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Sagen und Geschichten aus Vierraden

Wie die Burg Vierraden zu ihrem Namen kam

Ursprünglich hieß sie nach dem Willen des Erbauers die rote Burg. Den Namen hatte der Ritter nach den Farben seines Wappens gewählt. Er wachte darüber, daß alle den Namen "Roteburg" gebrauchten. Nun lag an der alten Handelsstraße, die von Schwedt nach Stettin führte, an der Welse eine Mühle mit vier Mahlgängen, also vier Rädern. Diese Mühle erschien natürlich den Bauern viel wichtiger als die Burg des Ritters. Man gewöhnte sich daran, den Übergang über die Welse mit ihren weiten Sümpfen nach der Mühle zu benennen und die Burg ebenso. Das verdroß den Ritter sehr. Da er aber den weit und breit angesehenen Müller der Vierradenmühle nichts anhaben konnte, weil dieser auch bei dem Landesfürsten in Gunst stand, griff er zu einer gemeinen List. Er lud den Müller freundlich zu einer Abendmahlzeit auf die Burg. Während des Essens stand der Ritter plötzlich auf und sah aus dem Fenster: "Ich sehe einen Stern, den sehe ich gern!" Der Müller, der gleich Böses ahnte, sagte in seiner bedächtigen Art: "Ich sehe den Stern aber nicht gern!" Die Vierradenmühle stand in Flammen. Um den verhaßten Namen der Mühle loszuwerden, hatte der heimtückische Ritter durch einen begnadigten Mörder die Mühle anzünden lassen. Ritter und Müller sind längst tot. Aber der Ritter fand im Grabe keine Ruhe. Noch heute begegnet er den Menschen zur Mittagszeit im Küselwind und ruft: "Roteburg, Roteburg", aber kein Mensch kehrt sich daran, Stadt und Burg heißen heute noch Vierraden.

Quelle: Gerhard Hänsel, Uckermärkische Sagen, KIRO-Verlag 1996

 

Die letzten Grafen von Hohenstein

An der Nordseite von Vierraden liegen an der Welse die Trümmer der ehemaligen Burg der Grafen von Hohenstein, von der noch ein hoher Turm bis auf den heutigen Tag steht. Von den übrigen Gebäuden sind indes nur noch die Grundmauern zu sehen. In dieser Burg lebten vor Zeiten die Grafen von Hohenstein, zuletzt ein Vater mit seinem Sohn. Da geschah es, daß der Vater einst nach Chorin ritt, denn dort wurden immer große Turniere gehalten. Seinem Kaplan befahl er, während seiner Abwesenheit seinen Sohn gut zu bewachen, denn der suche Händel und könne leicht in Gefahr geraten; außerdem prägte er es aber auch dem Wächter an der Zugbrücke noch ganz besonders ein, seinen Sohn unter keiner Bedingung aus der Burg zu lassen. Zu derselben Zeit lebten in Penkun und Gartz zwei Ritter, die schon lange verfeindet waren, und der von Gartz hatte dem Penkunschen, der Brautmann war, seine Frau geraubt und auf sein Schloß gebracht. Das hatte der junge Hohenstein gehört, und sann auf eine List, wie er seinem Freunde, dem Ritter von Penkun, zu Hilfe kommen könne. Zu dem Zwecke nahm er, als der Kaplan eingeschlafen war, dessen Kutte, zog sie sich an und kam auf diese Art glücklich über die Zugbrücke. Einige Knechte, die er vorher schon für sich gewonnen hatte, nahm er mit und zog nach Gartz, wo er die Braut des Penkunschen Ritters aus der Burg holte und zu ihrem Brautmann zurückführte. Währenddessen war aber der Kaplan erwacht, hatte schnell eine Anzahl Knappen ausgeschickt und ihnen befohlen, wo sie den jungen Hohenstein fingen, sollten sie ihm auf der Stelle dreißig Hiebe erteilen. Sie brauchten nicht lange zu spähen und die verhängte Strafe wurde trotz heftiger Gegenwehr an ihm vollzogen. Dadurch fühlte er sich in seiner Ehre so gekränkt, daß er nicht mehr in die Burg zurückgekehrt ist, und seither hat man ihn nicht wieder gesehen. Sein Vater aber starb bald danach auf einem großen Turnier in Chorin, und mit ihm ist der letzte der Grafen von Hohenstein in die Grube gefahren.

Quelle: Gerhard Hänsel, Uckermärkische Sagen, KIRO-Verlag 1996