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Sagen und Geschichten aus Warbende

Wie das Dorf Warbende zu seinem Namen kam

Zur Gemeinde Parmen-Weggun gehört auch der Ortsteil Warbende. Der Name dieses Dorfes wird von Sprachkundigen von dem altslawischen Wort vrûba oder dem westslawischen vrba, das heißt Weidenbaum, abgeleitet. Es gibt aber auch eine Sage, die den Namen anders erklärt. Mitten im Parmener See liegt eine mit Bäumen bewachsene Insel. Auf ihr hat vorzeiten ein Schloß gestanden, und man findet auch heute noch auf ihr große und kleine Steine, die von dem Mauerwerk herrühren sollen. Hier hatte ein mächtiger Graf namens Warburg ein festes Schloß erbaut, in dem er seine schöne Tochter während seiner vielen Raub- und Jagdzüge gesichert zurückließ. Das Schloß war so häuslich gebaut, daß es zwei Stockwerke hoch war, aber es gab keine Treppe in ihm. Die Tochter mußte im oberen Stockwerk wohnen, zu dem sie mit einem Korb heraufgezogen wurde.

In einer kalten Winternacht kam nun einmal ein fremder junger Graf in die Gegend. Er erblickte vom Waldrand des Kiecker das Licht in den Zimmern der jungen Gräfin. Er ging über die gefrorene Fläche des Sees und kam zum Schloß, fand aber keine Tür. Hoch oben am Fenster hing der Korb mit dem Seil, und auf sein Bitten zog die Tochter ihn hinauf. Als sie nun sah, wen sie da hochgeholt hatte, freute sie sich sehr. Endlich konnte sie nach langer Zeit wieder einmal mit einem Menschen sprechen. Sie plauderten miteinander und bemerkten gar nicht, daß der alte Warburg über das Eis des Sees gesprengt kam. Nun war guter Rat teuer. In ihrer Angst vor dem Vater ließ die Gräfin ihren Besucher auf einer kleinen Leiter auf den Boden des Schlosses hinaufsteigen.

Kaum war er oben und hatte sich versteckt, da hörte sie schon die scheltende Stimme des Vaters. Sie zog auch ihn nach oben. Mißmutig stapfte der Ritter in seiner Rüstung im Zimmer umher, denn er hatte auf seinen Beutezügen kein Glück gehabt. Plötzlich entdeckte er die schmale Leiter, die an den Bodenraum gelegt war. Mit den Worten "Wer ist da oben?" wollte er hinaufsteigen. Da brach die Leiter unter der Last zusammen, der Ritter stürzte und brach Arm und Bein. Nun lag er in seinem jämmerlichen Zustand, und in ihrer Ratlosigkeit gestand ihm die Tochter, wer bei ihr sei. Da stieg auch schon der junge Graf vom Boden herab, und weil die beiden den Alten so liebreich pflegten, gab er die Einwilligung zur Hochzeit. Doch mit den Jagd- und Kriegszügen war es vorbei. Auch von der einsamen Insel zogen sie aus und bauten das Schloß Warbungsende, aus dem der Name Warbende wurde.

Quelle: Heimatkalender Prenzlau, 1981