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09.05.2019

Aktuelle Hinweise zum Düngerecht

Das Düngerecht wurde in den Jahren 2017 und 2018 umfassend erweitert und geändert. Insbesondere für die landwirtschaftlichen Betriebe ergaben sich dadurch umfassend neue Vorgaben und Pflichten, auf die im Folgenden auszugsweise hingewiesen wird.

1.      Stoffstrombilanz

Die Verordnung über den Umgang mit Nährstoffen im Betrieb und betriebliche Stoffstrombilanzen (Stoffstrombilanzverordnung - StoffBilV) ist am 1. Januar 2018 in Kraft getreten. Danach müssen aufzeichnungspflichtige Betriebe ihre Nährstoffzufuhren und Nährstoffabgaben dokumentieren. Ob für Ihren Betrieb eine Stoffstrombilanz erforderlich ist, kann mit Hilfe eines Schemas überprüft werden (siehe Link).

Bezugsjahr ist das für den Nährstoffvergleich nach Düngeverordnung gewählte Düngejahr. Es ist vom Betriebsinhaber vor dem erstmaligen Erstellen der jährlichen betrieblichen Bilanz festzulegen und muss mindestens für drei Bezugsjahre, die für eine fortgeschriebene dreijährige Bilanz erforderlich sind, beibehalten werden.

Je nach Düngejahr muss die Stoffstrombilanz bis 30.06.2019 bzw. 31.12.2019 erstmalig im Betrieb vorliegen. Aufzeichnungen über die zugeführten und abgegebenen Nährstoffmengen müssen spätestens 3 Monate nach Zufuhr bzw. Abgabe im Betrieb vorliegen.

LINK LELF: https://lelf.brandenburg.de/sixcms/detail.php/bb1.c.620351.de

2.      Inverkehrbringen und Befördern von Wirtschaftsgütern

Seit dem 01.09.2010 ist die „Verordnung über das Inverkehrbringen und Befördern von Wirtschaftsdünger“ (WDüngV) in Kraft. Diese Verordnung gilt für das Verbringen, das Befördern und die Übernahme  von  Wirtschaftsdüngern  im Inland sowie nach anderen Staaten. Dies bedeutet, dass alle Landwirtschaftsbetriebe,  Biogasanlagen  und  sonstigen  Unternehmen,  die  Wirtschaftsdünger  tierischer  und pflanzlicher Herkunft (u.a. Dung, Gülle, Gärreste, Pilzkultursubstrate) abgeben bzw. aufnehmen, sich mit dieser Verordnung auseinandersetzen müssen.

Zu den Vorgaben nach der WDüngV zählen

  • Aufzeichnungspflichten im Betrieb,
  • Meldepflichten gegenüber dem LELF für Abgaben und Empfang aus einem anderen Bundesland bzw. Staat und
  • Mitteilungspflichten gegenüber dem LELF für alle Betriebe, die o.g. Stoffe in Verkehr bringen

LINK LELF: https://lelf.brandenburg.de/sixcms/detail.php/bb1.c.620292.de

3.      Düngeverordnung            

Düngebedarfsermittlung

Vor dem Aufbringen von wesentlichen Nährstoffmengen an N (= 50 kg/ha N) oder P (= 30 kg/ha P2O5) ist der Düngebedarf der Kultur für jeden Schlag oder jede Bewirtschaftungseinheit zu ermitteln. Dies gilt auch für den Düngereinsatz im Herbst.

Bei nachträglich eintretendem höheren Düngebedarf ist eine erneute Düngebedarfsermittlung einschließlich Begründung zu dokumentieren.

Zur Ermittlung des Düngebedarfs müssen die Gehalte an Gesamt-N, verfügbarem N oder Ammonium-N, Gesamt-Phosphat der aufgebrachten Nährstoffträger bekannt sein und dokumentiert werden.  

Für die Ermittlung des N-Düngebedarfs im Frühjahr ist der aktuelle Nmin-Wert aus eigenen Bodenuntersuchungen oder den Empfehlungen des LELFs heranzuziehen.

Die Dokumentation ist mittels Formulare oder bereitgestellter EDV-Programme des LELFs zu verwenden.

LINK: https://lelf.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.240315.de

Sperrfristen

Die Sperrfristen für die Ausbringung von Düngemitteln mit wesentlichen Nährstoffgehalten wurden neu geregelt. Für Grünland und mehrjähriges Feldfutter gilt die Sperrfrist vom 1. November bis 31. Januar, für Ackerland nach Ernte bis 31. Januar. Abweichend davon ist Düngung auf Ackerland bis zur Höhe des N-Düngebedarfs, maximal bis 60 kg/ha Gesamt-N oder 30 kg/ NH4-N, möglich bis 1. Oktober zu Winterraps, Zwischenfrüchten, Feldfutter (bei Aussaat bis 15.9.) oder zu Wintergerste nach Getreide (bei Aussaat bis 01.10.) bis zum 1. Dezember zu Gemüse. Eine Ausgleichsdüngung zu Stroh ist nicht mehr zulässig! Für Festmist von Huf- oder Klauentieren sowie Kompost gilt eine Sperrfrist vom 15. Dezember bis15. Januar. Eine Sperrfristverschiebung bis zu 4 Wochen ist mit Genehmigung des Landwirtschafts- und Umweltamtes möglich.

Stickstoffobergrenze für organische Dünger

Der Einsatz von allen organischen und organisch-mineralischen Düngemitteln einschließlich Wirtschaftsdüngern (auch pflanzliche Gärreste) ist auf max.  170 kg Gesamt.-N/ha und Jahr begrenzt.

Nährstoffvergleich

Für tierhaltende Betriebe gilt seit 01.07.2017 bzw. 01.01.2018 die plausibilisierte Flächenbilanz zur präziseren Erfassung der Nährstoffabfuhr von Futterbau- und Grünlandflächen. Das heißt, der Rauhfutterertrag wird nicht mehr geschätzt, sondern über die Anzahl gehaltener Tiere und die Grundfutteraufnahme berechnet.

Die betrieblichen Nährstoffüberschüsse, in der neuen Düngeverordnung als „Kontrollwerte“ bezeichnet, wurden nach unten korrigiert. Der Kontrollwert für Stickstoff, das heißt der Stickstoffsaldo über drei Jahre, wird ab 2020 auf 50 Kilogramm je Hektar gesenkt. Bislang lag er bei 60 Kilogramm je Hektar. Der Kontrollwert für Phosphor darf ab 2023 im sechsjährigen Mittel jährlich 10 Kilogramm je Hektar nicht mehr überschreiten. Für Betriebe, die diese Werte nicht einhalten, wird es eine Beratungspflicht geben. Eine erneute Überschreitung führt zu Sanktionen.

Abstandsauflagen zu Gewässern

Ausbringverbot für N-/P-haltige Stoffe an Gewässern

  • 4 m zwischen Ausbringungsfläche und Böschungsoberkante,
  • 1 m wenn Streubreite der Arbeitsbreite entspricht oder Grenzstreueinrichtung vorhanden ist,
  • 5 m bei Hangneigung ab 10 %. 

Weitere Auflagen gelten bei Hangneigungen ab 10% im Bereich 5-20 m. Eine Ausbringung ist nur möglich bei

  • sofortiger Einarbeitung auf unbestelltem Acker
  • entwickelter Untersaat oder sofortiger Einarbeitung bei Reihenkulturen (=45 cm Abstand)
  • hinreichender Bestandsentwicklung oder Mulch-, Direktsaatverfahren bei Nicht-Reihenkulturen

Wer die Regeln nicht einhält, muss mit Bußgeldern rechnen. Viele einzuhaltende Vorgaben sind auch „Cross Compliance“-relevant. Nach neuer Düngeverordnung können Ordnungswidrigkeiten mit Geldbußen bis zu 150.000 Euro geahndet werden.

Ausbringtechnik entspricht den anerkannten Regeln der Technik

Verboten sind folgende Techniken:

  • Festmiststreuer ohne gesteuerte Mistzufuhr zum Verteiler
  • Gülle-/Jauchewagen mit freiem Auslauf auf den Verteiler
  • Zentraler nach oben abstrahlender Prallverteiler
  • Güllewagen mit senkrecht angeordneter Schleuderscheibe
  • Drehstrahlregner zur Verregnung von Gülle

Einarbeitungspflicht auf unbestelltem Acker

Organische und org.-mineralische Düngemittel mit wesentlichem Gehalt an verfügbarem Stickstoff (>10% NH4-N Anteil) müssen mindestens 4 Stunden nach der Aufbringung auf unbestelltem Ackerland eingearbeitet sein. Neben Hühnertrockenkot und Putenmist sind auch separierte Gärreste und Klärschlämme unverzüglich einzuarbeiten. Ausnahmen gelten lediglich für Festmist (Huf- und Klauentiere), Kompost, Düngemittel mit < 2% TS- Gehalt sowie Harnstoff mit Ureasehemmern. Harnstoff muss ab 01.02.2020 mit Ureasehemmstoff versetzt sein oder ebenfalls innerhalb von 4 Stunden eingearbeitet sein. 

Ausbringverbot auf nicht aufnahmefähigem Boden

N- und P-haltige Düngemittel, Bodenhilfsstoffe, Kultursubstrate, Pflanzenhilfsmitteln (> 1,5 % Gesamt-N und/oder > 0,5 % P2O5 i. d. TM) dürfen nicht ausgebracht werden, wenn der Boden:

  • überschwemmt,
  • wassergesättigt (z.B. stehende Wasserlachen),
  • gefroren oder
  • schneebedeckt

Abweichend davon ist die Aufbringung von max. 60 kg Gesamt-N/ha auf gefrorenen Boden möglich, wenn

  • der Boden durch Auftauen am Tag des Auftauens aufnahmefähig wird,
  • keine Gefahr durch Abschwemmung in Gewässer und auf benachbarte Flächen besteht,
  • eine Pflanzendecke (Aussaat von Winterkultur oder Zwischenfrucht im Herbst oder Grünland) vorhanden ist, und
  • andernfalls die Gefahr von Bodenverdichtungen und Strukturschäden durch das Befahren bestehen würden.

Lagerkapaziät

Für feste und flüssige Wirtschaftsdünger, wie Gülle, Jauche, flüssige und feste Gärrückstände muss mindestens eine Lagerkapazität von 6 Monaten im Betrieb vorhanden sein. Darüber hinaus anfallende bzw. eingeleitete Mengen an (verunreinigtem) Niederschlag, Abwasser, Silagesickersäften und verbleibenden Lagermengen (Restfüllstand) sowie ein vorgeschriebener Freibord für Behälter sind zu berücksichtigen.

Für Festmist von Huf- oder Klauentieren und Kompost ist derzeit eine Lagerkapazität mindestens für den Zeitraum zur Abdeckung des Aufbringverbots vom 15.12. bis zum 15.01 (1 Monat) nachzuweisen. Diese Anforderung wird ab 01.01.2020 erweitert auf eine 2-monatige Lagerkapazität.

Nicht ausreichende Lagerkapazität kann mittels überbetrieblicher Lagernutzung für die Übermenge nachgewiesen (schriftliche Vereinbarungen) werden.