Seiteninhalt

Der Naturpark Uckermärkische Seen

Logo Naturpark Uckermärkische Seen

Der 897 Quadratkilometer große Naturpark Uckermärkische Seen im Norden Brandenburgs gehört zu den abwechslungsreichsten Landschaften Mitteleuropas. Der Naturpark, am 3. Mai 1997 eröffnet, ist geprägt durch sein bewegtes jungeiszeitliches Relief, den Reichtum an Gewässern, Mooren, Wäldern und Forsten mit ihrer reichhaltigen Flora & Fauna, die sehr geringe Besiedlungsdichte und die vielfältigen, naturtouristischen Nutzungsmöglichkeiten. In der Naturparkregion findet sich die höchste Brutdichte des Fischadlers in Mitteleuropa, dem Wappentier des Naturparks.

Der Naturpark

Abb.1 NP Uckermärische Seen (©G.Klinger)

© ©G.Klinger

Der Naturpark Uckermärkische Seen liegt zwischen Prenzlau, Fürstenberg, Zehdenick, Fürstenwerder und Templin in den Landkreisen Uckermark (Flächenanteil: 640 qkm) und Oberhavel (255 qkm). Als "Feldberg-Lychener Seenlandschaft" war er Bestandteil des Nationalparkprogramms der DDR und grenzt heute unmittelbar an den Naturpark "Feldberger Seenlandschaft" in Mecklenburg-Vorpommern an. Rund 96 % des Naturparks sind Landschaftsschutzgebiete. Knapp ein Viertel der Naturparkkulisse sind Naturschutzgebiete. Die heutige Landschaft des Naturparks entstand nach der Weichselvereisung vor etwa 15.000 Jahren. Im Norden und Osten kreuzen sich Endmoränenzüge; kuppige Grundmoränen, Drumlins, Wallberge, Sölle und die Erosionsschlucht des Stroms formen die Oberfläche. Im Süden und Westen des Naturparks befinden sich dagegen ausgedehnte Sanderflächen mit Binnendünen sowie Rinnenseen und durchströmten Mooren. Neben den 230 Seen, Bachläufen und Kanälen, über 3000 Mooren und Kleingewässern bestimmen Wälder und – seit dem 12. Jahrhundert - auch Äcker, Grünland und Heiden das Landschaftsbild, darunter auch der größte, in Mitteleuropa erhaltene Hutewaldbestand. Klimatisch ist die Region dem Übergangsbereich zwischen Müritz-Klima (feucht) und Neubrandenburger Klima (mäßig trocken) zuzuordnen. Das Gebiet ist Lebensraum für viele geschützte Arten, z.B.: Mops- und Teichfledermaus, Fischotter, Biber, Bachmuschel, Rotbauchunke, Kammmolch, Kranich, Große Moosjungfer, Schlingnatter, Sumpfschildkröte, Heldbock, Feuerfalter, Bitterling und Steinbeißer. Seltene und gefährdete Arten wie Sumpfglanzkraut, Lämmersalat, Bachneunauge und Eremit finden sich hier in größeren Beständen. Durch den landschaftlichen Strukturreichtum konzentrieren sich hier und im benachbarten Feldberger Revier ca. 10% aller See-, Schrei- und Fischadlerbestände Deutschlands. Es wurden 54 Libellenarten und über 600 Nachtfalterarten nachgewiesen. Botanische Kostbarkeiten wie Strandling, zehn Orchideenarten, Blasenbinse, Gestrecktes Laichkraut und Armleuchtergewächse kommen im Naturpark vor. Für die touristische Nutzung, insbesondere auf Natur ausgerichteten und bildungsorientierten Tourismus bestehen im Gebiet sehr gute landschaftliche und kulturhistorische Voraussetzungen. Neben Architektur-historischen Denkmälern sind besonders die Seenlandschaft mit mehr als 150 km langen Wasserwanderwegen und vielen Bademöglichkeiten sowie über 600 km ausgeschilderte Wanderwege, von Hecken umsäumte Wiesen, Äcker und Laubwälder für den Tourismus bemerkenswert.

Wichtiger Schritt zur Ausweisung als Naturpark war die Gründung des Fördervereins Feldberg-Uckermärkische Seenlandschaft  im Jahr 1992, der u.a. zum Ziel hat, naturschutzfachliche Entwicklungen zu fördern und, durch das Eigentum an wertvollen großräumigen Flächen im Naturpark, auch umzusetzen. Im Gründungsjahr des Naturparkes konstituierte sich ebenfalls das Kuratorium des Naturparkes. Der Naturpark kooperiert mit zahlreichen Tourismusorganisationen der Landkreise Uckermark und Oberhavel. Seit dem Jahr 2000 ist der Naturpark Teil der ausgewählte LEADER-Förderregion und steht mit der lokalen LEADER-Gruppe LAG Uckermark e.V. im Austausch. Im Rahmen der Bildungsarbeit bestehen darüber hinaus langjährige Kooperationen mit mehreren (außer-)schulischen Bildungspartnern. Weitere wichtige Partner sind viele regionale Unternehmen – besonders im Beherbergungs- und Gastronomiegewerbe, zukünftig auch Erzeugerbetriebe (s.u. Partnerinitiative).

Naturschutz und NATURA 2000

Seit 2018 werden für die 24 FFH- Gebiete des Naturparkes Managementpläne erarbeitet. Die Naturschutzgebiete und Flächen des Naturschutzgroßprojektes (s.o.) sind dabei in die FFH-Flächenkulisse integriert. Über Ehrenamtliche und die Naturwacht erfolgt für ausgewählte Arten und Lebensräume ein Monitoring. Besonderer Schwerpunkt sind die Seen und Moore, deren Wasserstände, Sichttiefen und chemische Daten in Zusammenarbeit mit Naturwacht und dem Förderverein Feldberg-Uckermärkische Seenlandschaft  erfasst werden. Außerdem werden im Rahmen des Monitorings z.B. regelmäßig Biber-, Fischotter- und Orchideenbestände erfasst. Im Rahmen der Gebietskontrolle werden kontinuierlich alle 24 FFH-Gebiete begangen und etwaigen Herausforderungen adäquat begegnet.

Der Schutz sowie Erhalt von FFH-Lebensräumen und deren Arten werden durch gezielte Maßnahmen von Seiten des Naturparks gefördert. Ein bedeutendes Instrument der Umsetzung von FFH-Maßnahmen ist der Vertragsnaturschutz. So wurden im Jahr 2019 36 Verträge mit 28 Landnutzer*innen abgeschlossen, Tendenz steigend. Alle Vertragsnaturschutzmaßnahmen werden in der NATURA 2000-Kulisse (FFH- und SPA-Gebiete) umgesetzt. Wichtige Lebensraumtypen innerhalb des Naturparkes, wie kalkreiche Niedermoore, Pfeifengraswiesen und Trockene Heiden  werden schon über mehrere Jahre regelmäßig über angepasste Vertragsnaturschutzmaßnahmen gepflegt. Partner des Vertragsnaturschutzes  sind der Landschaftspflegeverein, spezialisierte Landschaftspflegefirmen und Landwirtschaftsbetriebe.

Im Rahmen des Forschungsprojektes „Multivalente Nutzung obstgenetischer Ressourcen“ wurden in den Jahren 1995 bis 1999 Brandenburg-weit Streuobstbestände kartiert. Auch der Naturpark Uckermärkische Seen und seine Naturwacht beteiligten sich an diesem Projekt. In der Uckermark wurden insgesamt 157 regionaltypische Apfelsorten gefunden. 100 alte Uckermärkische Landsorten wurden für das naturparkeigene Streuobst-Projekt ausgewählt, dass sowohl die wirtschaftliche Streuobstnutzung als auch die Landschaftsgestaltung zum Ziel hat. Da diese Sorten nicht im Baumschulhandel vorhanden sind, lässt die Naturparkverwaltung seit dem Jahr 2001 Hochstämme in einer Baumschule heranziehen. Für die Anpflanzung der Sorten werden „Apfelhochstammpartner“ innerhalb des Naturparks gewonnen und für die Pflege verpflichtet. In der Stadt Templin entstand mit Hilfe von LEADER-Mitteln ab 2005 darüber hinaus ein öffentlich zugänglicher Sortenschaugarten, der diese Vielzahl alter Apfelsorten zentral präsentiert, informiert und für die umweltpädagogische Arbeit genutzt werden kann. Der seit vielen Jahren jährlich durchgeführte „Naturpark-Apfeltag“ in Templin  sensibilisiert darüber hinaus zu diesen wie verwandten Themen und bietet regionalen Akteur*innen nicht zuletzt die Möglichkeit, ihre Produkte und Projekte der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Regionalentwicklung und Tourismus

Neben der o.g. Landschaftspflege, der Kooperation mit Tourismusorganisationen, der Erstellung zahlreicher Informationsangebote zum Wandern, Radfahren und Wasserwandern bestehen kommunale Kooperationen. Bedeutsam ist darüber hinaus das Netzwerk Partnerinitiative „Region Uckermark“. Dieses, aus einem gemeinsamen LEADER-Projekt mit dem Nationalpark Unteres Odertal 2013 resultierende Vorhaben hatte die Entstehung von Partnerschaften zwischen Tourismusanbietern und dem jeweiligem Schutzgebiet zum Ziel. Heute hat der Naturpark Kooperationen mit 26 Partner*innen. Seit dem Jahr 2020 ist es auch für Erzeugerbetriebe möglich, der Initiative beitreten. Die vor sieben Jahren formulierten Ziele bleiben weiter aktuell: Gästen und einheimischen Kund*innen verlässliche und einheitliche Qualitäts- und Umweltstandards bieten, qualitativ hochwertige Tourismusangebote fördern und durch Informationen für die Mitarbeit und Aufgaben des Naturparks sensibilisieren. Zukünftig soll noch stärker die Förderung der Vernetzung unter den Partnern resp. mit anderen regionalen Akteuren und die Entwicklung hin zu möglichen Bildungspartnerschaften im Fokus stehen.

Bildungsarbeit

Abb.3 BNE-Lehrkräftefortbildung 2019 (©R.Sommerfeld)

© Picasa (©R.Sommerfeld)

Neben den Aufgabenfeldern Schutz, Erholung und Entwicklung hat der vierte Bereich Bildung für den Naturpark einen hohen Stellenwert. Die Naturwacht arbeitet dazu, neben klassischen Bildungsformaten wie Rangertouren, dem Juniorranger-Programm und dem Lychener Agenda-Diplom, seit 2003 im Rahmen von Schulkooperationen mit Grundschüler*innen zu umweltrelevanten Themen. So lernen die Kinder die typische Flora und Fauna ihrer Naturparkregion kennen, beschäftigen sich beispielsweise aber auch mit Ressourcenschutz und Insektensterben. Die derzeit bestehenden Schulkooperationen, darunter zwei VdN-Naturparkschulen, sollen erhalten und sukzessiv um andere Schulen/- formen erweitert werden. Anspruch der Naturparkverwaltung ist es, im Rahmen einer guten Bildung für nachhaltige Entwicklung den Vernetzungsgedanken hin zu einer Bildungslandschaft zielgerichteter zu stärken, neue eigene Bildungsformate zu entwickeln, weitere Zielgruppen (Jugendliche und Erwachsene) zu erschließen und Radikalisierungstendenzen im Naturschutz entgegenzutreten.

Seit dem 1. April 2018 sollen, laut §27 Abs.2 BNatSchG, „Naturparke […] der Bildung für nachhaltige Entwicklung dienen.“ Wie könnte diese neue Aufgabe konkret ausgestaltet werden? Der Naturpark Uckermärkische Seen sieht sich als Koordinator, Moderator, Netzwerker, Qualifizierer und Unterstützer einer regionalen Bildungslandschaft. Im Einzelnen bedeutet das: a) Unterstützung von (außer-)schulischen Bildungseinrichtungen bei der (Weiter-)Entwicklung und Durchführung von BNE-Angeboten, b) Vernetzung potenzieller (Bildungs-)Partner*innen der Region hin zu einer Bildungslandschaft, c) Organisation von bedarfsgerechten Fortbildungen für unterschiedliche Zielgruppen und d) Umsetzung eigener praxisbezogener BNE-Projekte. Auch die Frage, wie der Naturpark im digitalen Zeitalter seinem Bildungsauftrag gerecht bleiben und gleichzeitig die Möglichkeiten des digitalen Raums für sich nutzbar machen kann, nicht zuletzt unter Verwendung neuer interaktiver, partizipativer und narrativer Formen der Vermittlung, wird derzeit im Team stark diskutiert. Perspektivisch soll für den Naturpark eine Bildung für nachhaltige Entwicklung selbst zu einem Querschnittsthema werden, das sich übergreifend in allen anderen drei Aufgabenfeldern (Schutz, Erholung, Entwicklung) widerspiegelt.

Weiterführende Informationen

Im Jahr 2022 wird  die Naturwacht/Verwaltung des Naturparks ihren neuen Dienstsitz beziehen, den Hyparschalen-Komplex  im Templiner Bürgergarten. Kontaktdaten und viele weiterführende Informationen zu einzelnen Themenfeldern des Naturparks Uckermärkische Seen finden Sie unter: https://www.uckermaerkische-seen-naturpark.de/

Download

Kontakt

Landesamt für Umwelt/ Referat N5
Naturpark Uckermärkische Seen
Tramper Chaussee 2 / Haus 7 1

16225 Eberswalde