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Datum: 08.10.2026

Deutschlands erste »Universal-Moorraupe« ermöglicht klimaschonende Bodenpflege auf nassen Moorflächen.

Deutschlands erste „Universal-Moorraupe“ ist heute bei Seehausen im Landkreis Uckermark auf einer Moorfläche im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in Betrieb genommen worden. Das Besondere an dieser Moorraupe: Sie ist vielseitig nutzbar und eignet sich zur Moor- und Grünlandbewirtschaftung, wie zum Beispiel zum Mähen und gleichzeitig Sammeln, Mulchen und Forstmulchen. 

Mit ihr lassen sich deutlich mehr Flächen auch bei hohen Wasserständen bewirtschaften. Das Landwirtschafts- und Umweltministerium hat den Betrieb „MoorWert – Speziallandschaftspflege“ bei der Anschaffung mit rund 423.000 Euro aus der Richtlinie „Klima/Moorschutz – investiv“ unterstützt. Der Betrieb von Marc de la Barré gehört zu den Vorreitern bei der Bewirtschaftung nasser Moorflächen. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und dem Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie.

Landwirtschafts- und Umweltministerin Hanka Mittelstädt sagte heute bei der Einweihung: „Hier sehen wir in der Praxis, dass Moorschutz und Landwirtschaft zusammenpassen. Moore sind entscheidend für den Klimaschutz. Gleichzeitig können sie Landwirtinnen und Landwirten ein Einkommen sichern. Dank der Technik ist eine klimaschonende Bodenpflege möglich. Diesen Ansatz unterstützen wir mit unserer Förderrichtlinie ‚Klima/Moorschutz – investiv‘. Die neue Universal-Moorraupe ist Pioniertechnik für moorschonende Landwirtschaft: In dieser Form kommt sie erstmals in Deutschland zum Einsatz. Sie ermöglicht es, Flächen auch bei moorschonenden Wasserständen zu bewirtschaften. Das bremst die Torfzersetzung und die damit verbundenen Treibhausgasemissionen. Das Beispiel zeigt, wie Landwirtschaft auf nassen Moorflächen gelingen kann. Unser Ziel ist es, die Erfahrungen auszuwerten, die Technik weiterzuentwickeln und die Erkenntnisse anderen Betrieben zugänglich zu machen. Denn was hier erprobt und wissenschaftlich begleitet wird, kann für andere Betriebe neue Wege eröffnen.“

Der ökologisch wirtschaftende Familienbetrieb „MoorWert – Speziallandschaftspflege“ in Oberuckersee hält und züchtet Galloway-Rinder. Bereits 2023 hat das Land die Anschaffung moorangepasster Bewirtschaftungstechnik mit rund 130.000 Euro gefördert.

Die Moor-Universal-Raupe (muR) ermöglicht Pflege und Ernte auch auf schwierigen Moorstandorten. Dank ihres extrem geringen Bodendrucks arbeitet das Fahrzeug mit Vierkettenantrieb zuverlässig auf weichen, nassen oder sumpfigen Flächen wie Mooren und Feuchtwiesen. Zudem ist sie vielseitig in der Grünlandbewirtschaftung einsetzbar.

Mit der geförderten Technik des Herstellers mera Rabeler kann der Betrieb rund 332 Hektar bei moorschonenden Wasserständen bewirtschaften. Das rechnerische Treibhausgas-Minderungspotenzial dieser Fläche beträgt rund 7.000 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr. Das entspricht in etwa dem jährlichen CO2-Fußabdruck von rund 700 Menschen; der durchschnittliche CO2-Fußabdruck in Deutschland beträgt nach Angaben des Bundesumweltamtes 9,8 Tonnen CO2-Äquivalente pro Kopf und Jahr. CO₂-Äquivalente sind eine gemeinsame Maßeinheit, in der die Klimawirkung verschiedener Treibhausgase, hier Kohlendioxid und Methan, vergleichbar gemacht wird.

Die neue Maschine soll zuerst in der Uckerniederung eingesetzt werden. Anschließend geht es für das Kettenfahrzeug weiter in die Sernitzniederung zwischen Greiffenberg und Biesenbrow. Landwirt Marc de la Barré arbeitet auch mit dem Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin sowie mit der Succow Stiftung zusammen. Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie untersuchen dabei, wie sich Technik und Bewirtschaftung auf den Flächen bewähren und wirtschaftlich tragen. Diese wissenschaftliche Begleitung wird ebenfalls vom Land gefördert.

Hintergrund

Mit der Richtlinie „Klima/Moorschutz – investiv“ fördert das Land in Brandenburg Maßnahmen zur Umstellung der Nutzung von organischen und hydromorphen Böden auf klimagerechte, moorschonende Bewirtschaftungsverfahren. Das Förderprogramm wird aus Mitteln des Zukunftsinvestitionsfonds finanziert und soll nachhaltige Impulse für eine ressourcen- und klimaschonende sowie langfristig existenzsichernde Landwirtschaft geben. Die Richtlinie trat im Oktober 2022 in Kraft. Mit ihr wurden bereits 33 Projekte mit insgesamt 6,2 Millionen Euro unterstützt. Von dieser Förderung profitiert eine Fläche von rund 5.400 Hektar. Das rechnerische Treibhausgasminderungspotenzial dieser Fläche beträgt rund 79.500 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr.

Brandenburg gehört mit rund 264.000 Hektar (8,9 Prozent der Landesfläche) zu den moorreichsten Bundesländern. Das Land hat einen Anteil an der Moorfläche Deutschlands von circa 15 Prozent.

In der Vergangenheit wurden die Moore Brandenburgs in großem Umfang für landwirtschaftliche Zwecke entwässert; heute werden sie überwiegend als Grünland, Acker- und Forstflächen genutzt. Entwässerung und intensive Nutzung führen zu Moorbodenverlusten. Nur noch auf knapp 9.000 Hektar der brandenburgischen naturnahen Moorflächen kann Torfwachstum stattfinden. Weitere rund 14.400 Hektar Moorflächen sind noch nass genug, dass Torfe weitgehend erhalten bleiben.

Quelle: Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz