnte wieder das Vieh halten und verpflegen.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997