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Sagen und Geschichten aus Schwedt

Der Tabak

Gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts wurde der Tabakanbau durch französische Emigranten in der Schwedter Gegend eingeführt. In einer alten Sage heißt es, den Tabak habe der Teufel erfunden, aber kein Mensch habe den Namen des Krautes gekannt, bis er auf folgende Weise ruchbar wurde. Eines Tages sah ein Bauer, wie der Teufel ein großes Stück Land bepflanzte. Der Bauer, der das Kraut nicht kannte, wurde neugierig und fragte: "Was ist das, Teufel, was du da pflanzt?" "Das rätst du dein Leben nicht!" sprach der Teufel. Das verdroß den Bauer, und er rief: "Was du weißt, weiß ich auch. So klug wie du, bin ich noch immer!" - "So? Wollen wir wetten?" fragte der Teufel. "Wenn du in drei Tagen den Namen des Krautes errätst, so gehört dir das ganze Land und alles was darauf steht. Wenn nicht, verfällst du mir mit Leib und Seele!" Der Bauer ging auf die Wette ein.

Doch schon auf dem Heimweg fiel ihm das Herz in die Hosen. Als er zu Hause angelangt war, setzte er sich traurig nieder und nahm weder Speise noch Trank. Als ihn die Bäuerin fragte, erzählte er ihr alles, wie es gekommen war. Da sagte die Alte: "Wenn´s weiter nichts ist! Den Namen des Krautes will ich dir schon erraten!" Sprach´s und zog sich aus und kroch in die Teertone, dann schnitt sie ein Bett auf und wälzte sich in den Federn. Darauf ging sie auf das Feld, das mit dem fremden Kraut bepflanzt war, und lief zwischen den Furchen auf und ab und neigte den Kopf zur Erde, als wolle sie von den Blättern fressen. Kaum aber hatte das der Teufel bemerkt, lief er zum Hause hinaus, um den großen Vogel zu vertreiben. Er klatschte in die Hände und rief: "Tschuch, du großer Vogel! Willst du aus meinem Tabak heraus! Tschuch!" Die Frau aber hatte an diesen Worten genug, eilte nach Hause und erzählte dem Manne, wie der Teufel das Kraut genannt hatte. Als nun der dritte Tag kam, freute sich der Teufel schon, eine Seele gewonnen zu haben, und lachte über das ganze Gesicht und fragte den Bauern, wie das fremde Kraut heiße. "Das ist der Tabak", gab der Bauer zur Antwort. Da hatte der Teufel seine Wette verloren und mußte ohne die Seele in die Hölle zurück. Der Bauer aber bekam das große Stück Land mit dem Tabak darauf. Damit hat aller Tabaksanbau in der Welt seinen Anfang genommen.

Quelle: Heimatkalender Angermünde 1992

 

Der Spuk bei der Gedächtnishalle

In der Neujahrsnacht soll man zu der alten Französischen Kirche, dem jetzigen Berlischky Pavillon in Schwedt gehen. In einem Sack, welcher mit 99 Knoten zugesperrt sein muß, hat man einen lebenden Kater eingesperrt. Nun klopfe man an die Tür der Halle und laufe zwischen jedem Klopfen einmal um die Kirche. Alles muß ohne ein Wort geschehen. Nach dem dritten Klopfen tut sich die Tür auf und ein Geist erscheint. Er fragt, auf den Sack weisend: "Was hast du da" "Einen Hasen!" "Überlaß ihn mir, ich geb dir einen Taler für ihn!" Nun gibt der Geist den Taler und bekommt dafür den Sack. Jetzt gilt es schnell mit dem Geldstück in eine offene Haustür zu laufen, denn der Geist hat die 99 Knoten bald gelöst. Da springt ihm ein schwarzer Kater ins Gesicht. Wütend über den Betrug verfolgt der Geist den listigen Händler. Ereilt er ihn vor der Haustür, so dreht er ihm das Genick um. Gelingt ihm aber die Flucht, so hat der Händler einen Hecktaler.

Quelle: Gerhard Hänsel, Uckermärkische Sagen, KIRO-Verlag 1996

 

Die alte Linde vor der Kirche in Schwedt

Vor der Kirche in Schwedt steht eine Linde, die von der Tochter eines Schwedter Pfarrers gepflanzt worden ist. Sie wollte in den Ehestand treten, aber böse Zungen sagten ihr nach, daß sie die Brautkrone zu Unrecht trage. Vor dem Altar beschwor sie, daß sie eine reine Jungfrau sei. Zum Zeichen dessen, daß sie die Wahrheit gesagt, pflanzte sie vor der Kirche einen Lindenzweig und sagte: "So wahr, wie aus diesem Zweig ein stattlicher Baum sich entwickeln wird, so wahr ist meine Unschuld." Und sie selbst mit vielen Kindern, Enkeln und Urenkeln erfreute sich noch lange Zeit an dem Grünen und Blühen dieser Linde.

Quelle: Gerhard Hänsel, Uckermärkische Sagen, KIRO-Verlag 1996

 

Der Geist auf der Oder

Zwischen Weihnachten und Neujahr soll man nicht waschen. Wenn man die Wäsche in einem Kahn über die Oder fahren will, so taucht aus dem Wasser ein Geist drohend empor. Fährt der Betreffende zurück, so findet er zu Hause ein Geldstück als Belohnung. Versucht er die Fahrt trotzdem, so geht der Kahn unter und niemand kann ihn retten.

Quelle: Gerhard Hänsel, Uckermärkische Sagen, KIRO-Verlag 1996