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04.02.2021

Nitratkulisse und Brandenburgische Düngeverordnung ab 2021

Im Jahr 2020 wurden sowohl die bundesweit geltende Düngeverordnung (DüV­¹) als auch die Brandenburgische Düngeverordnung (BbgDüV²) novelliert und damit auch eine überarbeitete „Nitratkulisse“ veröffentlicht. In dieser Kulisse gelten zusätzliche düngerechtliche Anforderungen.

Seit dem 01.01.2021 sind in der „Nitratkulisse“ folgende Anforderungen einzuhalten:


1. Reduzierung des Düngebedarfs für Stickstoff um 20 %

  • Ermittlung des Stickstoffdüngebedarfs für die in den Gebieten liegenden Flächen und Zusammenfassung zu einer jährlichen betrieblichen Gesamtsumme bis zum 31. März des Jahres
  • Basis für diese Düngebedarfsermittlung ist der Ertrag auf diesen Flächen im Durchschnitt der Jahre 2015-2019
  • Reduzierung der ermittelten Gesamtsumme in der Kulisse um 20 %
  • Ausnahme: wenn im Durchschnitt der Flächen in den Gebieten nicht mehr als 160 kg Gesamtstickstoff/ha und Jahr und davon nicht mehr als 80 kg Gesamtstickstoff/ha aus mineralischen Düngemitteln aufgebracht wird.


2. Einhaltung einer schlagbezogenen Obergrenze für die Aufbringung von organischen Düngemitteln in Höhe von 170 kg Stickstoff/ha.

  • Ausnahme: Betriebe, die im Durchschnitt ihrer Flächen im belasteten Gebiet nicht mehr als 160 kg Gesamt-N/ha und Jahr und davon nicht mehr als 80 kg Gesamt- N/ha in Form von mineralischen Düngemitteln aufbringen.


3. Erweiterung der Sperrzeit für die Düngung auf Grünland und Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau (Ansaat vor dem 15. Mai) auf 1. Oktober bis einschließlich 31. Januar.

 

4. Erweiterung der Sperrzeit für das Aufbringen von Festmist von Huf- oder Klauentieren und Kompost auf 1. November bis einschließlich 31. Januar.

 

5. Verbot der Aufbringung von Düngemitteln mit einem wesentlichen Stickstoffgehalt zu Wintergerste, Zwischenfrüchten ohne Futternutzung und Winterraps im Herbst.

  • Ausnahmen: Eine N-Herbstdüngung zu Winterraps ist zulässig, wenn mit repräsentativer Bodenprobe nachgewiesen wird, dass die im Boden verfügbare N-Menge 45 kg/ha nicht überschreitet. Zwischenfrüchte ohne Futternutzung können mit Festmist oder Kompost bis zu 120 kg Gesamtstickstoff/ha gedüng werden. Bis zum 1. Oktober 2021 kann die zuständige Behörde (Landwirtschafts- und Umweltamt) eine Ausnahme für das Düngungsverbot bei Zwischenfrüchten ohne Futternutzung genehmigen, wenn der Betriebsinhaber einen  Bauantrag zur  Erweiterung der Lagerkapazität gestellt hat, die Baumaßnahme jedoch noch nicht abgeschlossen ist. Die Düngungshöhe ist aber auch dann auf 60 kg Gesamtstickstoff/ha begrenzt, wobei die Flächen nicht mit Festmist oder Kompost gedüngt werden oder worden sein dürfen.

  

6. Beschränkung der Aufbringungsmenge flüssiger organischer und flüssiger organisch-mineralischer Düngemittel, einschließlich flüssiger Wirtschaftsdünger, auf Grünland und Ackerland mit mehrjährigem Feldfutterbau (Ansaat vor dem 15. Mai) auf 60 kg N/ha innerhalb des Zeitraums vom 1. September bis zum 30. September.

 

7. Zwischenfruchtanbau über den Winter (mit Umbruch ab dem 15. Januar) ist vorgeschrieben, sofern die nachfolgende Kultur ab 1. Februar (mit Aussaat/Pflanzung nach dem 1. Februar/Sommerungen) gedüngt werden soll.

  • Ausnahmen: Ernte der letzten Kultur im Vorjahr nach dem 1.Oktober und Gebiete mit < 550 mm Niederschlag im langjährigen Mittel (diese Regel gilt ab Herbst 2021, in Brandenburg betroffene Feldblöcke werden noch ausgewiesen).
  • Da die endgültige Ausweisung der belasteten Gebiete durch die Bundesländer erst Ende 2020 vorlag, hat der Zwischenfruchtanbau erstmals im Herbst 2021 zu erfolgen.

 

8. Das Aufbringen von Wirtschaftsdüngern sowie von organischen und organisch mineralischen Düngemitteln, bei denen es sich um Gärrückstände aus dem Betrieb einer Biogasanlage handelt, darf nur erfolgen, wenn vor dem Aufbringen ihre Gehalte an Gesamtstickstoff, verfügbarem Stickstoff oder Ammoniumstickstoff und Gesamtphosphat auf der Grundlage wissenschaftlich anerkannter Messmethode vom Betriebsinhaber oder in dessen Auftrag festgestellt worden ist. Diese Untersuchung darf nicht älter als 1 Jahr sein.

 

9. Ermittlung des im Boden verfügbaren Stickstoffs vor dem Aufbringen wesentlicher Stickstoffmengen durch den Betriebsinhaber auf jedem Schlag oder jeder Bewirtschaftungseinheit mindestens einmal jährlich durch Untersuchung repräsentativer Proben.

  • Ausnahme: Dies gilt nicht für Grünlandflächen, Dauergrünlandflächen und Fläche mit mehrschnittigem Feldfutterbau für den Zeitpunkt der Düngung.

 

Befreiungen von diesen 9 Regelungen sehen beide Verordnungen nicht mehr vor.

Die Kulisse wurde bereits im Feldblockkataster des Landes Brandenburg veröffentlicht (bitte das Thema „Düngeverordnung“ aktivieren).

Link zum Feldblockkataster

Ein Datendownload ist kostenfrei über das GeoBroker-Portal (Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg) möglich (Fachkulisse zur Ausweisung nitratbelasteter Gebiete):

Fachkulisse zur Ausweisung nitratbelasteter Gebiete

Bei Fragen können Sie sich auch an das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF, Bodenschutz und Düngung) wenden.


¹ DüV

Düngeverordnung vom 26. Mai 2017 (BGBl. I S. 1305), die durch Artikel 1 der

Verordnung vom 28. April 2020 (BGBl. I S. 846) geändert worden ist

 

²BbgDüV

Brandenburgische Verordnung über besondere Anforderungen an die Düngung in

belasteten Gebieten (Brandenburgische Düngeverordnung - BbgDüV) vom

21. Dezember 2020 (GVBl.II/20, Nr. 126)