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Sagen und Geschichten aus Storkow

Pucks in Storkow

Einem Pucks muß man was zu tun geben und muß ihn beileibe nicht bei der Arbeit stören, sonst richtet er allerhand Unfug an. Dann kann man es erleben, daß er die Pferde mit dem Schwanz an die Krippe, die Kaninchen auf die Hühnernester setzt und die Schweine in die "gute" Stube treibt. Das Gesinde hat am andern Morgen zu tun, um die über Nacht geschaffene Unordnung wieder in die Reihe zu bringen. Ist Pucks aber von einem Unberufenen erspäht worden, so verläßt er seinen Besitzer auf Nimmerwiedersehen. Während Pucks sonst ein ziemlich harmloses Wesen ist, war der Storkower ein arg teuflischer Kobold. Nicht durch fleißige Arbeit verschaffte er seinem Bauern Reichtum, sondern wenn alles auf dem Felde war, stahl er von den Nachbargehöften was nicht niet- und nagelfest war für seinen Besitzer zusammen. Oben auf dem Boden haust er tagsüber in einer Tonne. Im Hausdach befand sich ein Loch; hier kroch er durch und besah sich des öfteren vom Dachfirst aus die Gegend. Das geschah zumeist vor Einbruch der Dunkelheit. Wer da oben aber den kleinen roten Kerl wahrnahm, den traf andern Tages bestimmt ein Unglück. Einmal ertränkte sich ein alter Mann wegen dieses Kobolds. Als dann aber ein junges Mädchen, das jedermann im Dorfe gern hatte, über den Anblick des Pucks und des ihr nun sicher bevorstehenden Unglücks erschrak, daß sie von selbst ins Wasser ging, da war es den Dorfleuten zu viel. Es rumorte mächtig unter den Bauern. Um aller Unannehmlichkeit zu entgehen, schaffte sein Besitzer den Puck in größter Heimlichkeit des Nachts fort und lud ihn Hammelspringern auf.

Quelle: Unsere Heimat, Blätter für Heimatpflege, Unterhaltung und Belehrung, Wochenbeilage zum "Templiner Kreisblatt, Templiner Zeitung", Nr. 53, Freitag, den 04.März 1938, 91. Jahrgang