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Sagen und Geschichten aus Seehausen

Der überlistete Teufel

Vor langer, langer Zeit, heißt es, lebte in dem Dorfe Seehausen am Uckersee ein Schäfer, der seine Schafe weit um den See zur Weide treiben mußte. Der lange Weg verdroß den Mann so, daß er oft unterwegs in laute Verwünschungen ausbrach. Eines Abends, als er seine Schafe heimwärts trieb, hat er auch wieder lästerlich geflucht. Da gesellte sich ein Mann zu ihm, der fragte ihn nach der Ursache seines Unmuts. Der Schäfer klagte, daß er einen gar zu weiten Weg nach der Weide habe, da er die Herde weit um den See herumtreiben müsse, und daß die Schafe auf dem weiten Wege wieder hungrig würden. "Wenn´s weiter nichts ist," erwiderte der Fremde, "so kann ich dir helfen. Wenn du mir deine Seele verschreibst, so baue ich dir in einer Nacht einen Damm durch den See, dann hast du es näher nach der Weide." Der Schäfer merkte, daß sein Gesellschafter der Teufel war, da er aber die Herstellung eines Dammes in so kurzer Zeit für unmöglich hielt, willigte er ein, doch mit der Bedingung, daß der Damm vor dem ersten Hahnenschrei fertig sein müsse, der Teufel versprach, dies zu leisten, und der Schäfer unterschrieb den schriftlich aufgenommenen Pakt, indem er die Feder mit einem Tropfen seines Blutes anfeuchtete.

Der Böse steckte den Zettel in sein rotes Wams und fuhr ab. Alsbald aber erhob sich in der Luft ein fürchterlicher Tumult, wie von starken Wirbelstürmen, und dem Hirten erstarrte fast das Blut in den Adern, als er sah, wie der Teufel mit riesigen Felsblöcken und mächtigen Baumstämmen durch die Luft fuhr, um sie in den See zu stürzen. Atemlos und halb von Sinnen kam er zu Hause an und erzählte seiner Frau, was sich begeben hatte. "Unglückswurm," schrie diese, "weißt du, was nun geschieht? Morgen früh dreht dir der Satan den Hals um und fährt mit dir zur Hölle!" Der arme Schäfer fühlte bereits die Krallen des Teufels im Rücken und konnte vor Angst kein Wort mehr hervorbringen. Das Weib indes behielt klare Besinnung und zog ihn mit hinaus an den See, damit sie sähen, ob es dem Teufel möglich sein würde, den Kontrakt zu erfüllen.

Draußen am See hatte sich der Tumult inzwischen verdreifacht. Ganze Berge schleppte der Teufel durch die Luft herbei; der Damm wuchs zusehends, und als die Mitternachtsglocke ertönte, waren bereits drei Vierteile desselben fertig. Der Schäfer gab sich verloren; sein Weib aber fing plötzlich an, mit heller Stimme den Hahnenschrei nachzuahmen. Der Teufel durchschaute die List und verdoppelte abermals seine Anstrengung. Nur noch eine kurze Strecke trennte ihn vom jenseitigen Ufer, da ertönte plötzlich aus einem nahen Hühnerstalle ein heller Hahnenschrei. In demselben Augenblicke ertönte ein fürchterlicher Donnerschlag, dann wurde es still. Der Teufel war abgefahren; das wackere Weib hatte ihn überlistet; denn durch ihr Krähen aufgeweckt und getäuscht, hatte ein Hahn seinen ersten Morgenschrei viel früher als sonst ertönen lassen. Der Schäfer kam also mit dem bloßen Schrecken davon; geflucht aber hat er nicht mehr. Der Damm aber, der später von den Menschen vollendet wurde, ist noch heute ein beredtes Zeugnis, daß der Teufel bei aller Schlauheit doch manchmal dümmer ist, als ein altes Weib.

Quelle: Sagenschatz der uckermärkischen Kreise, gesammelt und herausgegeben von Rudolf Schmidt - Eberswalde, Prenzlau 1922

 

Mönche als Riesen

Bei Seehausen am Uckersee hat vor alten Zeiten ein Kloster gestanden, von dem man noch die Fundamente und alten Keller sieht. Von diesem aus soll auch ein gemauerter Gang quer durch den See nach dem großen Burgwall, der auf einer Insel liegt, geführt und dort auch Klostergebäude gestanden haben. Hier sollen nun vor alter Zeit gewaltige Riesen gehaust haben, die sind Mönche gewesen, und man findet noch oft gewaltige Schädel und Knochen, die von ihnen herrühren.

Quelle: unbekannt