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Sagen und Geschichten aus Schönfeld

Vom Galgenberg bei Schönfeld

Südlich von Schönfeld liegt der Galgenberg. Auf ihm hat auch in der Schwedenzeit ein Galgen gestanden. An ihm wurden von den Schweden die Wegelagerer, die sich in der Gegend herumtrieben, erhängt. Auch ihr berühmter Anführer, Haberkaut mit Namen, soll dort abgeurteilt sein. Er ist auch in Nähe des Galgens begraben worden, allein sein Geist hat im Grabe keine Ruhe gefunden. Noch heute spukt er umher. Einmal hat er sich hinten auf das Rad eines Kutschwagens gesetzt. Das hat der Kutscher erst gemerkt, als sich das Rad nicht mehr drehte und die Pferde den Wagen kaum noch fortbewegen konnten. Der Kutscher war aber erfahren in diesen Dingen und schlug mit der Peitsche dreimal ein Kreuz über das Rad. Da mußte der Geist weichen und die Reise konnte fortgesetzt werden. Dem Pastor von Schönfeld hat er vor vielen Jahren einmal einen großen Dienst erwiesen. Der alte Pfarrer konnte nicht mehr viel zu Fuß gehen und fuhr immer nach Kleptow mit einem Wagen. Als er eines Abends in der Passionszeit nach Hause kam, wurde er in der Nähe des Galgenberges von einer heiseren Stimme angerufen. Wie er sich umsah, erblickte er einen bärtigen Mann in hohen Stiefeln und einem ganz altertümlichen Anzug. Dieser Mann rief dem Pfarrer zu, er solle mitkommen. Hilfsbereit stieg der alte Herr vom Wagen und ging mit dem Fremden zum Galgenberg zu. Unterwegs bemerkte er, daß der so merkwürdig aussehende Mann einen langen Strick um den Hals hatte. Plötzlich blieb der Fremde stehen und sagte zu dem überraschten Pfarrer; "Hier grabe nach und Du wirst zufrieden sein." Der Pfarrer sagte: "Ich habe keinen Spaten, grabe Du." Das war sein Glück. Denn nun ging der Geist bei und grub mit den Händen ein tiefes Loch in die Erde. Auf dem Grund des Loches glänzte es wie Gold und Silber. Auf den Befehl des Pfarrers mußte der Geist auch das glänzende Gold heraufholen und auf die Erde stellen. Als das Gespenst nun den Goldschatz auch noch zum Wagen getragen hatte, verschwand es. Zu Hause besah der Pfarrer das, was der Geist aus der Erde geholt hatte und es stellte sich heraus, daß es silberne und goldene Gefäße waren, die wohl der Galgenvogel vor Jahrhunderten geraubt und vergraben hatte. So kamen sie wieder zu ihrem rechtmäßigen Besitzer in das Gotteshaus.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997

 

Der Wahnsinnige mit der Zwiebel

Geht man von Schönfeld in südliche Richtung, findet man unterhalb des Galgenberges ein großes Hünengrab. An dieser Stelle sammelten sich seit uralten Zeiten weise Frauen, um Kraft aus den Gestirnen zu sammeln. Da sich die Weiber zu Konventen zusammenschlossen, die nicht mehr als dreizehn Mitglieder hatten, blieben diese Treffen lange Zeit unbeobachtet. Meist wurden sie zu nächtlicher Stunde abgehalten. Obwohl getaufte Heiden, feierten sie weiterhin ihre heidnischen Feste. Auf dieses Vergehen hatte die Kirche die Todesstrafe durch Ertränken verhangen. So kleideten sie sich in schwarze Umhänge, um möglichst unauffällig an ihre geheimen Treffpunkte zu gelangen. Einmal im Jahr, zu Beltane, wurde im Süden des magischen Kreises ein Feuer entfacht. Ein junger Bauer machte sich neugierig auf den Weg, um zu sehen, was dort mitten auf dem Acker leuchtete. Langsam kroch er an den Platz und konnte beobachten, wie die Weiber sich im Kreise einen Trank reichten, der alles Wissen und Begreifen vermittelt. Nachdem das Ritual beendet war, sprangen die Weiber kreischend durch´s Feuer - als glückbringenden Akt der Reinigung - und öffneten ihren magischen Kreis. Da lief eine Katze auf den jungen Mann zu und kratzte ihm die Augen aus. Die Schreie der Weiber hörte man weit über das Land, und der Schein des Feuers soll bis nach Pasewalk geleuchtet haben. Der junge Bauer kehrte nach Wochen vom Wahnsinn besessen in sein Dorf zurück und erzählte unverständliche Dinge über seine Erlebnisse. Eines war besonders auffällig. Hörte er ein junges Mädchen nahen, biß er in eine Zwiebel, die er immer bei sich trug, und fing bitterlich an zu weinen. Die Bauern machten seither einen großen Bogen um dieses Areal. Es ward niemandem - auch bei Tage nicht - geheuer, über diese Fläche zu gehen. In unserer Zeit ist das Gelände als Naturdenkmal unter Schutz gestellt. Steht man zu nächtlicher Stunde auf dem hohen Stein, durchfährt einen noch jetzt ein Schauer von Kraft.

Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997