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28.04.2020

Düngeverordnung 2020 - Welche Änderungen sind zu beachten?

Die neuen Regelungen zur Anwendung von Düngemitteln wurden mit Veröffentlichung der „Verordnung zur Änderung der Düngeverordnung und anderer Vorschriften vom 28. April 2020“ im Bundesgesetzblatt am 30.April 2020 rechtskräftig wirksam. 

Im Folgenden soll ein nicht abschließender Überblick über die bundesweit geltenden Neuerungen gegeben werden.

 

1. Düngebedarfsermittlung

  • Das für die Düngebedarfsermittlung heranzuziehende betriebsindividuelle Ertragsniveau errechnet sich aus den letzten 5 statt 3 Jahren.
  • Aus der Herbstdüngung zu Winterraps und Wintergerste sind die Menge an verfügbarem Stickstoff im Frühjahr bei der Düngebedarfsermittlung zu berücksichtigen.
  • Ein höherer Düngebedarf infolge nachträglich eintretender Umstände darf den ursprünglich ermittelten Düngebedarf um höchstens 10% überschreiten.
  • Die Mindestwirksamkeit von Rinder- und Schweinegülle sowie flüssigen Gärrückstanden ist auf Ackerland ab dem 01.02.2020 und auf Grünland ab dem 01.02.2025 um 10 % zu erhöhen.
  • Für die Ermittlung des Phosphatbedarfs sind verbindliche Entzugswerte eingeführt worden.

 

2. Anwendungsbestimmungen

  • Harnstoff darf, auch in Mischungen, seit dem 01.02.2020 nur aufgebracht werden, wenn ihm ein Ureasehemmstoff zugegeben wurde oder er unverzüglich eingearbeitet wird.
  • Die Sperrfrist für das Aufbringen von Festmist und Kompost wurde um zwei Wochen vom 01.12. bis 15.01. verlängert.
  • Neu ist eine Sperrfrist für das Aufbringen von phosphathaltigen Düngemitteln auf Acker-und Grünland flächendeckend vom 01. Dezember bis zum 15. Januar.
  • Die Aufbringmenge von flüssigen organischen Düngemitteln auf Dauergrünland und mehrjährigem Feldfutterbau (Aussaat bis 15. Mai) in der Zeit vom 01. September bis Beginn der Sperrfrist ist auf 80 kg Gesamt-N je Hektar begrenzt.
  • Die Abstände zu Gewässern auf Flächen mit Hangneigung sind auf 3 m ab 5 % Hangneigung, 5 m ab 10% Hangneigung und 10 m ab 15 % Hangneigung vergrößert worden.

 

3. Dokumentationspflichten

  • Durchgeführte Düngemaßnahmen sind nach spätestens zwei Tagen schlagbezogen aufzuzeichnen. Bei der Weidehaltung sind Weidetage, Art und Zahl der Tiere nach Abschluss der Weidehaltung schlagbezogen aufzuzeichnen.
  • Bis 31.03. sind eine jährliche betriebliche Gesamtsumme des Düngebedarfs und eine jährliche betriebliche Gesamtsumme der aufgebrachten Nährstoffmengen zusammenzufassen.
  • Der Nährstoffvergleich entfällt.

 

4. „Rote Gebiete“ mit 7 verbindlichen bundeseinheitlichen Auflagen

  • Der Düngebedarf wird generell um 20% im Durchschnitt der Flächen des Betriebes, die in einem nitratbelasteten Gebiet liegen, reduziert.
  • Für die Ausbringung von organischen und organisch-mineralischen Düngemitteln wird eine schlagbezogene N-Obergrenze in Höhe von 170 kg Gesamtstickstoff je Hektar festgesetzt.
  • Eine Herbstdüngung von Winterraps und Wintergerste sowie von Zwischenfrüchten ohne Futternutzung wird untersagt (Ausnahme für Winterraps, wenn durch eine Bodenprobe nachgewiesen wird, dass die verfügbare Stickstoffmenge im Boden unter 45 kg Stickstoff je Hektar liegt).
  • Bei Kulturen mit einer Aussaat oder Pflanzung nach dem 1. Februar ist eine N-Düngung nur zulässig, wenn auf der betroffenen Fläche im Herbst des Vorjahres eine Zwischenfrucht angebaut wurde (Ausnahme bei spät geernteter Vorfrucht im Herbst und in besonders trockenen Gebieten, < 550 mm Jahresniederschlag).
  • Die Sperrfrist, in der kein Festmist und Kompost ausgebracht werden darf, wird auf drei Monate (1.11. bis 31.01.) verlängert.
  • Die Sperrfrist für Grünland wird um vier Wochen (01.10. bis 31.01.) verlängert.
  • Flüssige organische Düngemitteln dürfen im Herbst auf Grünland maximal mit  60 kg Gesamtstickstoff je Hektar ausgebracht werden.
  • Zu den 7 vorgeschriebenen Maßnahmen müssen die Länder durch Landesverordnungen 2 zusätzliche Maßnahmen festlegen.        

Ergänzend zu den Neuerungen der Düngeverordnung wird im Wasserhaushaltsgesetz (WHG) ein neuer Paragraf 38a eingeführt. Bei einer Hangneigung von mehr als 5 % zu einer Gewässeroberkante ist in einem Bereich von 5 m ein begrünter Schutzstreifen anzulegen. Weiterhin wird die Stoffstrombilanzverordnung dahingehend geändert, dass die Pflicht zu Erstellung einer Stoffstrombilanz bereits ab 2021 greift.

Eine Bund- Länder-Arbeitsgemeinschaft erarbeitet derzeit ein Konzept zur Einführung eines bundeseinheitlichen Monitorings mit dem die Effizienz und Wirksamkeit der festgesetzten Maßnahmen evaluiert werden soll.